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Die schöne Cassandra. Sämtliche Jugendwerke Reclam Taschenbuch von Austen, Jane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2016
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Die schöne Cassandra. Sämtliche Jugendwerke

Selbst Liebhaber ihrer sechs Romane wissen häufig nicht, dass Jane Austen schon zwischen ihrem elften und siebzehnten Lebensjahr eine ganze Reihe kürzerer fiktionaler Texte schrieb. Diese blieben lange im Besitz der Familie, die es nicht für angebracht hielt, 'diesen Werdegang der Öffentlichkeit zu enthüllen'. Janes Jugendwerke wurden deshalb zum allergrößten Teil erst im 20. Jahrhundert zugänglich. Es sind Texte von überbordender Phantasie, einem frechen Humor, einer unbändigen Lust, zu provozieren, die Ursula und Christian Grawe erstmals vollständig ins Deutsche übersetzt haben. Jane Austen (16. 12. 1775 Steventon - 18. 7. 1817 Winchester) gehört zu den bedeutendsten britischen Schriftstellerinnen aller Zeiten, die ihre Romane anonym unter dem Titel 'by a lady' veröffentlichte. Austens Hauptwerke wie 'Stolz und Vorurteil' und 'Emma' zählen zu den Klassikern der englischen Literatur. Im Mittelpunkt ihres literarischen Werks steht vielfach die Zerrissenheit junger Damen des gehobenen ländlichen Bürgertums, die zwischen den Erwartungen des Adels und ihrer eigenen Vorstellung von Glück stehen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 330
    Erscheinungsdatum: 01.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159612089
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 2469 kBytes
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Die schöne Cassandra. Sämtliche Jugendwerke

Henry und Eliza

Ein Roman

Als Sir George und Lady Harcourt die Arbeit ihrer Heumacher beaufsichtigten, wobei sie den Fleiß der einen mit einem zustimmenden Lächeln belohnten und die Faulheit anderer mit dem Knüppel bestraften, entdeckten sie tief verborgen in einem der Heuhaufen ein hübsches kleines Mädchen, das nicht älter als drei Monate war.

Gerührt von seinem bezaubernden Gesichtsausdruck und entzückt über die kindlichen, aber lebhaften Antworten auf ihre vielen Fragen, beschlossen sie, da sie keine eigenen Kinder hatten, das Mädchen mit nach Hause zu nehmen und mit Sorgfalt und unter erheblichen Kosten aufzuziehen.

Da sie selber gute Menschen waren, betrachteten sie es als ihre erste und hauptsächliche Sorge, in Eliza eine Liebe zur Tugend und einen Hass auf das Laster zu wecken, worin sie so erfolgreich waren (Eliza neigte von Natur dazu), dass sie, als sie erwachsen wurde, der Liebling aller war, die sie kannten.

Verwöhnt von Lady Harcourt, angebetet von Sir George und von aller Welt bewundert, lebte sie in einem Zustand ununterbrochenen Glücks, bis sie ihr achtzehntes Lebensjahr erreicht hatte. Dann wurde sie, als man sie eines Tages zufällig dabei entdeckte, wie sie einen 50 -Pfund-Schein stahl, von ihren unmenschlichen Wohltätern aus dem Haus geworfen. Ein solcher Umschwung wäre für jemanden, der nicht Elizas edles und erhabenes Gemüt besaß, der Tod gewesen, sie aber, glücklich im Bewusstsein ihrer eigenen Vortrefflichkeit, unterhielt sich damit, während sie unter einem Baum saß, die folgenden Zeilen zu dichten und zu singen.

Lied

Ob Unglück gleich mich jäh befallen mag,
Stets wird, so hoff' ich, seine Hand ein Freund mir reichen,
Da ich mein Herz in aller Unschuld trag'
Und man an Tugend nirgends findet meinesgleichen.

Als sie sich auf diese Weise mit dem Lied und ihren angenehmen Gedanken ein paar Stunden unterhalten hatte, erhob sie sich und machte sich auf den Weg nach M., einem Marktflecken, in dem ihre engste Freundin den Roten Löwen besaß.

Zu dieser Freundin, der sie ihr erlittenes Unglück berichtet hatte, ging sie unverzüglich und teilte ihr ihren Wunsch mit, in der bescheidenen Rolle einer Gesellschafterin in eine Familie aufgenommen zu werden.

Kaum hatte Mrs. Wilson, die die liebenswürdigste Person der Welt war, von ihrem Wunsch gehört, da setzte sie sich an ihren Ausschank und schrieb den folgenden Brief an die Herzogin von F., die sie unter allen Frauen am meisten schätzte.

An die Herzogin von F.

Nehmen Sie bitte auf meinen Wunsch in Ihre Familie eine junge Frau von untadeligem Charakter auf, die so freundlich ist, Ihre Gesellschaft der Verpflichtung als Dienstmagd vorzuziehen. Eilen Sie und empfangen sie sie aus den Armen

Ihrer Sarah Wilson

Die Herzogin, die Mrs. Wilson aus Freundschaft jeden Wunsch erfüllt hätte, war über diese Gelegenheit, ihr einen Gefallen zu tun, so erfreut, dass sie sich unmittelbar nach Erhalt des Briefes zum Roten Löwen aufmachte, wo sie am selben Abend eintraf. Die Herzogin von F. war ungefähr 45 ein halb; ihre Gefühle waren stark, ihre Freundschaft treu und ihre Feindschaft unerbittlich. Sie war Witwe und hatte nur eine Tochter, die im Begriff war, mit einem Mann von beträchtlichem Vermögen die Ehe einzugehen.

Kaum hatte die Herzogin unsere Heldin erblickt, da umschlang sie sie mit beiden Armen und erklärte sich so begeistert von ihr, dass sie beschloss, sich nie mehr von ihr zu trennen. Eliza war entzückt über die Beteuerungen der Freundschaft und begleitete nach einem überschwenglichen Abschied von Mrs. Wilson am nächsten Morgen die gnädige Frau zu ihrem Sitz in Surry.

Mit den gewähltesten Ausdrücken der Wertschätzung stellte die Herzogin sie Lady Harriet vor, die so begeistert von ihrem Aussehen war, dass sie sie inständig bat,

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