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Die Qualle Ostsee-Roman von Paech, Celia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.05.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die Qualle

Thea fühlt sich verfolgt. Sie hat ein maritimes Forschungsprojekt abgebrochen, das ihre äußere Gestalt zum Gegenstand macht. Thea ist Albina. Eine Besonderheit, die auffällt und das Interesse von Menschen weckt, insbesondere von Wissenschaftlern für gewagte Versuche und eigene Vorteile. Wem kann sie noch vertrauen? Voller Zweifel und Selbstzweifel stellt sie sich den Herausforderungen bis ins hohe Lebensalter. In Theas Leben begleitet sie die Qualle als geheimnisvoll vertrautes Meereswesen und als Metapher für gesellschaftliche Verhältnisse. Der Roman hinterfragt Forschungsgier und Rüstungswahn und plädiert an die Verantwortung des denkenden, handelnden und fühlenden Menschen für die lebendige verletzliche Meeres-Welt, die der Mensch so bewundert und dennoch zerstört. Die Ostsee und die Steilküste an der Kieler Förde geben die Kulisse für dramatische Entwicklungen im Jahr 2024 ab, die ihren Ursprung im Heute und im Gestern haben. Celia Paech ist Jahrgang 1945, Medienpädagogin im Ruhestand und lebt an der Ostsee-Steilküste in Schleswig-Holstein. Sie schreibt für ihre Kinder und Enkel und für die Menschen, die ihre Sinne schärfen wollen für Fragen und Probleme unserer Zeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 572
    Erscheinungsdatum: 24.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741249105
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 943kBytes
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Die Qualle

Déjà Vu

Thea hockt und starrt. Lehnt ihre Stirn gegen den kühlen Holm, der sie von den Wasserwesen trennt. Bedrohlich. Die nahen, zu nahen Hosenbeine. Zwei Paar. Beine in Hosen aus Jeansstoff. Jedermann-Beine in Jedermann-Hosen. Thea weiß, dass dies nicht so ist. Hier nicht. Diese nicht.

Männlich und weiblich.

Thea schließt die Augen. Kneift sie fast zusammen. Nicht hinsehen. Wie ein kleines Kind. Wenn ich (dich) nicht sehe, siehst du (mich) auch nicht. Trügerisches Hoffen, es möge vorübergehen. Angst. Atemstill. Leises Keuchen. Brustkorb zum Platzen prall. Dröhnender Herzschlag im Ohr. Wie Watte, die Geräusche der Welt gedämpft. Stimmen, Schurren von Schuhen und Fahrrädern über die Brücke. Motoren von Schiffen. Sie will hören. Die Angst zähmen. Nein, lass sie fließen!, sagt sie sich. Mit dem Atem fließen. Du weißt, alles ist Kreisströmen. Alles. Gegenwart umfließt Vergangenes, strömt in die Zukunft. Hier und Jetzt!

Gleich ... werden ihre Arme sie greifen, hochziehen, anheben und über die Brüstung ins Wasser fallen lassen - ins Quallenwasser, zu den glibberigen Geschöpfen aus Wasser ... Wie damals ... der Test ... Nein, sie nehmen mich gleich mit sich ...

Thea lockert den Klammergriff, denn sie spürt die Bewegung neben sich. Links und rechts. Die Hosenbeinstoffe rascheln aneinander. Die Sohlen treten zurück und zur Seite. Vorsichtig wagt sie, die Augen zu öffnen. Einen Spalt. Augenwinkelblick. Links und rechts. Sie sind fort.

Wirklich fort? Erst Ausatmen und wieder Einatmen; flacher atmen, leichtes Hecheln. Jetzt geht's.

Thea wendet den Kopf und sieht schräg hinter sich. Vorsichtig. Links und rechts. Dort hinten gehen sie. Ja, sie sind es. Sie reden mit einander, nicken kurz und beschleunigen ihren Schritt. Über die Brücke nach Gaarden gehen sie, in den Ostteil der Stadt Kiel. Und Thea ahnt ihr Ziel: Die "Kopf-Klinik" ... das Nebengebäude dahinter ... die Souterrainräume ... fensterlos ... tief in der Erde ... mit Zugang zur Förde ... zum Wasser der See ...

Ein Schauder rieselt kalt über ihre Haut. Sie haben mich nicht erkannt ...

"Darf ich Ihnen aufhelfen?" Thea schreckt zusammen. "Ist Ihnen nicht gut?" Thea zittert. "Haben Sie etwas verloren? - Ist es ins Wasser gefallen?" Thea spürt die Arme, die sie hochziehen. Leicht, ohne Druck. Sie lässt es geschehen. Eine fremde Stimme. Jung. Klar. Mitfühlend. Thea richtet sich auf. Blickt in ein freundliches Lächeln. Graue Augen hinter blaurandiger Brille. Rundgehäkeltes Wollkäppchen auf blond gebleichtem Kurzhaar. Regenbogenfarben auf struppigem Weiß. "Können Sie alleine stehen?" Jetzt erst merkt Thea, dass die junge Frau sie umfasst hält. "Danke", quält sich ein erster Ton aus ihrer trockenen Kehle über die pelzige Zunge. Thea schluckt, sammelt Speichel im Mund für einen Satz. "Kommen Sie", sagt die junge Frau. "Dort drüben ist eine Bank, da können Sie sich hinsetzen!" Und schiebt Thea sacht in die gewiesene Richtung. Und Thea folgt mit wackeligen Beinen. Wie Pudding, denkt Thea, Puddingbeine. Sie grinst. Oder wie die Gallertmasse einer Qualle ... "Wollten Sie sich die Quallen ansehen - von ganz nah? Heute sind es besonders viele ... unzählige ... die ganze Förde ist voll ... fast kein Wasser mehr da ... wenn man nicht wüsste, dass diese Wesen fast nur aus Wasser bestehen ...", plaudert die Stimme munter, der Thea blind folgt. Ihr ist schwindelig. Sie hält die Augen geschlossen, um das verwischtfarbige Kreiseln der Welt nicht zu sehen. Sie vertraut sich dem Arm der sportlichen Frau an, die sie sicher quer durch die gehenden und radelnden Menschen hinüber über den Brückenweg führt. Die Dreifeldzugklappbrücke an der Hörn. Was für ein Wort: Dreifeldzugklappbrücke. Thea grinst wieder. "Ihnen scheint es besser zu gehen! - Sie können ruhig ihre Augen wieder aufmachen. ... Hier. Setzen Sie sich!" Erst jetzt sieht Thea das Fahrrad. Die junge Frau - eine Studentin? - stellt es neben die Bank, so, d

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