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Die silberne Jungfrau von Bohlmann, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Die silberne Jungfrau

Die Passion der Jeanne d'Arc bewegt die Gemüter der Menschen bis heute. Orléans war 1429 seit einem halben Jahr von den Engländern belagert, die Lage der Bewohner der Stadt verzweifelt. Schon vor ihrem Eintreffen wurde Jeanne d'Arc als Retterin gefeiert. Tatsächlich gelang ihr der Sieg. Ihr Ruhm als 'Jungfrau von Orléans' verbreitete sich rasch im ganzen Königreich. Nach Jahren der Erniedrigungen und Niederlagen führte ihr Sieg eine entscheidende Wende im Hundertjährigen Krieg herbei. Aber ihr Kampf endete tragisch. In Rouen wurde ihr der Prozess gemacht, man klagte sie der Hexerei an, die 19-Jährige musste auf dem Scheiterhaufen ihr Leben lassen. Gerhard Bohlmann (1878-1944) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er war der Sohn des Direktors der Königsberger Union-Giesserei, studierte in Berlin und Königsberg Philologie und Germanistik. Nach Ende des Krieges arbeitete er zunächst als Feuilleton-Redakteur bei der Königsberger Allgemeinen Zeitung. 1924 ging er von Königsberg nach Berlin zur Telegraphen-Union. Später arbeitete er bis zu seinem Tod 1944 beim Deutschen Nachrichtenbüro. Bohlmann verfasste seinen ersten Roman erst mit über 50 Jahren. In seinen Büchern wandte er sich vor allem historischen Themen zu - vom Frühmittelalter (Der vergessene Kaiser) bis zum Dreißigjährigen Krieg (Wallenstein ringt um das Reich).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 01.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711445815
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1590 kBytes
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Die silberne Jungfrau

Weg nach Frankreich

Sie wurden die Darcs von draussen genannt, denn ihr Haus lag ausserhalb von Domremi am Fuss des Ketzerbergs. Seine glatten Steilhänge stossen unvermittelt über dem Fluss und seinem sanften Tal aus der Ebene, und an heissen Tagen schält sich die schwefelfarbene Sandkuppe flimmernd aus grüner Haut und brütet frevelhaft über der Landschaft, ein richtiges Teufelsglied. Der Berg ist verrufen, das Haus und seine Menschen und alles Land in seinem Schatten sind verwünscht; scheu drücken sich die Bauern von Domremi daran vorbei und bekreuzigen sich. Die Schnitter und Mägde auf den Feldern murmeln Gebete und netzen die Stirnen aus ihren Tonkrügen, noch immer wittern Gerüchte dort dunkel umher.

Vor hundert Jahren, als die Ketzerei in der Welt zu wühlen begann, war auch Domremi mit gesegnetem Tal und freundlichem Fluss in Gefahr, von der Seuche des Unglaubens erfasst zu werden. Da Gott es aber gnädig meinte, fuhren an einem Sommertage die Väter der heiligen Inquisition mit Knechten, Karren und Geräten an und verbreiteten einen Geruch nach gesengtem Talg und Holzbrand, damit ihre Talare, Blöcke und Pritschen getränkt waren. Die Väter rochen den Unrat und hatten es bald heraus, sie begaben sich nach dem abgelegenen Haus, in dem heute die Darcs wohnen, kamen mit leuchtenden Gesichtern wieder und verkündeten frohlockend: "Legt eure Gewänder an und versammelt euch unter dem hohen Berg, das Gericht beginnt!" So geschah es, die Ketzer wurden auf die Sandkuppe geschleift, und das Tal war schwarz von Menschen; sie hatten ihre Betten mitgebracht, denn das Verhör dauerte vier Tage, und sie starrten hinauf.

Oben war ein Gewimmel von Talaren, Geräten, Stangen und Feuern, und manchmal umwirbelten Rauchschwaden die Spitze und verhüllten alles. Weithin schallten die Stimmen der Väter über Tal und Fluss, ob die vier Ketzer, zwei Männer und ihre Frauen, bekennen wollten, in ihren Herzen der abscheulichen Lehre des Petrus Waldus angehangen zu haben, ob sie ihrem Aberglauben abschwören, bereuen und Busse tun wollten. Die vier sanken in die Knie und streckten die Arme himmelwärts: Ja, bekannten sie, sie glaubten jener Lehre als dem wahren Evangelium, würden es sich nicht aus dem Herzen reissen lassen, sondern an ihm festhalten und es bewahren bis zum Ende - da gerieten die Knechte, die starr und riesenhaft gestanden hatten, in Bewegung, und die Väter schritten in schwarzem Zuge um die Kuppe und richteten ihre Posaunen nach Norden, Süden, Osten und Westen; schmetternde Töne verkündeten das Gericht.

Es waren heisse Tage unter einem blau verschwebenden Himmel, und um die Niederungen des Bergs gärte die Glut der Sonne. Die mächtigen Knechte sind bis zum Gürtel entkleidet und schleppen kienige Scheiter zur Kuppe hinauf. Die Sohlen der Ketzer werden mit Fett beschmiert und an Feuern geröstet, der Brodem schmorender Haut, Schreien und Winseln sinkt ins Tal, dort seufzen die Menschen in lüsterner Erregung. Aber die heiligen Väter sind gross und geduldig, wieder dämpfen sie die Flammen und halten den Ketzern Kreuze über die Stirnen, ob sie bereuen wollen. Die Menge heult, wenn die Knechte mit langen Stangen die Brände von neuem schüren, und die Hitze drückt die Rauchschwaden auf die Zuschauer, deren Gesichter vor Spannung ganz hell geworden sind. Die Knechte werden es bald müde, am zweiten Tage wischen sie den Schweiss, stellen sich vor das Volk und deuten mit dicken Daumen über die Schultern rückwärts: "Wir haben kein Holz, vorwärts, Gerechte von Domremi und Umgebung, schafft uns welches, der Himmel will's!" Die Bauern von Domremi waren gottbeflissene Menschen und eifrig am Werk, und als ihre Karren mit Ladungen starker Stämme heranknarrten, stöhnen die Knechte vor Behagen und grinsen aus breiten Mäulern: Ihr seid die gerechtesten Bauern des Landes, Gott wird's euerm hübschen Tälchen noch einmal vergelten! - Aus jener Zeit hat sich ein Wort erhalten, auf das die im Dorf stolz sind:

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