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Die Rosen des Laurin von Häntschel, Elisabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2015
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Die Rosen des Laurin

Tirol im Jahre 1809. Im Land wütet der Volksaufstand gegen Napoleon - die Tiroler wehren sich verzweifelt gegen die aufgezwungene Herrschaft durch die Bayern. In diesen stürmischen Zeiten erleben drei junge Frauen ihre erste Liebe: Maria verliebt sich ausgerechnet in einen bayerischen Leutnant. Da ihre Beziehung weder von ihrem Vater noch von ihren Landsmännern toleriert werden würde, können sich die beiden nur heimlich treffen. Regina heiratet ihre Jugendliebe und Anna verlobt sich mit Franz, der geheime Aufträge für Andreas Hofer, den Anführer des Widerstandes, ausführt und dabei immer wieder in Gefahr gerät. Die drei Frauen werden in den Sog von Krieg und Gewalt hineingerissen, und nur für eine hält das Schicksal einen versöhnlichen Ausgang bereit. Die in Innsbruck geborene Elisabeth Häntschel lebte viele Jahre in Tirol. Ihr besonderes Interesse gilt seit langem der Geschichte Tirols, die ja gerade zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Volksaufstand einen Höhepunkt erfahren hat, der bis zum heutigen Tage fortschwingt. Dieses historische Ereignis bildet den Rahmen zu Elisabeth Häntschels Roman 'Die Rosen des Laurin'. Sie erfüllt sich mit diesem Werk einen lang gehegten Traum.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 10.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475545030
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 4833 kBytes
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Die Rosen des Laurin

1. Kapitel

Es war am späten Nachmittag des Heiligen Abends 1797, als sich Andreas Heller mit seiner kleinen Tochter von Bruneck aus zum Bauernhof seines Bruders Vitus aufmachte. Zwei Tage zuvor war er mit seinem Einspänner in Innsbruck aufgebrochen, aber die schweren Schneefälle hatten ein Weiterkommen fast unmöglich gemacht. Nun ließ er Pferd und Schlitten beim Schützenwirt und kämpfte sich mit dem Mädchen zu Fuß durch den tiefen Schnee weiter, um noch vor dem Dunkelwerden sein Ziel, den Obersteinerhof, zu erreichen.

Das übermüdete Kind watete zuerst eine Weile hinter ihm her, dann setzte es sich einfach in den Schnee. Als es sah, wie der Vater sich in dem Schneesturm immer weiter von ihm entfernte, schrie es weinend auf. Der Mann ging zurück und nahm das schluchzende Kind auf den Rücken.

"Musst nicht weinen, Maria", beschwichtigte der Vater, "bald sind wir bei deinem Onkel auf dem Hof."

"Aber mir ist so kalt", jammerte die Kleine, "und ich möchte zu meiner Mutter!"

"Deine Mutter ist bei den Engeln im Himmel, das weißt du doch. Aber wer weiß, vielleicht geht sie jetzt neben uns her, und wir können sie nur nicht sehen."

"Aber darf ich sie denn nie mehr wieder sehen? Nie mehr?"

"Nein, sehen kannst du sie nicht mehr, aber sie sieht dich, das darfst du mir glauben", tröstete er sie. "Nun dauert es auch nicht mehr lange, dann sind wir bei unseren Verwandten in der warmen Stube."

Von Zeit zu Zeit blieb Andreas keuchend stehen, sah in die wirbelnden Schneeflocken und hoffte im Stillen, dass er die Orientierung nicht verloren hatte. Er war zwar hier aufgewachsen und kannte jeden Tritt, aber er wusste auch, wie leicht man sich bei Schneesturm oder Nebel verirren konnte. Außerdem begann es bereits dunkel zu werden. Wie lange er schon unterwegs war, wusste er nicht, aber er musste doch wohl ganz nahe bei den zwei untersten Höfen des Weilers sein.

Tatsächlich schälten sich aus der wirbelnden Schneewand bald die Mauern des Erlenhofes. Er klopfte an die Haustür und bat den Knecht, der ihm öffnete, um Feuer für seine Laterne. Als er den Vorraum betrat, kam gerade die Bäuerin aus der Stube, die ihn zuerst in dem Halbdunkel gar nicht erkannte.

"Jesus, der Obersteiner-Andreas!", rief sie überrascht. "Was hat denn dich weggetrieben von deinen Brotwecken in Innsbruck?"

Andreas Heller war der zweite Sohn vom Obersteinerhof. Er hatte die einzige Tochter eines Innsbrucker Bäckers geheiratet und nach dessen Tod die Bäckerei selber übernommen. Er ließ nun seine Tochter auf den Boden gleiten und erklärte der Frau und dem Gesinde, das sich neugierig um ihn versammelt hatte, dass seine Frau vor drei Wochen gestorben sei. "Darum bin jetzt auf dem Weg zum Obersteinerhof, um meinen Bruder und meine Schwägerin zu bitten, dass sie meine kleine Tochter da eine Weile zu sich auf den Hof nehmen."

Eine Frau hielt dem erschöpften Kind eine Schale mit warmer Milch an die Lippen und rieb ihm die rotgefrorenen Händchen.

Theresia, die Bäuerin, reichte ihm die Hand: "Das tut mir leid für dich, Andreas, aber wie ich sehe, hast du von meinem Unglück noch nichts gehört."

Er merkte, dass sie mit den Tränen kämpfte, und sah erstaunt auf die betretenen Gesichter der Leute, die ihn umstanden.

"Ja, unser Bauer ist im Sommer bei den Kämpfen um Bozen gefallen", sagte Jörg, der Knecht, der mit einem brennenden Holzspan aus der Küche kam und die Laterne ansteckte. Andreas sprach der Bäuerin sein Beileid aus. Dann dankte er für das Licht, lud sich das Kind auf den Rücken, nahm die Lampe und machte sich wieder auf den Weg. Der Sturm hatte nun endlich etwas nachgelassen, es schneite nur noch ein wenig, und der Lichtschein der Laterne durchbrach jetzt die Dunkelheit eine kleine Strecke voraus.

Auf dem Obersteinerhof war die Abendmahlzeit schon vorüber, und Vitus, der Bauer, wollte gerade die Kerzen an der Weihnachtskrippe anzünden, um mit der Familie und dem

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