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Die Schwestern der roten Sonne Roman von Alpsten, Ellen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.11.2009
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Die Schwestern der roten Sonne

Drei Freundinnen, drei Leben, eine Heimat

Kupenda heißt 'zu lieben'. Kupenda ist der Name der Farm im ostafrikanischen Grabenbruch, auf der drei junge, sehr unterschiedliche Frauen zusammen aufgewachsen sind: Emelie ist weiß und die Tochter der Farmer Paddy und Diane, Iman ist eine Massai und Aischa ist indischer Herkunft. In ihrer Verschiedenheit spiegeln sie das Land wieder, in dem sie leben, gemeinsam ist ihnen ihre Liebe zu Kupenda, die ihnen Heimat und Sehnsuchtsort zugleich ist. Ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als die Farm in Gefahr gerät. Doch ihre Treue, die Liebe zu dem weiten Land und ihre Lebensträume überwinden alle Widerstände.

So weit und bewegend wie die Landschaft des geheimnisvollen Kontinents.

Ellen Alpsten wurde 1971 in Kenia geboren, verbrachte ihre Kindheit und Jugend dort und studierte dann in Köln und Paris. Sie arbeitete in der Entwicklungshilfe an der Deutschen Botschaft Nairobi und als Moderatorin bei Bloomberg TV. Heute ist sie freie Schriftstellerin und Journalistin, u.a für die FAZ und Spiegel Online. Nach den historischen Romanen Die Lilien von Frankreich, Die Zarin und Die Quellen der Sehnsucht (alle Wilhelm Heyne Verlag) folgten mit Die Schwestern der Roten Sonne und Die Löwin von Kilima zwei zeitgenössische Afrikaromane. Ellen Alpsten lebt mit ihrer Familie in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 27.11.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641037437
    Verlag: Heyne
    Größe: 455 kBytes
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Die Schwestern der roten Sonne

Der Himmel glühte, als Kenize die Anhöhe erreichte. Ein Baum stand dort, gleichgültig dem Heute und dem Gestern gegenüber. Sie lehnte sich gegen seinen Stamm, um Atem zu schöpfen. Kenize war ihr Leben lang zu verwöhnt gewesen, als dass die Anstrengung der vergangenen Wochen sie gestählt hätte.
Sie sah hinunter auf die Ebene. Zwischen dem von der Dezembersonne verbrannten Gras weideten Herden von Zebras und Gnus. Die Seen glänzten im letzten Licht. Ihre Wasser waren rosig von den unzähligen Flamingos, die an ihren Ufern nisteten. Erloschene Vulkane ragten aus dem Land und sahen aus wie Schornsteine auf einem flachen Dach. Neben der Sonne war bereits die schmale Sichel des Mondes am Himmel zu erkennen. Der Hüter der Sonne, Enkai, traf auf Olapa, die Göttin des Mondes. So glaubten es die Leute hier.
"Gleich bin ich bei dir, Qasim", sagte Kenize. Qasim hatte sie seine Sonne und seinen Mond genannt.
Sie setzte die Tasche ab, die sie in den vergangenen Wochen nicht aus den Augen gelassen hatte. In der Nacht hatte sie sie unter ihren Kopf geschoben, und am Tag hatte sie sie stets auf den Knien gehalten. Nun war Kenize am Ziel ihrer Reise angelangt. Die Küste, wo ihr Vater lebte, gehörte bereits einer anderen Welt an. Die Landschaft hier war ursprünglich und unberührt, doch der Händler, der sie auf seinem Ochsenkarren mitgenommen hatte, hatte ihr prophezeit: "Die Eisenbahn soll bald auch hier hoch gebaut werden. Dann ist es aus mit dem Frieden. Irgendein Weißer wird sich das Land schon kaufen."
Irgendein Weißer? Das konnte sie nicht glauben. Die weißen Siedler waren zerlumpte Gestalten, die mit sonnengegerbten Gesichtern durchs Land zogen. Ihre Frauen hatten Schwielen an den Händen und rochen nach saurer Milch.
Auf der Ebene sah sie einen Mann still und aufrecht bei seiner Herde stehen. War dies ein Massai? Ihr Vater war ein Kaufmann und Prinz aus dem Oman. Er verachtete die Menschen des Landes für ihre Gelassenheit und ihr Ertragen. Er verstand es einfach nicht, dachte Kenize. Dieses Land ist altes Land. So alt wie die Welt selbst.
Sie begann, mit steifen Fingern ihre Stiefel aufzuschnüren. Die Haut an ihren Füßen war weiß vom Druck des harten Leders. Zwischen den Zehen hatten sich Blasen gebildet. Kein Wunder: Im Haus ihres Vaters hatte eine Magd ihr jeden Morgen die Füße mit Mandelmilch gewaschen und sie dann mit duftendem Öl eingerieben, ehe Kenize in ein Paar seidene Pantoffeln geschlüpft war.
Sie löste den Schnürverschluss am Kragen ihrer Jubbah. Das lange, weiße Hemd, das die Männer ihres Landes hier trugen, war so weit geschnitten, dass niemand auf Anhieb ihr wahres Geschlecht erraten konnte. Kenize hatte sich in der Nacht vor ihrer Flucht die schwarzen Haare abgeschnitten. Dann hatte sie dem fahrenden Händler in Mombasa drei Goldmünzen gegeben und war auf seinen Wagen gestiegen. Er hatte ihr von diesem Baum hier und der Schönheit des Landes erzählt. Drei Goldmünzen, das war eigentlich viel zu viel für die Reise ins Hochland. Aber nicht zu viel, damit der Mann ihr keine Fragen stellte.
Kenize streifte die Jubbah über ihren Kopf und stand einen Moment nackt im Schatten des Baumes. Ein leichter Wind kam auf, und Kenize fröstelte. Sie zog ein Gewand aus orangefarbener Seide aus der Tasche: Sie wollte Qasim in Schönheit begegnen. Ihre Finger glitten über die Münzen und den Schmuck, die unter dem Gewand verborgen gelegen hatten. Es war ihre Mitgift.
Wo sie hinging, konnte sie nichts mitnehmen. Kenize nahm einige der Ketten und warf sie weit von sich. Ein Armreif aus Gold und Saphiren rollte den Berg hinunter und verfing sich an einem Strauch. Kenize kippte nun den gesamten Inhalt der Tasche die Anhöhe hinunter und rüttelte an ihr, bis sie leer war.
Sie kleidete sich fertig mit dem Shalwar Khamiz: Erst band sie die weite, an den Fußgelenken schmal zulaufende Hose um ihre Taille, ehe sie sich das an Hals und Säumen bestickte Oberteil über den Kopf zog. Nun blieb nur noch der

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