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Die Sonne von St. Moritz von Höcker, Paul Oskar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.07.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Die Sonne von St. Moritz

Dieser Roman führt uns in das internationale Skiparadies Europas, schildert die Zustände einer versunkenen, sorglosen Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als ein Grand Hotel wirklich noch ein Grand Hotel war. Und das Buch erfüllt in idealer Weise die Forderung, die jeder Leser an eine fesselnde Erzählung stellt: Handlung, Handlung! Niemand wird sich dem Zauber des Buches, seinem spannenden Geschehen und seinen farbigen Figuren entziehen können.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 126
    Erscheinungsdatum: 10.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711445433
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1479 kBytes
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Die Sonne von St. Moritz

Beim Dinner wurde im Grand Hotel zu St. Moritz an fast allen Tischen über das Schicksal der beiden Skiläufer gesprochen. Der Föhn heulte draußen, es war Nacht, dichter Schnee fiel. Gäste, die mit den Orts- und Witterungsverhältnissen vertraut waren, meinten: wenn bis um acht Uhr keine Nachricht von den beiden verwegenen Touristen da sei, müsse man sich auf das Schlimmste gefaßt machen.

Willemintje befand sich in heller Verzweiflung, bis die Nachricht kam: "Sie haben aus Pontresina telephoniert!"

Der Hoteldirektor erklärte es für das beste, eine geschlossene Schlittenkutsche hinüberzuschicken mit Wärmflasche, trockener Wäsche und trockenen Kleidern. Es genügte seiner Meinung nach völlig, wenn Fräulein de Steeg die Jungfer mitfahren ließ, außerdem noch höchstens einen der Herren. Ein Unfall schien nach Grolls Bericht nicht zu beklagen zu sein, es lag also gar keine Ursache vor, das Fräulein de Steeg, die selbst noch der Schonung bedurfte, mitfuhr, oder daß man gleich eine große Hilfsmannschaft auf den Weg schickte.

Aber keiner der Herren wollte zurücktreten.

So mußten denn zwei Schlittenkutschen geholt werden. Willemintje hatte für Lore einen Handkoffer gepackt, den die Jungfer mitnahm. Der Leutnant war mit Mr. Biddle in Doktor Grolls Zimmer gegangen, um durch das Zimmermädchen Wäsche und einen Anzug für ihn heraussuchen zu lassen.

Dicht hintereinander fuhren die Schlitten dann ab.

Anderthalb Stunden später kehrte die nächtliche Expedition aus Pontresina zurück. Die Gäste hörten von der Ankunft der beiden Verirrten aber erst als diese schon in ihren Zimmern weilten.

Die drei Herren der Bobmannschaft hatten auf der Rückfahrt den Schlitten mit Doktor Groll geteilt, da Lore Englhofer allein mit ihrem Mädchen hatte fahren wollen. Natürlich hatten sie ihm Vorwürfe nicht erspart, die er ihrer Meinung nach verdiente. Schließlich war es Genzmer, der mit einigem Mitleid einlenkte. Abgespannt lehnte Axel Groll in der Ecke, er verteidigte sich kaum, gab zu, daß die ganze Fahrt von vornherein eine Torheit gewesen sei, und sprach sich selbst durchaus nicht frei von Schuld.

"Also trösten wir uns: es hätte schlimmer ablaufen können!" meinte der Leutnant. Er war gegen den Doktor milder gestimmt, da er im Schloßhotel zu Pontresina bemerkt zu haben glaubte, daß der Verkehr zwischen Lore und Axel Groll kühl und förmlich geworden war.

"Sicher hat er ihr unterwegs einen Antrag gemacht und ist abgeblitzt!"

Auch Kamerlander, dem er seine Vermutung mitteilte, hielt dies für wahrscheinlich.

Sie setzten sich, nachdem sie ihre Wettermäntel und russischen Schneeüberschuhe abgelegt hatten, in die Bar und feierten die Errettung der jungen Erbin bei einer Flasche Sekt. Mr. Biddle und noch einige andere Bekannte gesellten sich hinzu, und so blieb es nicht bei dieser ersten Flasche. Kamerlander, vom Wein angeregt, gutmütig wie er war, äußerte dabei sein Bedauern, daß man den armen Doktor Groll nicht aufgefordert hatte, an diesem festlichen Umtrunk mit teilzunehmen.

"Jetzt - was meinen S'? Ob einer von uns hinauffährt und ihn noch ein bissel herunterholt?" fragte er.

Man sah nach der Uhr. Es war elf vorbei. "Sicher hat er sich gleich in die Klappe gelegt", meinte Genzmer.

"Tät' eh nix. Wissen S' was? Wir rüsten gleich eine richtige Deputation aus. Der Mr. Biddle vertritt die weißgewaschenen Ehrenjungfrauen - oder wir können ja auch noch ein Halbdutzend Zimmermadels requirieren -, und folgt er uns nicht willig, so machen wir ihm ein bissel 'Budenzauber'! Was? Erst noch!"

Damit war Genzmer sofort einverstanden. Er entsann sich lustiger Zechgelage im Kasino des Truppenübungsplatzes. Kameraden, die an festlichen Bowlenabenden vorzeitig ihre "Bude" im Barackenlager aufzusuchen wagten, wurden da manchmal noch spät nach Mitternacht mit sanfter Gewalt oder unter Anwendung von allerlei spukhaften Folterwerkzeugen aus dem süßesten Schlummer herausgerissen und

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