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Die schwedischen Gummistiefel Roman von Mankell, Henning (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.08.2016
  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag
eBook (ePUB)
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Die schwedischen Gummistiefel

Seit Fredrik Welin als Chirurg ein Kunstfehler unterlief, lebt er allein auf einer einsamen Insel in Schweden. Ihm ist nach dem Brand seines Hauses so gut wie nichts geblieben. Nur wenige Menschen, die ihm nahestehen: Jansson, der pensionierte Postbote, die Journalistin Lisa Modin, in die er sich verliebt, und seine Tochter Louise, die schwanger ist und in Paris lebt. Als sie wegen eines Diebstahls in Untersuchungshaft gerät, ruft sie ihn zu Hilfe. Während er in Paris über ihre Freilassung verhandelt, erfährt er, dass auf den Schären schon wieder ein Haus in Flammen steht. Mankells letzter Roman, der Nachfolger des Bestsellers 'Die italienischen Schuhe', ist ein sehr persönliches Buch und beschwört die Möglichkeit menschlicher Nähe angesichts von Einsamkeit, Alter und Tod.

Henning Mankell, geboren 1948 in Stockholm und aufgewachsen in Härjedalen, lebte als Theaterregisseur und Autor in Schweden und Maputo (Mosambik). Seine Romane um Kommissar Wallander sind internationale Bestseller. Zuletzt erschienen bei Zsolnay 'Treibsand. Was es heißt, ein Mensch zu sein' (2015), die Neuausgabe von 'Die italienischen Schuhe' (Roman, 2016), 'Die schwedischen Gummistiefel' (Roman, 2016) und der frühe Afrika-Roman 'Der Sandmaler' (2017). Im Herbst 2018 erscheint sein allererster Roman, 'Der Sprengmeister'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 22.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783552058088
    Verlag: Paul Zsolnay Verlag
    Serie: Fredrik Welin Bd.2
    Originaltitel: Svenska Gummistövlar
    Größe: 1650 kBytes
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Die schwedischen Gummistiefel

1.

In einer Herbstnacht vor fast einem Jahr brannte mein Haus nieder. Es war ein Sonntag. Nachmittags war Wind aufgekommen. Abends konnte ich auf dem Windmesser sehen, dass die Böen eine Geschwindigkeit von über zwanzig Metern in der Sekunde hatten.

Der Wind kam von Norden und war sehr kalt, obwohl es noch früh im Herbst war. Als ich mich gegen halb elf schlafen legte, dachte ich, dass dies der erste Sturm in diesem Herbst war, der über die Insel hinwegfegte, die ich von Großvater und Großmutter geerbt hatte.

Herbst, bald Winter. Eines Nachts würde die Meeresoberfläche zu gefrieren beginnen. Zum ersten Mal in diesem Herbst hatte ich Socken an, als ich ins Bett kroch. Die Kälte zog an.

Einen Monat zuvor hatte ich mit Mühe das Dach repariert. Es war eine große Arbeit für einen kleinen Handwerker. Viele Dachziegel waren alt und gesprungen, und meine Hände, die einmal bei komplizierten chirurgischen Eingriffen das Skalpell gehalten hatten, waren nicht dazu geschaffen, mit rauhen Dachziegeln zu hantieren.

Ture Jansson, der sein ganzes Berufsleben über, bis zu seiner Pensionierung, hier draußen zwischen den Inseln die Post ausgefahren hatte, übernahm es, die neuen Ziegel vom Hafen hierherzuschaffen. Er wollte sich nicht einmal dafür bezahlen lassen. Da ich in meinem Bootshaus eine improvisierte Praxis eingerichtet hatte, um mich um Janssons eingebildete Zipperlein zu kümmern, dachte er vielleicht, er wäre mir jetzt einen Gefallen schuldig.

All die Jahre habe ich regelmäßig da unten auf dem Steg am Bootshaus gestanden und seine angeblich schmerzenden Arme und den Rücken untersucht. Ich holte das Stethoskop, das neben einem Eiderlockvogel hängt, und stellte fest, dass seine Lungen und sein Herz klangen, wie sie klingen sollten. Bei all diesen wiederkehrenden Untersuchungen hat Jansson sich als kerngesund erwiesen. Doch eine derart gewaltige Angst vor eingebildeten Krankheiten wie die seine habe ich während meiner vielen Jahre als Arzt nie erlebt. Er war Postillion und zugleich ein voll beschäftigter Hypochonder.

Bei einer Gelegenheit klagte er über Zahnschmerzen. Da weigerte ich mich, mich mit seinen Plagen zu befassen. Ob er dann einen Zahnarzt auf dem Festland aufsuchte, weiß ich nicht. Ich frage mich, ob dieser Mann jemals ein einziges Loch in seinen Zähnen hatte. Vielleicht hatte er sich seine Schmerzen beim Zähneknirschen im Schlaf zugezoge n?

In der Nacht, in der es brannte, hatte ich wie üblich ein Schlafmittel genommen und war schnell eingeschlafen.

Ich wachte davon auf, dass plötzlich starke Lampen aufflammten. Als ich die Augen aufschlug, war das Licht, das mich umgab, gleißend. Unter der Schlafzimmerdecke hing ein Teppich aus grauem Rauch. Ich sprang barfuß aus dem Bett, lief die Treppe hinunter und in die Küche hinein. Die Socken musste ich im Schlaf abgestreift haben, als es im Zimmer warm geworden war. Überall war ich von dem starken, blendenden Licht umgeben. Im Vorbeilaufen bemerkte ich, dass die Wanduhr in der Küche neunzehn Minuten nach Mitternacht anzeigte. Ich riss meinen schwarzen Regenmantel an mich, der neben der Haustür hing, schlüpfte in meine Gummistiefel, wobei ich mich bei dem einen schwertat, und stürzte hinaus.

Das Haus brannte schon lichterloh in einer dröhnenden Feuersbrunst. Ich musste bis hinunter zum Steg und dem Bootshaus laufen, bis die Hitze erträglich wurde. Dort stand ich dann und sah zu, was geschah. In diesen ersten Augenblicken dachte ich nicht darüber nach, was den katastrophalen Brand verursacht haben konnte. Ich war nur Zeuge des Unmöglichen. Mein Herz schlug so stark, dass ich meinte, es würde im Brustkorb in Stücke zerspri

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