text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Söhne der Winde von Criaco, Gioacchino (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.03.2019
  • Verlag: Folio Verlag
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Söhne der Winde

Die berührende Geschichte dreier Jungen und ihrer Mütter in der Mafiahochburg Kalabriens. Nicola, Filippo und Antonio wachsen im Kalabrien der 1960er-Jahre auf - umgeben von Heiligenlegenden und Aberglauben, fern jeder Moderne. In ihrem Dorf Africo herrschen Elend und Arbeitslosigkeit. Ihre Väter arbeiten in Deutschland. Die Mütter versuchen als Tagelöhnerinnen in den Jasminfeldern ihre Kinder sattzubekommen. Alleingelassen vom Staat, ausgebeutet von den Besitzern und gegängelt von der Mafia, proben die Frauen den Aufstand, während die Söhne das schnelle Geld suchen und in die Kriminalität abdriften. Gioacchino Criaco, geboren 1965 in Africo, Kalabrien. Studium der Rechtswissenschaften in Bologna, Anwalt in Mailand. Nach 20 Jahren Rückkehr nach Africo. Mit dem Roman Schwarze Seelen (Folio 2016) gelang ihm ein Bestseller, dessen Verfilmung durch Francesco Munzi mit vielen internationalen Preisen bedacht wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 05.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990370933
    Verlag: Folio Verlag
    Originaltitel: La maligredi
Weiterlesen weniger lesen

Die Söhne der Winde

Er hatte es eilig, er redete nicht lang um den heißen Brei herum und verwendete auch nicht die bildhafte Sprache der Banditen. "Ihr müsst etwas für uns aufbewahren. Nur eine Woche lang, danach gebt ihr es uns zurück. Ganz einfach, und falls alles gutgeht ...", er hielt inne, "bekommt ihr fünfzigtausend Lire."

Filippo stieg die Röte ins Gesicht, auch ich wurde feuerrot.

Fünfzigtausend Lire!

Damit konnten wir uns den Bauch mit Gebäck vollschlagen, Jeans und Schuhe kaufen, einen Monat lang essen und trinken!

"Was genau sollen wir tun?", fragte Filippo und beim Gedanken an das Geld zitterte seine Stimme. Der andere kam mit den Bierflaschen, stellte sie auf den Tisch, entkorkte sie und reichte sie uns. Der Erste nahm eine Flasche, seine Stimme war jetzt ruhig und ernst: "Wir geben euch eine Tasche. Ihr bewahrt sie an einem sicheren Ort auf. Heute ist Dienstag, stimmt's?", fragte er. Wir nickten. "Nächsten Dienstag kommt ihr mit der Tasche her, gebt sie uns zurück, nehmt eure fünfzigtausend Lire in Empfang und wir trinken wieder ein Bier."

Er hob die Flasche, hielt sie in die Mitte, sein Freund tat es ihm nach, und Filippo stieß mit ihnen an. Sie sahen mich erwartungsvoll an. Unzählige Gedanken gingen mir durch den Kopf, aber die fünfzigtausend Lire brachten sie zum Schweigen. Auch ich stieß an.

Einer nach dem anderen trank das Bier in drei Schlucken aus. "Seht ihr die Kisten?", fragte der Erste und zeigte auf die Plastikbierkisten mit den leeren Bierflaschen, die hinten an der Wand des Hofes gestapelt waren. "Darin ist eine Tasche. Bevor ihr in den Zug steigt, holt ihr sie raus."

Er verstummte, stand auf, drückte uns die Hand; sein Freund tat es ihm gleich, jetzt war seine Hand nicht mehr schweißnass. "Sucht euch aber ja ein gutes Versteck", riet er uns mit einem harten Blick; er hob die rechte Braue, darunter befand sich ein Feuermal.

Sie gingen und wir blieben allein sitzen. Trotz des Biers wurde ich nicht gesprächiger. Meine Skrupel machten sich wieder bemerkbar. "Was da wohl drin ist?", fragte ich.

"Nico, da sind fünfzigtausend Lire drin. Nur daran dürfen wir denken."

Im Flipperraum wimmelte es jetzt wieder von Jungs, die sich auf Kosten von Isidoro den Bauch vollgeschlagen hatten, aber er war nicht da, ich blickte mich um, aber er stand auch nicht am Tresen.

Wir taten so, als würden wir den anderen beim Spielen zusehen und beobachteten unauffällig die Tür hinten. Ich begann die Minuten zu zählen - um halb zwei fuhr ein Zug ab, der bei jedem dritten Bahnhof stehen blieb und bei unserem nicht einmal langsamer fuhr, um zwei fuhr der Lokalzug ab, der überall stehen blieb und in unserem Dorf langsamer fuhr.

Nach einer Weile ließ ich Filippo stehen und ging zur Uhr im großen Saal: Es war erst zwanzig vor elf. Ich ging ins Freie. Ein Auto der Carabinieri machte eine Runde über die Piazza, fuhr vor jeder Bar langsamer, deren Glasfenster auf die Piazza blickten und vor der sich Grüppchen von Jungs gebildet hatten. Noch bevor die Carabinieri zu mir gelangten, ging ich hinein. Ich ging in den Flipperraum und zog Filippo am Arm in den Hof.

"Die Carabinieri sind wieder auf der Piazza, Filippo." "Was tun sie?" "Sie fahren an der Bar vorbei" "Kommen sie etwa herein?" "Nein, ich habe sie nicht hereinkommen sehen, aber ich bin schnell hereingelaufen und sie drehen draußen nach wie vor ihre Runden."

"Wer weiß, was da drin ist", sagte er leise und zeigte mit dem Blick auf die Kisten an der Wand, "... und wenn wir einfach gingen und alles liegen ließen?"

"Nein, jetzt besteht keine Gefahr. Erst dann, wenn wir mit der Tasche hinausgehen. Gehen wir zurück in die Bar. Oder gehen wir lieber auf die Piazza hinaus und bleiben wir in etwas Entfe

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen