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Die Sommer meines Lebens Roman von Valpy, Fiona (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.12.2018
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Die Sommer meines Lebens

Die Liebenden von der Île de Ré. Île de Ré, 1937: Die siebzehnjährige Ella verbringt den Sommer an der französischen Atlantikküste. Sie verliebt sich in den jungen Franzosen Christophe. Voller Lebensfreude schmieden sie Pläne für die Zukunft, wollen sich ihren Platz in der Welt suchen. Zum ersten Mal fühlt sich Ella wirklich frei. Doch dann zerschlägt der Krieg all ihre Hoffnungen, und Christophe wird für tot erklärt. Ella muss zurück nach Schottland, wo sie schließlich ein neues Leben beginnt. Bis sie eines Tages Christophe wieder gegenübersteht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 07.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841216021
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: Sea of Memories
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Die Sommer meines Lebens

2014
Edinburgh

W illkommen im Drumbeig-Seniorenheim steht auf dem Schild. Ich warte im strömenden Regen vor der Tür und neige mein Ohr angestrengt zur Sprechanlage, in der Hoffnung, irgendjemand hat die Klingel gehört und lässt mich hinein. Ich drücke mich dicht an die Wand, weil mir von der Regenrinne des schmalen Vordachs noch mehr dicke Tropfen auf den Rücken platschen. Der Wind reißt gelbe Blätter von den Platanen, die das graue Gebäude umgeben, und wirft sie gegen die Fenster, wo sie einen Augenblick kleben bleiben, bevor der Regen sie auf den Kies spült. Ungeduldig blicke ich auf meine Uhr, in Gedanken schon zu Hause - Kommt Dan zurecht? Hat er Finns Medikamente auch nicht vergessen? -, bevor ich noch einmal, diesmal länger, auf die Klingel drücke.

"Verzeihung, dass Sie warten mussten. Könnten Sie sich kurz hier eintragen?" Die Frau am Empfang reicht mir Stift und Klemmbrett. Ich ziehe mir meinen durchweichten Mantel aus, damit das Wasser aus meinem Ärmel nicht auf ihren polierten Schreibtisch tropft. "Waren Sie schon mal bei uns?"

Ich schüttle den Kopf und trage meinen Namen und das Datum ein. In die Spalte "Bewohner" schreibe ich den Namen meiner Großmutter: Mrs. E. Dalrymple .

Sie dreht das Formular um und liest. "Ach, Sie möchten zu Ella? Das ist aber schön. Sie gewöhnt sich gut ein, und ihr Sohn kommt sie regelmäßig besuchen. Sie wird sich sicher freuen."

Schlechtes Gewissen macht sich in mir breit. Am liebsten würde ich ihr sagen, dass ich schlichtweg nicht früher kommen konnte: Ich bin Lehrerin, wissen Sie, und mein Sohn hat gesundheitliche Probleme, da habe ich nur wenig Zeit ... Doch ich schlucke die Worte hinunter und zwinge mich zu einem höflichen Lächeln, während ich mir mit den Fingern durch meine wirren Haare fahre, die sich in der Treibhausluft des Seniorenheims bereits zu kräuseln beginnen.

Ich bin nach einem Anruf meines Onkels Robbie hierhergekommen. "Sie würde dich sehr gerne sehen, Kendra, wenn du Zeit hättest. Sie hat eine Bitte. Aber ich muss dich warnen, momentan ist sie nicht besonders bei Kräften. Seit deinem letzten Besuch, als sie noch zu Hause war, hat sie sich verändert. Sie ist jetzt öfter mit den Gedanken woanders." Sein Ton war sanft und doch so drängend, dass mein Schuldgefühl wuchs, weil ich sie noch nicht besucht hatte. Meine Mutter steht Ella nicht sehr nahe - wegen einer komplizierten Mutter-Tochter-Geschichte, über die wir nicht sprechen -, also hatten wir in meiner Kindheit und Jugend nicht viel Kontakt zu meiner Großmutter. Ich werde meiner Mutter auch nicht von diesem Besuch erzählen. Ich will nicht, dass sie sich verraten vorkommt, auch wenn mir nicht ganz klar ist, warum sie meinen Besuch überhaupt als Verrat empfinden könnte. Bestimmt würde sie, wie beiläufig ich es auch erwähnte, am Telefon schnauben und abrupt das Thema wechseln.

"Zweiter Stock, ganz am Ende des Flurs. Die letzte Tür auf der linken Seite", erklärt mir die Empfangsdame mit nichtssagendem Lächeln.

Es liegt ein schwerer, durchdringender Geruch nach Kohl in der Luft, der sich unangenehm mit dem Duft von Lufterfrischer und Desinfektionsmittel mischt. Auf dem dicken blauen Teppich sind meine Schritte nicht zu hören. Da ich befürchte, im Aufzug Platzangst zu bekommen, nehme ich die Treppe und freue mich plötzlich über die Bewegung. Im zweiten Stock ist mir so warm, dass ich zu schwitzen anfange. Ich ziehe den Stoff meines Rollkragens etwas von meiner Haut und versuche, wieder zu Atem zu kommen. Wie kann sich meine Großmutter nur an ein Leben in derart stickiger Atmosphäre gewöhnen?, frage ich mich. Auch wenn es sauber und warm ist? Und ist das Personal auch freundlich? Vermisst sie nicht die Eigenständigkeit, die sie in ihrem Haus in Morningside hatte, mit den großen Räumen, den hohen Decken und all ihren Erinnerungsstücken? Oder bedeutet ihr das alles nichts mehr? Hat sie

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