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Die vergessene Burg Roman von Goga, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2018
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Die vergessene Burg

Eine Reise an den Rhein führt zu einem dunklen Geheimnis
1868. Paula Cooper führt ein zurückgezogenes Leben, bis sie einen unerwarteten Brief erhält. Ihr schwer kranker Onkel Rudy bittet eindringlich um ihren Besuch - im fernen Bonn. Voller Neugier reist Paula von England an den Rhein. Fasziniert von der malerischen Landschaft entdeckt sie eine fremde Welt und lernt den Fotografen Benjamin Trevor kennen. Aber sie ahnt, dass ihr Onkel etwas verheimlicht, und auch die Widersprüche um das Schicksal ihres verstorbenen Vaters mehren sich. Welcher dunklen Wahrheit über ihre Familie muss sich Paula stellen?

Susanne Goga, 1967 geboren, ist eine renommierte Literaturübersetzerin und SPIEGEL-Bestsellerautorin. Sie wurde mit dem DELIA-Literaturpreis sowie dem Goldenen Homer ausgezeichnet und ist seit 2016 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Mönchengladbach.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 10.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641218300
    Verlag: Diana Verlag
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Die vergessene Burg

1

Das Haus an der Schleuse

Kings Langley, Hertfordshire

"Es würde uns sehr freuen, Sie dabeizuhaben, Miss Cooper." Die Pfarrersfrau strich ihr dunkelbraunes Kleid glatt und schaute Paula warmherzig an. "Es erschien mir vermessen, Sie damit zu behelligen, wir alle wissen, wie es um ihre Cousine Miss Farley steht und wie sehr sie Sie beansprucht. Wenn der Reverend hört, dass Sie uns helfen, wird er entzückt sein."

Paula konnte sich nicht vorstellen, dass Reverend Cranston über irgendetwas in Entzücken geriet - außer vielleicht über die genealogischen Nachforschungen, die er in alten Kirchenbüchern anstellte -, nickte aber bescheiden. "Es wäre mir ein Vergnügen, einen kleinen Beitrag zu Ihrem Abend leisten zu dürfen." Sie trank von ihrem Tee und nahm ein Ingwerplätzchen, nachdem die Pfarrersfrau ihr nachdrücklich den Teller hingeschoben hatte. "Woran hatten Sie gedacht? Wie Sie wissen, sind meine Fähigkeiten am Klavier begrenzt. Und was meinen Gesang angeht ..." Sie zuckte bedauernd mit den Schultern.

Mrs. Cranston stand lächelnd auf und holte ein Buch von einem Beistelltisch. "Um die musikalische Unterhaltung brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen, Miss Cooper. Der junge Mr. Algernon Smith ist ein ausgezeichneter Bariton und wird einige Balladen vortragen. Die Schwestern Ingram spielen ein Duett mit Geige und Klavier, und der alte Charlie Ross wird uns schottische Weisen auf dem Dudelsack darbieten. Es gibt auch eine Aquarellausstellung mit Szenen aus der Umgebung." Sie legte eine Pause ein und sah Paula feierlich an. "Ich habe Sie einmal in der Kirche vorlesen hören, Miss Cooper, und war ganz bezaubert. Sie haben eine klangvolle Lesestimme. Und damit komme ich zu meinem Anliegen - ich möchte Sie bitten, einige Gedichte vorzutragen. Die Auswahl überlasse ich Ihnen, es sei denn, Sie wünschen meinen Rat."

"Aber Sie haben einen Wunsch?" Paula deutete auf das Buch, das die Pfarrersfrau auf den Tisch gelegt hatte.

Ein Hauch von Röte überzog Mrs. Cranstons Gesicht. "Sie haben mich ertappt. Ich habe an der Stelle ein Lesezeichen hineingelegt."

Paula schlug den braunen Lederband auf und las neugierig das Deckblatt. Es war eine englische Übersetzung der gesammelten Gedichte eines gewissen Heinrich Heine, die vor sieben Jahren erschienen war. Sie blätterte zu der Stelle, an der ein schmaler Pappstreifen lag, der mit Vergissmeinnicht in Aquarellfarben verziert war.

Sie legte das Lesezeichen auf den Tisch und las die Überschrift: "Das Lied von der Loreley".

"Ist das ein Gedicht über Deutschland?"

Mrs. Cranston nickte. "Sie haben sicher schon einmal davon gehört, der Felsen am Rhein." Als sie Paulas verständnislosen Blick bemerkte, fügte sie hinzu: "Es geht um eine alte Sage, nach der eine schöne Frau auf dem Felsen sitzt und ihre goldenen Haare kämmt, womit sie die Rheinschiffer ablenkt, deren Boote an den Klippen zerschellen. Keine sehr christliche Geschichte, aber das Gedicht ist so romantisch! Mr. Cranston sieht mich immer tadelnd an, wenn ich Heine lese, aber er wird mir diese kleine Sünde wohl verzeihen."

"Ich hatte noch nie davon gehört, will es aber gern vortragen. Und ich suche noch ein weiteres aus, das dem Reverend vielleicht genehmer ist."

Mrs. Cranston legte ihr beschwichtigend die Hand auf den Arm. "Keine Sorge, er ist ein milder Richter. Aber Heine war Jude und politisch, nun ja, ein Freidenker, um es vorsichtig auszudrücken. Dennoch, die Loreley wird hoffentlich keinen Anstoß erregen."

"Ich freue mich darauf, das Gedicht zu lesen", sagte Paula und meinte es aufrichtig.

Sie hatte England noch nie verlassen und wusste kaum etwas über Deutschland. Auch von diesem Herrn Heine hatte sie nie gehört.

Nachdem sie sich verabschiedet und mit dem Buch in der Hand das Haus verlassen hatte, blieb sie auf der Straße stehen und wandte das Gesicht zur Sonne, die an diesem Tag Ende März schon a

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