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Die Tränen der Vila Historischer Roman von Jaedtke, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.01.2013
  • Verlag: dotbooks GmbH
eBook (ePUB)
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Die Tränen der Vila

'Mein Sohn, nun ist die Zeit gekommen, da ich mich deinem Urteil aussetzen muss. Du magst mich einen Feigling schelten, weil ich das Nahen meines Todes abgewartet habe. Doch urteile nicht zu hart über mich: Auch die Größten und Tapfersten bekannten manches erst auf dem Sterbebett.' Das Herzogtum Sachsen im 12. Jahrhundert: In den Wirren eines Fehdekrieges verwaist, ist der junge Bauernsohn Odo auf sich allein gestellt und muss um sein Überleben kämpfen. Als er von einem fahrenden Ritter als Waffenknecht angenommen wird, scheint sich sein Schicksal zu wenden. Dann aber muss er sich an der Seite seines Herren dem Kreuzzug anschließen, der den heidnischen Wenden in Mecklenburg den wahren Glauben bringen soll - mit dem Schwert. Odo wird nicht nur Zeuge blutigen Schreckens und blinder Raserei, sondern auch des Widerstandes. Denn in den Wäldern lauert etwas auf die Eroberer: intelligent, schnell und tödlich. Odo ahnt nicht, dass sich hinter der unheimlichen Macht, die seine Gefährten Mann für Mann dezimiert, ein zu allem entschlossenes wendisches Mädchen verbirgt - und dass die Begegnung mit ihr sein Leben auf ungeahnte Weise verändern wird ... Eine kaum bekannte Episode der Geschichte. Zwei besondere Menschen, die einer Zeit des Schreckens trotzen müssen. Ein kraftvoller und fesselnder historischer Roman. Jetzt als eBook: 'Die Tränen der Vila' von Wolfgang Jaedtke. dotbooks - der eBook-Verlag. Wolfgang Jaedtke, geboren 1967 in Lüneburg, studierte Historische Musikwissenschaft und promovierte mit einer Arbeit über Beethoven. Danach arbeitete er für ein Theater, bevor er sich als Schriftsteller selbstständig machte und seitdem unter seinem eigenen Namen und einem Pseudonym historische Romane und Thriller veröffentlicht. Bei dotbooks veröffentliche Wolfgang Jaedtke bereits den historischen Roman 'Die Tränen der Vila' und die Steppenwind-Trilogie mit den Einzelbänden 'Sohn der Steppe', 'Tochter der Steppe' und 'Herrin der Steppe'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 486
    Erscheinungsdatum: 18.01.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955200947
    Verlag: dotbooks GmbH
    Größe: 1849 kBytes
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Die Tränen der Vila

Wie ich aus meiner Heimat vertrieben wurde

Ich beginne mit meiner Erzählung im Jahr des Herrn 1138.

Es war der Morgen eines schönen Tages im September. Die Sonne schien, und ich, ein junger Bursche von elf Jahren, war früh aufgestanden, um mich um Haus und Hof zu kümmern. Unser Dorf, das zu den Besitzungen des Grafen von Blankenburg gehörte, war klein und hatte, soweit ich mich erinnern kann, nicht einmal einen Namen. Es umfasste neun Hufen, wie hierzulande die Hofstellen der Hörigen genannt werden. Die Hütten aus geflochtenem Astwerk, mit Lehm verkleidet und mit Binsen gedeckt, duckten sich in den Schatten eines Höhenzuges, der zu den nördlichsten Ausläufern des Harzgebirges gehörte. Auch meine Familie besaß eine solche Hütte, und obwohl sie nur einen einzigen fensterlosen Raum umschloss, kam sie mir doch allzu groß vor, seit meine Mutter und mein Bruder gestorben waren.

Nachdem ich aufgestanden war, versorgte ich als Erstes meinen Vater, der fiebernd auf seinem Strohlager ruhte. Seit dem vergangenen Winter war seine Gesundheit ernstlich angegriffen: Anhaltende Schwäche und Gelenkschmerzen plagten ihn, und mittlerweile hatte sich ein trockener Husten zu den übrigen Plagen gesellt. Ich gab ihm Wasser und versprach, auch Ziegenmilch zu bringen, sobald ich die Schweine in den Wald geführt und Zeit zum Melken haben würde.

"Habt keine Sorge, Herr Vater", sagte ich, legte die Hand auf seine Stirn und bemühte mich, kein Erschrecken angesichts der Hitze seiner Haut zu zeigen. "Ich schaffe die Arbeit schon allein."

In der Tat bewirtschaftete ich den Hof seit Monaten, wenn auch mehr schlecht als recht, mit der Kraft meiner eigenen jungen Hände. Im Mai hatte ich in mühevoller Arbeit mit unserer einzigen Kuh den Acker gepflügt, im Juli das Heu eingebracht, im August das Getreide geerntet. Wir hatten nur wenig zu essen, und oft blieb mir nichts anderes übrig, als zum Mittagsmahl eine Schüssel Getreidebrei mit Milch anzurühren. Es war mir klar, dass wir in diesem Jahr kaum in der Lage sein würden, unserem Grundherrn die Steuer zu entrichten, denn es gab so gut wie nichts, was wir zurücklegen konnten.

Mein Vater seufzte, als habe er denselben Gedanken, zeigte jedoch ein schwaches Lächeln.

"Mein großer Junge", flüsterte er und unterbrach sich, als ein Hustenanfall seine nackte Brust schüttelte. Ich wartete geduldig und zugleich gerührt, denn nur selten hatte er in letzter Zeit das Wort an mich gerichtet. "Ich bin so froh, dass der Herrgott dich mir erhalten hat. Du bist ein guter Junge, Odo. Ich bete jeden Tag für dich."

Sosehr mich dieses Lob erfreute, fühlte ich doch Angst in mir aufsteigen, denn es klang wie ein Abschiedswort. Ergriffen nahm ich seine Hand, die rauh und trocken war, voller Falten und Schwielen von vierzig Jahren Feldarbeit.

"Auch ich bete für Euch, Herr Vater", sagte ich und konnte nicht verhindern, dass meine Stimme wankte. "Und wenn Gott meine Gebete hört, wird er auch Euch erhalten."

Mein Vater seufzte, lehnte sich zurück und ließ seine Hand aus der meinen sinken. Bis heute frage ich mich, ob er an jenem Morgen ahnte, dass etwas Schreckliches geschehen würde.

"Denk daran, die Schweine in den Wald zu treiben", flüsterte er mit veränderter Stimme.

Ich nickte, griff nach der Weidengerte und ging zur Tür unseres Hauses.

Draußen schien bereits die frühe Herbstsonne, so dass ich die Augen beschatten musste, als ich ins Freie trat. Rasch umrundete ich das Haus und ging auf den kleinen Stall zu, ein windschiefes Gerüst aus verwittertem Holz mit einem Gatter aus geflochtenem Astwerk. Die Schweine scharrten und grunz

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