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Die Schatten von Sherwood Historischer Roman von Röhrig, Tilman (eBook)

  • Verlag: Fahrenheit
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Die Schatten von Sherwood

Als der Wilddieb John Little Zeuge wird, wie die Schergen des Sheriffs von Nottingham sein Dorf auslöschen, flieht er mit der einzigen anderen Überlebenden: seiner Adoptivtochter, der kleinen Marian. Zusammen suchen sie Schutz im Sherwood Forest, aber auch dort lauern Gefahren: Der Räuber Robin Hood greift sie auf, doch ist er nicht der schillernde Held, für den er gehalten wird... Tilman Röhrig, geboren 1945, lebt in der Nähe von Köln. Der ausgebildete Schauspieler ist seit über vier Jahrzehnten als freier Schriftsteller tätig. Die größten Erfolge brachten ihm seine historischen Romane, die allesamt Bestseller und vielfach übersetzt wurden. Für sein literarisches Werk erhielt der Autor, dessen lebendige Lesungen begeistern, zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Großen Rheinischen Kulturpreis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492980401
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 2136 kBytes
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Die Schatten von Sherwood

I

WESTFRANKREICH. SCHLOSS CHINON.

"Der König ist tot."

Geflüster durch lange Gänge, an Zimmern und Sälen vorbei. Schon gelangte es hinunter zur Küche, von dort aus sprang es in die Kammern der Mägde, Knechte und Diener. Noch ehe die Nachricht am 6. Juli 1189 den Schlosshof verlassen hatte, fiel das Gesinde über den herrschaftlichen Hausrat her. Leuchter, Möbel, Samt, das silberne Tafelgeschirr, was sie tragen konnten, rafften die Gierigen an sich und schafften es fort. Sie drangen ins königliche Gemach ein und beraubten den Verstorbenen aller Ringe und Ketten, selbst die Kleider rissen sie ihm vom Leib.

Totenstille.

Nach Stunden endlich trafen einige der noch fürstentreuen Vasallen ein, sie stürmten durch ausgeplünderte Säle und starrten entsetzt auf das Sterbelager. Heinrich Plantagenet, König von England und Herrscher über die westlichen Länder Frankreichs, Heinrich II., der im Leben so mächtige Normannenfürst, lag, halb aus dem Bett gezerrt, nackt und reglos vor ihnen.

Die Getreuen brachten neue Gewänder, kleideten den Toten und legte seine Hände auf der Brust zueinander. Jetzt erst riefen sie laut: "Der König ist tot!"

ENGLAND. LONDON.

"Es lebe der König!"

Zwei Monate später war die große Stadt an der Themse geschmückt. Kopf an Kopf wogte die Menge auf den Straßen zwischen St. Paul's Cathedral und Westminster. Nicht allein die Bürger Londons hatten ihre Hütten und Häuser verlassen. Aus allen Teilen Englands waren sie in den vergangenen Tagen zu Pferd, mit Kutschen, Karren oder zu Fuß gekommen, Kaufleute und Bettler, Freie und Hörige, sie alle warteten seit den frühen Morgenstunden des 13. September 1189 auf den großen Augenblick.

Die Dörfler aus der Grafschaft Nottingham standen dicht beieinander. Kaum mehr als eine Hand voll, der Kesselflicker, einige Frauen und zwei Kinder. Gestern und vorgestern hatten sie gut verkauft. Geschnitzte Kellen, Löffel, Tiegel und Wollwaren.

"Sag es: Hoch lebe der König!" Im Gedränge übte die Weberin mit ihrem kleinen Sohn. Das Kind mühte sich. Geduldig wiederholte die Mutter. Mit einem Mal unterbrach sie. Der Blick wurde streng. Schon wieder wischte sich ihre neunjährige Tochter die schmutzigen Hände am Kittel ab. "Lass das, Marian! Und stell dich gerade!" Die Weberin seufzte. "Und bitte, wenn der König kommt, dann rufst du, so laut du kannst!"

"Ich sag, was ich will." Damit duckte sich Marian und schüttelte den Kopf, ungebändigt krausten sich die blonden Locken.

Bewaffnete in Kettenhemden bahnten eine breite Gasse durch das Volk bis hinüber zum weit geöffneten Portal von Westminster Abbey.

Fanfaren! Die festliche Zeremonie begann.

Barone, Grafen, Bischöfe, die Vornehmsten der Insel, führten den Krönungszug an. Kein Applaus begleitete sie. Schweigend reckten die Bürger den Hals. Mit verschlossenen Mienen beobachteten sie, wie auserwählte Ritter und Adlige die Insignien der Königsmacht vorbeitrugen, das Zepter, die goldenen Sporen, den purpurfarbenen Mantel, auf dem die Wappenlöwen prangten.

Unruhe. Unterdrückte Flüche. Hier und da versteckten Handwerker, Fischer und Krämer die geballte Faust im Rücken.

"Graf Johann", zischte der Kesselflicker den Frauen aus Nottingham zu. "Das also ist er."

Gerüchte umgaben den jüngeren Bruder des neuen Königs, furchtbare Gerüchte. Dort ging der Prinz und durfte sogar eins der drei goldenen Schwerter den langen Weg von der Kathedrale bis zur Krönungskirche in Westminster tragen.

Viele sahen ihn heute zum ersten Mal aus der Nähe und schauderten.

Das prunkvolle Gewand hing der leicht nach vorn gebeugten Gestalt von den eckigen Schultern. Der kleine Kopf fuhr nach rechts und links. Unter halb gesenkten Lidern musterten die Augen das Volk. Wen der kalte Blick traf, der wandte erschreckt das Gesicht ab.

"Beim heiligen

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