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Die Neue Magdalena von Collins, Wilkie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.12.2016
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Die Neue Magdalena

Dieses eBook: 'Die Neue Magdalena' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Aus dem Buch: 'Der Diener stand noch in Erwartung einer Antwort da; er nahm an dem, was vorging, keinen Anteil, wie andere menschliche Wesen, sondern verhielt sich, wie es gut dressierten Bedienten zukommt, ganz wie irgend ein Möbel, welches mittelst einer kunstvollen Vorrichtung auf Befehl kommt und geht.' Wilkie Collins (1824-1889) war ein britischer Schriftsteller und Verfasser der ersten Mystery Thriller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 310
    Erscheinungsdatum: 10.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026872283
    Verlag: e-artnow
    Größe: 836 kBytes
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Die Neue Magdalena

Kapitel 2
Die Magdalena - der Neuzeit

Inhaltsverzeichnis
"Waren Sie bei Lebzeiten Ihrer Mutter jemals in der Lage, mit ihr nach hereingebrochener Nacht durch die Straßen einer großen Stadt zu gehen?"

In dieser sonderbaren Weise eröffnete Mercy Merrick die vertrauliche Unterredung, zu der sie Grace Roseberry genötigt hatte. Grace antwortete einfach: "Ich verstehe Sie nicht."

"Ich will Sie auf andere Art fragen", sagte die Wärterin. Ihre Stimme verlor die unnatürliche Härte und Strenge und gewann ihre ursprüngliche Weichheit und jenen traurigen Klang wieder, als sie folgende Worte sprach: "Sie lesen doch die Zeitungen wie die übrigen Leute", fuhr sie fort; "haben Sie da nie von Ihren unglücklichen Mitmenschen gehört - den darbenden Auswürflingen der Gesellschaft - welche die Not zur Sünde getrieben hat?"

Noch immer verwundert, antwortete Grace, dass sie dergleichen öfter in Zeitungen und Büchern gelesen habe.

"Haben Sie gehört - dass, wenn diese darbenden, sündigen Geschöpfe Frauen waren - ein Zufluchtsort für sie bestand, um sie zu schützen und zu bessern?"

Die Überraschung, mit der Grace anfangs zugehört hatte, verschwand und machte einem undeutlichen Verdacht Platz, dass etwas Peinliches im Anzug sei. "Dies sind außergewöhnliche Fragen", sagte sie ängstlich. "Was meinen Sie damit?"

"Antworten Sie mir", drängte die Wärterin. "Haben Sie von den Besserungshäusern gehört? Haben Sie von Frauen gehört, die so tief gesunken sind?"

"Ja."

"Rücken Sie Ihren Stuhl noch etwas weiter von mir weg." Sie hielt inne. Ihre Stimme sank, ohne ihre Festigkeit zu verlieren, tief herab. "Ich war einst auch eine dieser Unglücklichen", sagte sie ruhig.

Grace sprang mit einem unterdrückten Schrei empor. Sie stand wie versteinert, unfähig ein Wort hervorzubringen.

"Ich war in einem Besserungshause", fuhr die sanfte, traurige Stimme der anderen fort. "Ich bin im Gefängnis gewesen. Wünschen Sie jetzt noch meine Freundin zu werden? Drängt es Sie noch, an meiner Seite zu sitzen und meine Hand zu fassen?" Sie wartete auf eine Antwort, doch es kam keine. "Sehen Sie, Sie hatten sich geirrt", fuhr sie sanft fort, "als Sie mich grausam nannten - und ich hatte recht, wenn ich sagte, ich sei nur wohlwollend."

Bei dieser Anrede fasste sich Grace. "Ich will Sie nicht kränken", begann sie verwirrt.

Mercy Merrick unterbrach sie. "Sie kränken mich nicht", sagte sie in einem Tone, dem man auch nicht den leisesten Schmerz anmerken konnte. "Ich bin es gewohnt, am Pranger meiner eigenen Vergangenheit zu stehen, ich frage mich wohl mitunter, ob ich allein die Schuld an allem trage. Ich möchte manchmal wohl wissen, ob denn die menschliche Gesellschaft nicht irgend Verpflichtungen mir gegenüber hatte, damals, als ich als Kind in den Straßen Zündhölzchen verkaufte und später - wie mir als Arbeiterin gar oft bei der Nadel die Sinne schwanden aus Mangel an Nahrung." Hier, zum ersten Male, versagte ihr die Stimme; sie wartete einen Augenblick, und war wieder gefasst. "Jetzt ist es nutzlos, bei diesen Dingen zu verweilen", sagte sie ergeben. "Die Gesellschaft kann dafür zahlen, dass ich gebessert werde - aber mir selbst kann sie mich nicht mehr zurückgeben. Sie sehen mich hier auf einem Vertrauensposten - wo ich in Geduld und Demut nach Kräften Gutes tue. Es ist einerlei! Hier oder anderswo, was ich jetzt bin, ändert nicht, was ich einst war. Drei Jahre hindurch tat ich alles, was eine Frau, die aufrichtig büßen will, nur tun kann. Es ist einerlei! Lassen Sie meine Geschichte nur erst bekannt werden, und ihr Schatten fällt auf mich; die liebevollsten Menschen ziehen sich von mir zurück."

Sie wartete abermals, ob denn dies Wesen wohl ein Wort des Trostes für sie haben werde? Nein. Miss Roseberry fühlte sich unangenehm berührt; Miss Roseberry war verwirrt. "Mir tun Sie recht leid", war alles, was sie sagen konnte.

"Jedermann bedauert mich", a

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