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Die Stones sind wir selber von Oberpichler, Zepp (eBook)

  • Verlag: FUEGO
eBook (ePUB)
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Die Stones sind wir selber

Das junge Ruhrgebiet liegt den Beatles zu Füßen, die Stones singen über Satisfaction und Theodor Bornbeck muss auf dem Klavier den H-Moll-Akkord von Johann Sebastian Bach suchen. Dann trifft er Willi. Willi raucht, trinkt, hat die längsten Haare und weiß alles über die Stones. Die kennt Theo nur aus Zeitungsartikeln, die sein Vater ihm vorliest: Sollen Krawallburschen sein. Sind Seuchenherde. Haben Sex und keine Ehe. Theo und Willi tun sich zusammen, gründen mit 'Schweiger' Schulze eine Band - Beat! Party! Mädchen! Irrenhaus!

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 239
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862870004
    Verlag: FUEGO
    Serie: LitRevier Bd.17
    Größe: 465 kBytes
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Die Stones sind wir selber

2. Kapitel

Von einer Geheimkartei für Nikotinsünder, einer ungekämmten Nachgeburt und den Platten der Stones

Der nächste Tag begann wie jeder andere. Hunderte auf dem Weg zur Penne. In der Bahn. Im Bus. Zu Fuß.

Die erste Zigarette im Frühreif noch vor dem Gong, der mit seinem monotonen Gebimmel blendend zu den Unterrichtsthemen passte. Heute standen Geschichte und Physik auf dem Plan. Also kein Grund, sich zu beeilen. Lieber erst mal unbeschwert genießen.

War die erste Zigarette verqualmt, gab's direkt eine zweite hinterher. Danach ein Pfefferminzbonbon, sicher ist sicher. Schließlich mussten sie höllisch aufpassen, denn der Klassenlehrer war ein Windhund, der letzte und schärfste seiner Art. Der roch jeden Braten, und war er auch noch so gut getarnt. Es gab sogar wilde Mutmaßungen darüber, dass der Herr Doktor eine Geheimkartei führe, in der jeder Raucher der Schule katalogisiert sei. Angeblich sogar mit einem kleinen Passfoto mit Namen, Alter und Zigarettenmarke darunter. So richtig gesehen hatte diese Kartei natürlich noch keiner. Aber allein die Befürchtung, dass es sie geben könnte, war ein guter Grund dafür, vor seinem Unterricht lieber einen Apfel zu essen, anstatt auf einem Filter zu kauen.

Horst Blümel aus der Parallelklasse hatte erzählt, dass der Herr Doktor vorigen Mittwoch sogar seine Eltern zu Hause besucht habe. Habe sich erst mal hingesetzt, einen Kaffee getrunken und dann so ganz nebenbei gefragt, warum der Filius mit fünfzehn schon rauchen dürfe. Am nächsten Tag stand Horst Blümel mit einem Apfel unter den rauchenden Mitschülern im Gebüsch. Keine Frage, der Doktor hatte ihn seiner Jugend beraubt. Seiner Jugend und einer halb vollen Schachtel HB, die direkt beschlagnahmt worden war.

Als Theo dieses Elend sah, konnte er nur noch mitleidig mit den Achseln zucken. Das sollte ihm nicht passieren. Er war als Raucher doch nicht so doof, sich beim Herrn Doktor in die erste Reihe zu setzen.

Um ein Uhr war es wieder soweit. Hunderte auf dem Weg nach Hause. In der Bahn. Im Bus. Zu Fuß.

Die Frühschicht hatte nun Feierabend und strömte mit glücklichen Gesichtern aus dem Gebäude, in das sie ein paar Stunden vorher traurig hineingeschlichen war.

Theo stand an einer Tischtennisplatte aus Beton und hoffte, mit dieser ausgeklügelten Methode endlich ein Mädchen kennen zu lernen. Bisher allerdings ohne zählbaren Erfolg. Und wie immer liefen ihm genau die Leute über den Weg, von denen er nichts wissen wollte. Also Klaus, Erwin, die Kalupke-Zwillinge - und Willi.

Willi hatte eine Schallplatte unterm Arm. Willi hatte immer Schallplatten unterm Arm. Was sollte man auch sonst mit den Dingern machen?

Für Platten hatte sich Theo nie interessiert. Die, die er kannte, waren voll von Bach - und aus die Maus.

Man merkte direkt, dass Willi einen an der Klatsche hatte. Er war einen Kopf größer, zwei Bäuche breiter und drei Klassen tiefer als die anderen. Ein chronischer Sitzenbleiber. Aber er trug als Erster auf der Schule lange Haare, länger noch als die der Beatles. Natürlich rauchte er Kette. Man sah ihn manchmal auf dem Schulhof, wie er sich ein paar Selbstgedrehte baute, was ihm stets Respekt und Einträge ins Klassenbuch einbrachte. Man munkelte sogar, dass Willi einmal Seemann gewesen sei, andere Quellen wiederum wiesen ihn als Buschmann aus. Alles in allem schien der Knabe ein paar Nummern zu wild, als dass man sich länger mit ihm unterhalten mochte.

Theo schaute sich um, sah, dass ein paar Kröten Fangen spielten, sah Mauern, sah Gegend und mittendrin diesen Willi. Ein komischer Vogel, der zwar wie ein Papagei schillerte, aber wie eine Ente lief.

Theo musste grinsen, als er beobachtete, wie Willi mit seinem Platz raubenden Gang und dem pendelnden Kopf den ganzen Bürgersteig für sich beanspruchte und andere Passanten ausweichen mussten, sofern sie nicht vorher ohnehin schon die Straßense

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