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Die Nachhaltigen von Böss, Gideon (eBook)

  • Erschienen: 08.10.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)

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Die Nachhaltigen

'Du bist schwarz, also runter von der Bühne!' Natürlich klang das erst einmal hart. Aber verdammt, es ging hier um die Rolle des Adolf Hitler. Hätte Bastian ihm einfach die Rolle in seinem Theaterstück gegeben, wäre vieles anders gekommen.

Er wäre nicht zum Feindbild der Bürgerinitiative gegen Rassismus geworden und auch nicht aus einem Fernsehstudio geflogen. Andererseits hätte er Lena nicht imponieren können, für die er in die radikale Umweltschutzpartei 'Die Nachhaltigen' eingetreten ist. Bastian hätte keine Tiere befreit, nicht am 3. Comedy-Wettbewerb des nachhaltigen Humors teilgenommen und nie von einem Kommunisten erfahren, was der König der Löwen mit dem 11.September zu tun hat. Kurzum: Er wäre nicht der Mann geworden, der er heute ist. Und war das allein nicht schon den ganzen Stress wert? Nein.

'Ein großer Spaß! Und wer glaubt, das Ganze ist eine durchgeknallte Satire, der muss nur mal eine Zeit lang in Berlin leben.' Vince Ebert

'Eine wunderbare Gesellschaftssatire, bei der noch offen ist, ob die Realität sie einholen wird.' Jan Fleischhauer

Produktinformationen

    Größe: 863kBytes
    Herausgeber: Bastei Lübbe
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 302
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    ISBN: 9783838758374
    Erschienen: 08.10.2014
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Die Nachhaltigen

17. JUNI

'Von daher bleibt nur noch mutig zu sagen: Jawohl, wir krempeln die Ärmel hoch. Wir packen es an. Gemeinsam, gegen alle Widerstände! Die Revolution hat begonnen!'

Revolution? Was genau wollte der gute Mann eigentlich von ihm? Bastian Nowak hielt den Brief noch lange in Händen. Wirr. Aber trotzdem eine gute Nachricht. Ja, doch. Es stand also fest: "Hitlertage" wird aufgeführt. Zwar keine große Bühne, aber immerhin. Vom Theater Stacheligel hatte Bastian zum ersten Mal gehört, als Krell sich ihm als dessen Intendant vorgestellt hatte.

Bastian lief durch seine kleine Wohnung. Er stellte sich ans Fenster und betrachtete die triste Plattenbau-Skyline um sich herum. Berlin-Marzahn, offiziell Teil der Hauptstadt, aber was hieß das schon? Wären Stadtteile Menschen, Marzahn wäre der, über den in der Zeitung steht, dass betrunkene englische Touristen ihn leblos im Landwehrkanal entdeckt haben.

Nichts würde Bastian vermissen, wenn er diese Wasserleiche gegen etwas Lebendiges eintauschen könnte. Eine Villa in der Toskana, warum nicht? Viele Künstler haben das. Wer ein Theaterstück inszeniert, gehört dazu. Wie hieß es so schön: Frauen, Geld und Ruhm, in der Reihenfolge. Wobei ihn weder Geld noch Ruhm antrieben, und auch die Frauen bräuchte es nicht im Plural. Die eine würde ihm schon reichen: Lena Habermann.

Krell jedenfalls lebte in einer Villa, in der Villa Solidarität , und in die hatte er Bastian eingeladen, "um dem Mann hinter diesen fesselnden Utopien auch noch einmal offiziell die Hand reichen zu können!", wie es im Schreiben hieß. Sehr schmeichelhaft, auch wenn sie sich schon diverse Male die Hand gereicht hatten. Nur noch nicht im privaten Rahmen und offensichtlich auch nie offiziell. Gleichzeitig irritierte Bastian eine Einschränkung: "Die Villa Solidarität befindet sich (noch!) in Privatbesitz in der Chemnitz-Allee 11."

Nachdem Bastian lange genug in die deprimierende Welt vor seinem Fenster geblickt hatte, wandte er sich wieder ab. Es gab keinen Marzahn Way of Life, weil es hier nicht mal einen Way gab. Es gab nur ein Marzahn Life, für immer, wenn man nichts dagegen tat. Sterben war die eine Möglichkeit, von hier wegzukommen, die andere probierte Bastian gerade aus.

Er betrachtete noch einmal den Brief. Mit Hand verfasst. Nicht schön, aber ehrlich. Genau wie die Zeichnungen, die Krell angefertigt hatte. Friedenstauben und Panzer mit roten Sternen, die über einen McDonald's fuhren und ihn zertrümmerten. Überhaupt viele rote Sterne. Warum auch nicht? Bastian war es egal. Er freute sich einfach. Sein Werk, eine Bühne. Endlich! Wer hätte das vor ein paar Monaten gedacht?

Er wunderte sich einen Moment darüber, wie es überhaupt zu alldem gekommen war. Er glaubte nicht an Schicksal, viel eher verlief sein Leben so, als hätte es ein zweitklassiger Drehbuchautor nachts um halb drei mit dröhnendem Kopf verfasst. Fest stand jedenfalls, dass es dieses Stück nicht ohne Lena und die Nachhaltigen gegeben hätte. Ohne sie hätte Bastian vermutlich längst sein BWL-Studium abgeschlossen und wäre nun Mitarbeiter der Sparkasse oder eines mittelständischen Unternehmens. Stattdessen hatte er das Studium geschmissen, sich verliebt und ein Theaterstück verfasst, dessen Plot in einem Satz lautete: Adolf Hitler und Eva Braun diskutieren auf einer Party mit dem Deutschen Michel über Rassismus. Ein Dreipersonenstück. Es gab darin dramatische Szenen, Bastian war nicht unzufrieden.

Trotzdem war er am nächsten Morgen etwas nervös, als er seine Wohnung verließ. Er kam am Spielplatz der Siedlung vorbei. Zwei Schaukeln, eine Rutsche, ein Sandkasten. Auf dem Boden lagen Bierflaschen, und irgendjemand hatte "Ultras!" auf die Bank gepinselt. Hinweisschilder warnten davor, dass in den Gebüschen Rattengift auslag. Kinder sah man hier selten, was für sie sprach.

Nach einem kurzen Fußweg zwisch

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