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Die Nickel Boys von Whitehead, Colson (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.06.2019
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Die Nickel Boys

Florida, Anfang der sechziger Jahre. Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee und ist ein Bewunderer Martin Luther Kings. Als er einen Platz am College bekommt, scheint sein Traum von gesellschaftlicher Veränderung in Erfüllung zu gehen. Doch durch einen Zufall gerät er in ein gestohlenes Auto und wird ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort werden die Jungen missbraucht, gepeinigt und ausgenutzt. Erneut bringt Whitehead den tief verwurzelten Rassismus und das nicht enden wollende Trauma der amerikanischen Geschichte zutage. Sein neuer Roman, der auf einer wahren Geschichte beruht, ist ein Schrei gegen die Ungerechtigkeit. Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, studierte an der Harvard University und arbeitete für die New York Times, Harper's und Granta. Whitehead erhielt den Whiting Writers Award (2000) und den Young Lion's Fiction Award (2002) und war Stipendiat der MacArthur 'Genius' Fellowship. Für seinen Roman Underground Railroad wurde er mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen bisher John Henry Days (Roman, 2004), Der Koloß von New York (2005), Apex (Roman, 2007), Der letzte Sommer auf Long Island (Roman, 2011), Zone One (Roman, 2014), Underground Railroad (Roman, 2017) und Die Nickel Boys (Roman, 2019). Der Autor lebt in Brooklyn.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 250
    Erscheinungsdatum: 03.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446262966
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Größe: 1324 kBytes
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Die Nickel Boys

Prolog

Sogar als Tote machten die Jungs noch Ärger.

Der geheime Friedhof lag am Nordrand des Nickel-Geländes auf einem verwilderten Hektar Land, zwischen der ehemaligen Werkscheune und der Müllkippe der Anstalt. Als man dort noch Kühe hielt und die Milch an lokale Kunden verkaufte - eine Maßnahme des Staates Florida, um den Steuerzahlern die Kosten für die Jungs zu ersparen -, war diese Brache eine Viehweide gewesen. Die Entwickler des Büroviertels hatten das Feld als Lunch-Plaza vorgesehen, mit vier Wasserspielen und einem Musikpavillon für gelegentliche Konzerte. Die Entdeckung der Toten war eine teure Komplikation, sowohl für das Immobilienunternehmen, das auf grünes Licht durch das ökologische Gutachten wartete, als auch für den Staatsanwalt, der die Ermittlungen wegen der Missbrauchsvorwürfe kürzlich eingestellt hatte. Nun musste er schon wieder ermitteln, die Identität der Toten und die Todesursachen klären, und niemand wusste, wann man diesen ganzen verfluchten Ort endlich räumen, plattmachen und komplett aus der Geschichte tilgen konnte, was, darin waren sich alle einig, längst überfällig war.

Jeder Junge kannte diesen schlimmen Ort, aber es musste erst eine Studentin der University of Tampa kommen, um den Rest der Welt darauf hinzuweisen, Jahrzehnte nachdem man den ersten Jungen in einen Kartoffelsack verschnürt und in eine Grube versenkt hatte. Auf die Frage, wie sie die Gräber entdeckt habe, antwortete Jody: "Die Erde sah komisch aus." Der eingesunkene Boden, das struppige Unkraut. Jody und alle anderen Archäologiestudenten der Uni waren seit Monaten damit beschäftigt, den offiziellen Anstaltsfriedhof auszugraben. Der Staat konnte erst nach der Umbettung aller sterblichen Überreste über das Grundstück verfügen, und die Archäologiestudenten mussten Praxis-Punkte sammeln. Sie teilten das Gelände mit Pflöcken und Draht in Suchfelder auf, gruben mit Handschaufeln und schwerem Gerät. Nach dem Durchsieben der Erde lag ein Durcheinander von Knochen, Gürtelschnallen und Limonadenflaschen auf ihren Tabletts, eine rätselhafte Ausstellung.

Die Nickel-Jungs nannten den offiziellen Friedhof Boot Hill, ein Name, aufgeschnappt in Samstagsmatineen, bevor man sie in die Anstalt steckte und solcher Freizeitvergnügen beraubte. Der Name blieb hängen, er war noch Generationen später in Gebrauch, unter jüngeren Schülern aus Tampa, die noch nie einen Western gesehen hatten. Boot Hill lag im Norden des Anstaltsgeländes gleich jenseits des hohen Hügels. Die weißen Zementkreuze, mit denen die Gräber markiert waren, fingen an lichten Nachmittagen den Sonnenschein ein. Zwei Drittel der Kreuze trugen eingeritzte Namen, alle anderen waren anonym. Die Identifizierung erwies sich als schwierig, aber der Konkurrenzkampf unter den jungen Archäologen sorgte für stete Fortschritte. Die Akten der Besserungsanstalt, obwohl lückenhaft und schlampig geführt, erlaubten Rückschlüsse auf die Identität von WILLIE 1954. Verkohlte Überreste deuteten auf Opfer des Wohnheimbrandes im Jahr 1921 hin. Positive DNA -Vergleiche mit lebenden Angehörigen - jenen, die die Studenten aus Tampa aufspüren konnten - verknüpften die Toten wieder mit der Welt der Lebenden, die sich auch ohne sie weitergedreht hatte. Von dreiundvierzig Toten blieben sieben namenlos.

Die Studenten türmten die weißen Zementkreuze neben der Ausgrabungsstätte auf. Als sie eines Morgens wieder an die Arbeit gehen wollten, hatte man die Kreuze zu Bruch und Staub geschlagen.

Boot Hill ließ seine Jungen nacheinander aus den Fängen. Jody war aufgeregt, als sie beim Abspritzen diverser Objekte aus einem der Gräber erste Funde machte. Professor Carmine meinte, der kleine, schmale Knochen in ihrer Hand stamme gewiss von einem Waschbären oder irgendeinem anderen Kleintier. Der geheime Friedhof entschädigte sie dafür. Jody stieß darauf, als sie auf der Suche nach einem Handysignal über das G

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