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Die Päpstin von Cross, Donna Woolfolk (eBook)

  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)

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Die Päpstin

Im bitterkalten Winter des Jahres 814 bringt die heidnische Frau des Dorfpriesters ein Mädchen zur Welt: Johanna. Sie wächst in einer Welt düsteren Aberglaubens auf, gegen den ihr Vater grausam zu Felde zieht. Er läßt sogar die Hebamme des Ortes als Hexe verfolgen. Ein Mensch erkennt bei Johanna besondere Gaben: Aeskulapius, der Pädagoge aus dem fernen Byzanz, weist sie als einziges Mädchen in die Lehren der Philosophie und Logik ein. Doch beinahe wird Johanna ihr Wissensdurst zum Verhängnis. Nur der Ritter Gerold, ihr Freund und späterer Liebhaber, vermag sie vor dem grausamen Magister Odo zu bewahren. Nach einem verheerenden Feldzug der Normannen weiß sie endgültig: Frauen wie sie überleben in dieser Welt nicht. So geht sie als Mönch verkleidet ins Kloster Fulda. Als Medicus betritt sie Jahre später Rom, die Stadt des Papstes - wo die Wechselfälle des Schicksals sie schließlich selbst auf den heiligen Stuhl bringen.

Donna Woolfolk Cross wurde in den vierziger Jahren in New York geboren, wo sie auch aufwuchs. Nach ihrem Studium arbeitete sie unter anderem in der Verlagsbranche. Heute lebt sie einige Autostunden nördlich der Großstadt im Bundesstaat New York und lehrt 'Writing' am Onondaga College. 'Die Päpstin' ist der erste Roman der Autorin, ihre vorausgegangenen Publikationen waren Sachbücher, die sich mit den Themen Gesprächstraining und Kommunikation befassten.

Produktinformationen

    Größe: 2873kBytes
    Reihe (Teil): Aufbau Taschenbücher Bd.2785
    Herausgeber: Aufbau Verlag
    Untertitel: Roman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 566
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    ISBN: 9783841200082
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Die Päpstin

2. (S. 26-27)

Der hölzerne Griffel bewegte sich schnell und bildete Buchstaben und Worte im weichen gelben Wachs der Schreibtafel. Aufmerksam blickte Johanna ihrem Bruder Matthias über die Schulter, während dieser die Lektion des heutigen Tages niederschrieb. Dann und wann hielt er inne und wedelte mit einer Kerzenflamme über die Schreibtafel, damit das Wachs nicht zu schnell hart wurde. Johanna schaute Matthias sehr gern bei der Arbeit zu.

Mit dem spitzen Holzgriffel drückte er Furchen in das formlose Wachs, die in Johannas Augen eine geheimnisvolle Schönheit besaßen. Nur zu gern hätte sie verstanden, für welchen Buchstaben jedes Zeichen stand. Wie stets verfolgte sie auch diesmal voller Aufmerksamkeit alle Bewegungen des Griffels, als wollte sie den Schlüssel finden, der ihr die Bedeutung enthüllte, die sich hinter der Gestalt der verschiedenen Linien im Wachs verbarg.

Matthias legte den Griffel zur Seite, lehnte sich im Stuhl zurück und rieb sich die Augen. Johanna nutzte die Gelegenheit, beugte sich über das Schreibpult und zeigte auf eins der Worte. "Was hat das hier zu bedeuten?" "Geronimus. So hieß einer der großen Kirchenväter." "Geronimus", wiederholte Johanna langsam. "Das hört sich so ähnlich wie mein eigener Name an." "Weil einige Buchstaben dieselben sind", erwiderte Matthias lächelnd. "Zeig sie mir." "Lieber nicht. Es würde Vater nicht gefallen, wenn er's herausfände. " "Das glaube ich nicht", bettelte Johanna.

"Bitte, Matthias. Ich möchte es so gern wissen. Zeig es mir. Bitte, bitte." Matthias zögerte. "Also gut. Was kann es schon schaden, wenn ich's dir beibringe, deinen Namen zu schreiben. Es könnte dir sogar von Nutzen sein, wenn du eines Tages verheiratet bist und deinen eigenen Haushalt führen mußt." Er legte die Hand auf die der Schwester und half ihr, die Buchstaben ihres Namens ins Wachs zu ritzen: J-O-H-A-N-N-A, mit einem schön geschwungenen "A" am Schluß. "Gut.

Und jetzt versuch es allein." Johanna packte den Griffel ganz fest, brachte ihre Finger in die seltsame, unbequeme Schreibhaltung und zwang sie, jene Schriftzeichen zu bilden, die sie zuerst vor dem geistigen Auge formte. Einmal stampfte sie vor Zorn und Enttäuschung mit dem Fuß auf, als sie den Griffel nicht in die gewünschte Richtung führen konnte. "Langsam, kleine Schwester, langsam", beruhigte Matthias sie. "Du bist erst fünf. In diesem Alter ist es nicht so leicht, schreiben zu lernen.

Ich kann mich gut daran erinnern; ich habe auch mit fünf Jahren angefangen. Laß dir Zeit, dann geht es zum Schluß ganz wie von selbst." Am nächsten Tag stand Johanna sehr früh auf und ging nach draußen. In der weichen Erde um den Viehpferch herum malte sie mit dem Finger immer wieder bestimmte Buchstaben, bis sie sicher war, es richtig gemacht zu haben. Dann rief sie stolz Matthias zu sich, damit er ihr Werk bewundern konnte. "Oh! Das ist sehr gut, kleine Schwester! Wirklich, ich muß schon sagen, daß du ..." Abrupt hielt er inne und murmelte schuldbewußt: "Aber wenn Vater das hier sieht, wird es ihm ganz und gar nicht gefallen." Mit der Schuhsohle glättete er die Erde und verwischte die Buchstaben, die Johanna geschrieben hatte.

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