text.skipToContent text.skipToNavigation

Die Unruhigen Roman von Ullmann, Linn (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.06.2018
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
17,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Unruhigen

Sehen, sich erinnern, verstehen. Alles hängt davon ab, wo du stehst.
Als sie zum ersten Mal nach Hammars kam, war sie ein knappes Jahr alt und ahnte nichts von der großen und umwälzenden Liebe, die sie dorthin geführt hatte. Im Grunde waren es drei Lieben.
Vater und Tochter sitzen mit einem Aufnahmegerät zwischen sich zusammen. Ihr Plan lautet, das Altern in einem Buch zu dokumentieren, das sie gemeinsam schreiben wollen. Als sie ihn endlich in die Tat umsetzen wollen, hat das Alter ihn in einer Weise eingeholt, die ihre Gespräche unvorhersehbar und unzusammenhängend macht.
'Die Unruhigen' ist ein genreüberschreitender Roman über ein Kind, das es nicht erwarten kann, erwachsen zu werden, und Eltern, die am liebsten Kinder sein wollen, über Erinnerungen und Vergessen und die vielen Geschichten, die ein Leben ausmachen.
'Es ist eine fiktive Geschichte. Das macht sie aber nicht weniger wahr.'
Für alle LeserInnen von Joan Didions 'Das Jahr magischen Denkens'.
Gewinner des Norwegischen Rundfunkpreises. Shortlist Nordischer Literaturpreis und Kritikerpreis. Unter den 10 besten Bücher des Jahres in allen großen norwegischen, schwedischen und dänischen Zeitungen. Übersetzt in 18 Länder.
Presse- und Lesereise mit Juliane Köhler vom 6. bis 8. Juni nach München, Frankfurt/am Main und Berlin.

LINN ULLMANN ist eine der bedeutendsten Autorinnen Skandinaviens. Ihre Romane sind vielfach preisgekrönt und in 30 Sprachen übersetzt, 2017 erhielt sie von der Schwedischen Akademie den Doubloug -Preis für ihr Gesamtwerk. Bei Luchterhand erschien zuletzt 'Das Verschwiegene' - unter dem Titel 'The Cold Song' u.a. auf der Jahresbestenliste der New York Times und eines der Lieblingsbücher von James Wood (New Yorker). Für 'Die Unruhigen' erhielt sie den Hörerpreis des Norwegischen Rundfunks, der Roman war für den Kritikerpreis und den Nordischen Literaturpreis nominiert. Eine Bühnenfassung wird im Herbst 2018 am Königlichen Dramatischen Theater Stockholm unter der Regie von Pernilla August ihre Uraufführung haben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 11.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641205324
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
    Originaltitel: De Urolige
Weiterlesen weniger lesen

Die Unruhigen

Sehen, sich erinnern, verstehen. Alles hängt davon ab, wo du stehst. Als ich das erste Mal nach Hammars kam, war ich ein knappes Jahr alt und ahnte nichts von der großen und umwälzenden Liebe, die mich dorthin geführt hatte.

Im Grunde waren es drei Lieben.

Gäbe es ein Teleskop, das man auf die vergangene Zeit richten könnte, würde ich sagen können: Sieh her, da sind wir, so hat es sich abgespielt. Und jedes Mal, wenn wir uns unsicher gewesen wären, ob das, woran ich mich erinnere, wahr ist, oder ob das, woran du dich erinnerst, wahr ist, oder ob das, was geschah, auch wirklich geschah, oder ob wir überhaupt existieren, wären wir in der Lage gewesen, uns nebeneinanderzustellen und zu schauen.

Ich nummeriere, ordne und katalogisiere. Ich sage: Es waren drei Lieben. Ich bin heute genauso alt wie mein Vater, als ich geboren wurde. Achtundvierzig. Meine Mutter war siebenundzwanzig, sie sah damals bedeutend älter und zugleich bedeutend jünger aus, als sie tatsächlich war.

Ich weiß nicht, welche der drei Lieben als Erste da war. Aber ich beginne mit der, die 1965 zwischen meiner Mutter und meinem Vater entstand und die endete, ehe ich alt genug war, mich an irgendetwas von ihr zu erinnern.

Ich habe Bilder gesehen und Briefe gelesen und gehört, wie sie von der Zeit erzählten, die sie zusammen waren, und ich habe gehört, was andere erzählen, aber in Wahrheit kann man nicht sonderlich viel über das Leben anderer Menschen wissen, vor allem nicht über das seiner Eltern, und erst recht nicht, wenn diese Eltern es darauf angelegt haben, ihr Leben in Geschichten zu verwandeln, die sie anschließend mit einer begnadeten Fähigkeit dafür erzählen, sich nicht im Geringsten darum zu scheren, was wahr ist und was nicht.

Die zweite Liebe ist eine Verlängerung der ersten und handelt von dem Liebespaar, das zu Eltern wurde, und von dem Mädchen, das ihre Tochter war. Ich liebte meine Mutter und meinen Vater vorbehaltlos, ich nahm sie als gegeben hin, wie man eine ganze Weile die Jahreszeiten als gegeben hinnimmt, oder den Tagesverlauf, oder die Stunden, die eine war Nacht und der andere war Tag, die eine endete, wo der andere begann, ich war ihr Kind und sein Kind, aber angesichts dessen, dass auch sie Kinder sein wollten, wurde es zuweilen ein wenig schwierig. Und dann ist da noch etwas. Ich war sein Kind und ihr Kind, aber nicht beider Kind, es gab niemals uns drei; wenn ich in dem Bilderstapel blättere, der vor mir auf dem Tisch liegt, gibt es kein einziges Foto von uns drei zusammen. Sie und er und ich.

Diese Konstellation existiert nicht.

Ich wollte möglichst schnell erwachsen werden, es gefiel mir nicht, ein Kind zu sein, ich fürchtete mich vor anderen Kindern, vor ihrem Einfallsreichtum, ihrer Unvorhersehbarkeit, ihren Spielen, und um meine eigene Kindlichkeit zu kompensieren, stellte ich mir häufig vor, ich könnte mich aufteilen und viele werden, mich in eine Liliputanerarmee verwandeln, und dass Kraft in uns wäre - wir waren klein, aber wir waren viele; ich teilte mich auf und marschierte vom einen zur anderen, vom Vater zur Mutter und von der Mutter zum Vater, ich hatte viele Augen und Ohren, viele schmächtige Körper, hohe Stimmen und noch mehr Choreographien.

Die dritte Liebe. Der Ort . Hammars, oder Djaupadal , wie er in früheren Zeiten hieß. Es war sein Ort, nicht ihrer, nicht der Ort der anderen Frauen, nicht der Kinder, nicht der Enkelkinder. Eine Zeitlang fühlte es sich so an, als gehörten wir dorthin, als sei es unser Ort. Wenn es wahr ist, dass jeder einen Ort hat, und das ist ja nicht wahr, aber wenn es denn wahr wäre, dann wäre dies mein Ort, jedenfalls mehr mein als der Name, den ich bekam, es war nicht so beklemmend, in Hammars umherzustreifen, wie es beklemmend ist, in seinem Namen umherzustreifen. Ich erkannte den Geruch von Luft und Meer und Stei

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen