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Die Tante Ein Liebesroman von Schopenhauer, Johanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.03.2016
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Die Tante

Dieses eBook: 'Die Tante' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Johanna Schopenhauer (1766-1838) war eine deutsche Schriftstellerin und Salonnière. Sie war die Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer und der Schriftstellerin Adele Schopenhauer. Aus dem Buch: 'Wie oft versuchte ich es schon, sein Bild auf dem Papier festzuhalten! Aber ich ermüde im fruchtlosen Streben. Ja, wenn ich mit den Zügen seines Gesichts auch die unbeschreibliche Harmonie in seinem ganzen Wesen wiederzugeben vermöchte! Er ist immer er selbst! Ganz und ungeteilt er selbst, in jeder seiner Bewegungen, in jedem seiner Worte, im Scherz wie im Ernst! Nur er, einzig er kann so dastehen, so sprechen, so aussehen, und doch ist es nicht seine Gestalt allein, die ihn vor allen auszeichnet, es ist der Einklang, die Übereinstimmung in seiner ganzen Erscheinung. Wo lebt der Künstler, der diese darzustellen vermöchte? Ohne sie bleiben meine Bilder leblos und starr, bei aller übrigen Ähnlichkeit gleichen sie Wachsbildern, die das Leben ungeschickt nachäffen wollen, und ich muß sie vernichten, denn sie erregen mir Grauen.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 13.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026851707
    Verlag: e-artnow
    Größe: 675 kBytes
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Die Tante

Dieses Lob meiner Zeit kommt Euch etwas sofistisch vor? nun so werdet Ihr doch wenigstens gewiß einen zweiten Vorzug für voll gelten lassen, den Eure Grosmütter vor Euch voraus hatten, und von dem, wie die Welt jezt steht, fast keine Spur übrig geblieben ist; ich meine hiermit jene allgemeine, zarte Aufmerksamkeit, jene an Ehrfurcht gränzende Hochachtung, jene, an die Zeiten alter Chevallerie erinnernde und aus diesen abstammende, ehrerbietige Galanterie, welche damals von allen gebildeten Männern unserem Geschlechte gezollt ward. Wenn wir einmal in der Gesellschaft erschienen, was freilich weit seltner geschah als jezt, so traten wir gleich kleinen Fürstinnen einher, von einem Gefolge umgeben, das jedem unsrer Wünsche mit zuvorkommendem Eifer entgegen flog. Mit Euch, Ihr guten Kinder, dünken sich die jetzigen Männer wenigstens auf gleichem Fuß, und glauben damit schon ein Uebriges für Euch gethan zu haben. Daran aber seid Ihr selbst schuld, denn Ihr habt Euch auf glattem Boden neben sie hingestellt. Ich möchte uns, in unserem damaligen Verhältniß zur männlichen Welt am liebsten mit seltnen Blumen vergleichen, die mit Sorgfalt in einem verschlossnen Gewächshaus' aufbewahrt werden, zu denen man deshalb gern Zutritt zu erhalten sucht, und sie in der Nähe zu bewundern wünscht. Ihr aber wachst und blüht in der Freiheit, vielleicht nur um so üppiger und schöner, aber Ihr steht in einem, aller Welt offnen, lustigen Garten, in welchem man ohne Rückhalt Euch nahen darf. Was man aber täglich mühelos sehen kann, verliert am Ende den höchsten Reitz, den der Neuheit; man gewöhnt sich bald genug, achtlos daran vorüber zu wandeln, und leider geht darüber manche köstliche Pflanze unbemerkt zu Grunde, oder wird wohl gar im Gedränge zerknickt und zertreten.

Indessen will ich nicht ableugnen, daß wir Euch um eure jetzige größere Freiheit wahrscheinlich würden beneidet haben, wenn wir uns eine solche nur recht lebhaft hätten denken können. Das war aber bei unsern beschränkteren Begriffen vom Leben und unsrer, durch unser Verhältniß herbeigeführten furchtsamen Bescheidenheit nicht wohl möglich. Auch muß ich gestehen, daß wir einen großen Theil unsrer damaligen vornehmen Grandezza mit unsäglichem schmerzlichem Zwange, mit hohen Absätzen an den Schuhen, mit breiten steifen Fischbeinröcken, mit Harnisch ähnlichen Schnürbrüsten theuer genug erkaufen mußten. Im vollkommensten Gegensatze mit dem jezt üblichen, war unser Anzug hauptsächlich darauf berechnet, unsre Gestalt bis zum unkenntlichen zu maskiren. Jede von uns war ein wandelndes Räthsel, von der Spitze des kleinen, mit Flittern gestickten Atlas-Kothurns, welchen blitzende Steinschnallen noch verherrlichten, bis zu dem Wipfel des hochaufgethürmten Haarschmucks, der obendrein den ganzen Tag über unsre Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, weil jeder Luftzug, jede zu rasche Bewegung des Kopfes dem zarten Puderreif' Untergang drohte. Der zärtlichste Liebhaber konnte nicht einmal in jener Zeit über die Farbe der Haare seiner Schönen zu einiger Gewisheit gelangen, denn der gelbe Puder machte die Braune der Blonden ganz ähnlich. Die Kleine hob sich vermittelst höherer Absätze an den Schuhen zur mittleren Grösse hinauf, und die Wespenartig zusammengeschnürte Taille, die in unbegreifliche Breite ausgehenden Fischbein Röcke gaben Allen die nämliche Form, aus welcher kein sterbliches Auge die wahre menschliche Gestalt heraus finden konnte.

Ihr lacht über die wunderliche Figur, die wir spielten? Ich glaube, ich müßte selbst lachen, wenn ich mich noch einmal in meinem damaligen Putz' erblicken sollte, und doch galten die Schönen unter uns deshalb nicht für minder schön, und die Häslichen gewannen noch bei dieser allgemeinen Vermummung, denn sie giengen in der Maske mit durch, die sich obendrein auf das vollkommenste dazu eignete, kleine Mängel zu verbergen.

Ein sehr karackteristisches Unterscheidungszeichen jener Zeit bestand auc

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