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Die Stimmen der Vergangenheit Roman von Barceló, Elia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.07.2014
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Die Stimmen der Vergangenheit

Als die Literaturwissenschaftlerin Katia Steiner in Rom den Nachlass eines bekannten Gelehrten ordnet, stößt sie auf ein rätselhaftes Dokument. Darin liest sie von Gemälden, die der Schlüssel zu einer längst vergessenen Zeit sind, und von einem geheimen Bund, dem 'Club der Dreizehn'. Das ist für Katia der Anfang einer phantastischen Reise - eine Reise, die sie in eine völlig fremde Welt eintauchen und eine große, unbedingte Liebe entdecken lässt. Elia Barceló, in Elda bei Alicante geboren, lebt seit vielen Jahren in Innsbruck, wo sie an der Universität spanische Literatur unterrichtet hat. Sie ist mit einem Österreicher verheiratet und hat zwei Kinder. Bereits mit ihrem ersten auf Deutsch erschienenen Buch 'Das Geheimnis des Goldschmieds', dem die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen 'unwiderstehlichen Sog' bescheinigte, gelang ihr ein großer Erfolg, an den sie mit ihren weiteren Büchern anknüpfen konnte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 528
    Erscheinungsdatum: 14.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492968515
    Verlag: Piper Verlag
    Originaltitel: El vuelo del hipogrifo
    Größe: 849 kBytes
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Die Stimmen der Vergangenheit

2

Eine verschwundene Schachtel, ein Hippogryph und eine streunende Katze

Um sich nicht länger schlaflos im Bett zu wälzen, schaltete Katia das Licht an und setzte sich auf. Es war zehn nach drei. Sie hatten auswärts zu Abend gegessen, und anschließend hatte sie noch, wie sie es immer tat, bei Giolitti ein Eis kaufen und es vor dem Pantheon essen wollen, denn dieser Ort war für sie, was für die Pilger der Petersdom ist: das Wahrzeichen Roms. Sie war ein Gewohnheitstier, sie hatte nun einmal dieses verfluchte Bedürfnis, dass alles seine Ordnung, seinen festen Platz haben musste. "Vaniglia, nocciola, gianduia e panna" , immer diese Sorten, seit sie zum ersten Mal bei Giolitti gewesen war; danach zum Pantheon und zu später Stunde noch zur Piazza Navona, wenn die Schritte auf den nachtfeuchten Pflastersteinen hallen und nur noch die letzten von Alkohol, wehmütigen Erinnerungen oder Begehren trunkenen Nachteulen durch die Dunkelheit torkeln.

Um fast zwei waren sie herrlich müde und leicht angetrunken zurückgekommen, nachdem Marianna ein paar Meter vor ihrer Haustür noch unbedingt diesen letzten Gin Tonic hatte trinken wollen, und sie wollte nichts anderes mehr als ins Bett fallen. Sie hatte sich im Bad beeilt, um den auf ihren Lidern lastenden süßen Schlaf nicht zu verjagen, und als sie in die mit blauen Margeriten bedruckten Laken schlüpfte, bei deren Lavendelduft sie stets an ihre Mutter dachte, räkelte sie sich wie eine Katze, so behaglich fühlte sie sich. Doch dann war ihre Müdigkeit auf einmal verflogen; trotz Erschöpfung war sie hellwach, und so stand sie leise auf, um ihre in dem nur durch eine Schiebetür abgetrennten Nebenzimmer schlafenden Freundinnen nicht zu wecken, und holte aus ihrem Rucksack die gelbe Mappe mit Valcárcels Papieren. Zurück im Bett, breitete sie die Blätter um sich herum aus. Sofort zwinkerte der Stich ihr zu: Auf geradezu beunruhigende Weise zog dieser Bogen ihren Blick an, als wollte er sie in sich hineinziehen, als wollte er ihr eine andere Welt zeigen.

Endlich gelang es ihr, sich von seiner Anziehungskraft zu lösen, und sie warf einen Blick auf die übrigen Blätter. Zuerst hielt sie es für bedeutungslose Kritzeleien, eine Liste mit Namen, die aussah wie der erste Versuch eines Zeitungslesers bei der Lösung eines Rätsels à la: Der Japaner ist mit der Frau verheiratet, die das graue Auto fährt, der Ingenieur wohnt in dem gelben Haus, und die Frau des Holländers hat einen Pudel.

Auf einem vergilbten Blatt waren in derselben Handschrift, mit der der Stich betitelt war, eine Reihe literarischer Werke in verschiedenen Sprachen aufgelistet. Auf den ersten Blick erkannte sie Los siete libros de la Diana , Gargantua und Pantagruel und Erewhon . Für die anderen hätte sie eine Lupe und besseres Licht gebraucht. Neben einigen der Namen stand von selber Hand in verblasster lila Tinte: "nicht möglich", was immer das bedeutete.

Ein anderes Blatt enthielt eine ähnliche Liste, in diesem Fall schienen es Titel von Gemälden oder Gedichten zu sein. Eros und Psyche konnte sie noch am ehesten entziffern. Dahinter war ein schwarzer Strich; hinter einigen Titeln stand ein Städtename, hinter anderen die Kennzeichnung "priv.".

Auf allen Blättern standen solche Listen, wenn auch mit wechselnden Kombinationen: Auf einigen waren eine Stadt, ein literarisches Werk und ein Bild einander zugeordnet, auf einigen Autoren und Orte, und auf anderen konnte sie gar nichts entziffern. Was auch immer dahintersteckte, auf jeden Fall hatte man den Eindruck, dass es nichts Fertiges war, dass derjenige, der diese Blätter beschrieben hatte, spielte oder an etwas ar

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