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Die Mondschwimmerin Roman von Barry, Brunonia (eBook)

  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Die Mondschwimmerin

Ein fesselnder Frauenroman vor der atemberaubenden Kulisse
Eine Familie, die über die Vergangenheit schweigt. Ein Geheimnis, das alles überschattet. Und eine junge Frau, die sich endlich befreien will ...
Nur widerwillig kehrt die junge Towner Whitney nach fünfzehn Jahren in ihre Heimatstadt Salem, Neuengland, zurück. Towners geliebte Großtante Eva, der man hellseherische Fähigkeiten nachsagt, wird vermisst, und ein paar Tage später entdeckt man an der Küste ihre Leiche. Viele in Salem, allen voran die Frauen des Whitney-Clans und Detective Rafferty, haben ihre Zweifel, ob Eva eines natürlichen Todes gestorben ist. In der Tat steht dieser Todesfall nur am Anfang einer Reihe unheilvoller Geschehnisse. Und schon bald muss sich Towner längst verdrängten Tragödien stellen: Wie kam damals ihre geliebte Zwillingsschwester wirklich ums Leben? Weshalb hat sich ihre Mutter vor vielen Jahren auf eine einsame Insel vor Salem zurückgezogen? Erst nach und nach gelingt es Towner, die Bruchstücke ihrer Erinnerungen zusammenzusetzen und die sorgsam gehüteten Familiengeheimnisse aufzudecken - und am Ende ist nichts mehr, wie es einmal war. "Die Mondschwimmerin" ist ein Buch über starke Frauen, über das Erinnern, über Lügen und Halbwahrheiten. Brunonia Barry erzählt von seelischen Abgründen - und natürlich von der Liebe.

Brunonia Barry, geboren und aufgewachsen in Massachusetts, studierte Literatur am Green Mountain College in Vermont und an der University of New Hampshire. Sie verbrachte ein Jahr in Dublin, um sich intensiv mit James Joyces Meisterwerk "Ulysses" zu befassen. Barry war Mitbegründerin der Portland Stage Company und arbeitete jahrelang als Drehbuchautorin in Kalifornien. Inzwischen lebt Brunonia Barry mit ihrem Mann in Salem, Massachusetts. Ihr Romandebüt "Die Mondschwimmerin", das sie zunächst im Selbstverlag publiziert hatte, wurde dank Mundpropaganda ein sensationeller Erfolg. Es wurde in über 20 Länder verkauft und stand wochenlang auf den ersten Plätzen der New York Times Bestsellerliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641026332
    Verlag: btb
    Originaltitel: The Lace Reader
    Größe: 381 kBytes
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Die Mondschwimmerin

Kapitel 12 (S. 101-102)

In alten Häusern fangen sich Fäden von Menschen, die in ihnen gelebt haben, genau wie in einem Stück Spitze. Meistens bleiben diese Fäden ruhig an ihrem Platz, bis jemand sie aufstöbert. Eine alte Putzfrau, die sich streckt, um Spinnweben zu entfernen, bringt den träumerischen Tanz eines Mädchens zum Vorschein, das gerade von seinem ersten Kotillon nach Hause gekommen ist, die Tanzkarte noch am Handgelenk. Das Mädchen schließt die Augen und dreht sich, es möchte den Augenblick festhalten, die Erinnerung an die erste Liebe. Die alte Putzfrau kennt dieses Traumbild besser als das Mädchen selbst. Sie hat sich immer danach gesehnt, aber sie hat es nie gelebt.

Im Gespinst der Fäden können die beiden Welten einander berühren. Für das Mädchen, das das Traumbild gelebt hat und jetzt erwachsen ist, ist alles vergessen außer dem Gefühl. Sie erinnert sich nicht an den Namen des jungen Mannes. Sie bewahrt andere Dinge im Gedächtnis, Dinge, die ihr letztlich wichtiger sind: den Mann, den sie geheiratet hat, die Geburt eines Kindes.

Aber für die Putzfrau ist der Faden stärker. Er ist zum Teil Vision, zum Teil die Erfüllung eines Traums, der lange zurückliegt, aber nie vergessen wurde. Das nimmt ihr plötzlich den Atem, und sie muss sich kurz auf das Bett des Mädchens setzen. Evas Bett.

Der Ort, wo sich die Fäden verbinden, hat die beiden Frauen miteinander verknüpft. Die Putzfrau kann nicht wissen, dass das junge Mädchen Eva war, die jetzt im mittleren Alter ist. Die Frau stammt nicht von hier. Sie kannte Eva nicht als Mädchen. Doch auch ohne dieses Wissen hat sich zwischen ihnen etwas geändert. Als die Putzfrau fertig ist und die Treppe herunterkommt, bietet ihr Eva zum allerersten Mal eine Tasse Tee an. Die alte Frau lehnt natürlich ab, das würde sich nicht gehören, und selbst wenn es sich schickte, so ist sie doch eine schüchterne Frau, die nicht zu Gesprächen neigt. Es wäre ihnen nicht wohl dabei, wenn sie ihr Verhältnis zu einem so späten Zeitpunkt in ihrem Leben noch änderten, vielleicht wäre es gänzlich unmöglich. Aber etwas hat sich trotzdem geändert, und das wissen sie beide.

Heute zeigt mir Eva viele von ihren Erinnerungsfäden, mindestens einen aus jedem Jahrzehnt ihres Lebens: die Farm in Ipswich, wo sie aufwuchs, die Hochzeit mit G. G., Emmas Geburt.

Das Quietschen einer sich öffnenden Tür verwandelt sich in Evas Stimme mit ihrem vornehmen Dialekt der Bostoner Brahmanen. Die Stimme stellt Fragen, als wollte Eva ein Spitzenorakel erstellen, um herauszufinden, was sich zugetragen hat. "Bin ich tot? Bin ich gestorben? Ist mein Leben zu Ende?"

"Ja", sage ich laut. Meine Antwort schwirrt im Zimmer umher und hallt von den Wänden wider. "Du bist gestorben. Ich bin hier, um deine Sachen durchzuschauen, damit es kein anderer tut. Kein Fremder wird die Dinge berühren, die dir am wichtigsten waren. Ich tue das nicht, weil ich es will – ich will nur weg von hier und nie mehr wieder zurückblicken. Nein, ich tue das nicht, weil ich es will, sondern weil ich weiß, dass du das gewollt hättest."

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