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Die rote Couch Roman - von Yalom, Irvin D. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.01.2016
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Die rote Couch

Ernest Lash, ein junger Psychoanalytiker aus San Francisco, glaubt an die Wirksamkeit seines Tuns, ist aber andererseits davon überzeugt, daß die klassischen Therapien dringend einer Erneuerung bedürfen. Eines Tages beauftragt ihn die Ethikkommission seines Fachbereichs mit der Untersuchung eines prekären Falls: Er soll die Arbeitsweise eines älteren, sehr berühmten Kollegen namens Seymour Trotter überprüfen, der angeklagt ist, ein Verhältnis mit einer vierzig Jahre jüngeren Patientin gehabt zu haben. Trotter beharrt darauf, daß Sex das einzige Mittel gewesen sei, um die junge Frau vor ihrem selbstzerstörerischen Verhalten zu retten. Zunächst ist Ernest entrüstet. Doch je mehr er sich mit der Sache beschäftigt, desto mehr fasziniert ihn die Idee, jedem Patienten bzw. jeder Patientin eine fallspezifische Behandlung zuteil werden zu lassen. Irvin D. Yalom wurde 1931 als Sohn russischer Einwanderer in Washington, D.C. geboren. Er gilt als einer der einflussreichsten Psychoanalytiker in den USA und ist vielfach ausgezeichnet. Seine Fachbücher gelten als Klassiker. Seine Romane wurden international zu Bestsellern und zeigen, dass die Psychoanalyse Stoff für die schönsten und aufregendsten Geschichten bietet, wenn man sie nur zu erzählen weiß.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 28.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641194826
    Verlag: btb
    Originaltitel: Lying on the Couch, dtsch. Ausgabe
    Größe: 1231 kBytes
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Die rote Couch

1

Dreimal die Woche hatte Justin Astrid während der vergangenen fünf Jahre seinen Tag mit einem Besuch bei Dr. Ernest Lash begonnen. Sein heutiger Besuch war anfangs genauso verlaufen wie jede andere der vorangegangenen siebenhundert Therapiesitzungen: Um zehn vor acht ging er die hübsch gestrichene Außentreppe des viktorianischen Hauses auf der Sacramento Street hinauf, dann durch den Hausflur, von dort aus in den zweiten Stock und schließlich in Ernests schwach beleuchtetes Wartezimmer, das von dem satten, feuchten Aroma italienischen Röstkaffees durchzogen wurde. Justin atmete den Duft tief ein, goß etwas Kaffee in einen japanischen, mit einer handgemalten Persimone verzierten Becher, setzte sich dann auf das steife, grüne Ledersofa und schlug den Sportteil des San Francisco Chronicle auf.

Aber Justin konnte dem Artikel über das gestrige Baseballspiel nicht folgen. Nicht heute. Etwas Gewaltiges war geschehen - etwas, das seine Gedanken in Anspruch nahm. Er faltete die Zeitung zusammen und starrte auf Ernests Tür.

Um acht Uhr legte Ernest Seymour Trotters Akte in den Aktenschrank, warf einen schnellen Blick auf Justins Karte, räumte den Schreibtisch auf, legte die Zeitung in eine Schublade, rückte seine Kaffeetasse außer Sichtweite. Danach stand er auf und sah sich noch einmal prüfend um, bevor er die Tür öffnete. Nichts wies darauf hin, daß der Raum bewohnt war. Gut.

Er öffnete die Tür, und einen Augenblick lang sahen die beiden Männer einander an. Heiler und Patient. Justin, der seinen Chronicle in der Hand hielt; Ernest, dessen Zeitung tief im Schreibtisch verborgen lag. Justin in seinem dunkelblauen Anzug mit der gestreiften Seidenkrawatte. Ernest in marineblauem Blazer und geblümter Krawatte. Beide hatten fünfzehn Pfund Übergewicht: Bei Justin zeigte sich das Fleisch an Kinn und Wangen, bei Ernest wölbte sich der Bauch über den Gürtel. Justins Schnurrbart kräuselte sich nach oben, reckte sich nach seinen Nasenlöchern. Ernests manikürter Bart war sein adrettestes Merkmal. Justins Gesicht war beweglich und nervös, seine Augen unruhig. Ernest trug eine Brille mit großen Gläsern; sein ruhiger Blick wurde nur selten von einem Wimpernschlag unterbrochen.

"Ich habe meine Frau verlassen", sagte Justin, nachdem er Platz genommen hatte. "Gestern abend. Bin einfach ausgezogen. Ich habe die Nacht bei Laura verbracht." Er sprach diese ersten Worte ruhig und leidenschaftslos aus, hielt dann inne und sah Ernest an.

"Einfach so?" fragte Ernest gelassen. Ohne mit der Wimper zu zucken.

"Einfach so." Justin lächelte. "Wenn ich weiß, was zu tun ist, verschwende ich keine Zeit."

Während der letzten Monate hatte sich ein leiser Humor in ihre Gespräche eingeschlichen. Für gewöhnlich hieß Ernest eine solche Entwicklung willkommen. Sein Supervisor, Marshal Streider, hatte gesagt, es sei häufig ein günstiges Zeichen, wenn während der Therapie humorvolle Bemerkungen fielen.

Aber Ernests Kommentar "Einfach so?" war keine gutmütige Randbemerkung. Justins Feststellung beunruhigte ihn. Und sie ärgerte ihn! Er behandelte Justin jetzt seit fünf Jahren - fünf Jahre lang hatte er ihn immer wieder in den Hintern getreten, um ihm dabei zu helfen, von seiner Frau loszukommen! Und heute informierte Justin ihn ganz beiläufig darüber, daß er es getan hatte.

Ernest dachte an ihre allererste Sitzung zurück, an Justins erste Worte damals: "Ich brauche Hilfe, um aus meiner Ehe herauszukommen!" Monatelang hatte Ernest die Situation aufs sorgfältigste untersucht. Schließlich war er zu dem Schluß gekommen: Justin sollte aus seiner Ehe herauskommen - es war eine der schlimmsten Ehen, mit denen Ernest je zu tun gehabt hatte. Und während der nächsten fünf Jahre hatte Ernest jeden psychotherapeutischen Kunstgriff angewandt, den er kannte, um Justin zu diesem Schritt zu bewegen. Und jeder einzelne Versuch war geschei

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