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Die vier Jahreszeiten. Ein Zyklus von Novellen. von Schopenhauer, Johanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die vier Jahreszeiten.

Johanna Schopenhauer beschreibt in der Sprache ihrer empfindsamen Zeit Liebesgeschichten in verschiedenen Lebensaltern um 1800. Untergründig liegt eine Kritik an den herrschenden Ehekonventionen und dem damaligen Hof- und Adelskodex. Der Text folgt der Buchausgabe von 1834 unter Beibehaltung von Orthographie und Zeichensetzung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 168
    Erscheinungsdatum: 17.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741257667
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 247 kBytes
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Die vier Jahreszeiten.

Frühlingsliebe.

M ein Vater war ein Landprediger. O wie schön, wie unbeschreiblich lieblich lag unser Dörfchen, in einem weiten, von romantischer Gebirgswelt umgebnen Thale, am Ufer eines klaren Sees, zu welchem die Bächlein von den Bergen lustig hinabtanzten, und dessen blaue Fläche mehrere grüne Inseln belebten! Unsere Wohnung war hell, geräumig und freundlich. Sie lag mitten in einem großen Garten, voll Blumen und prächtiger Bäume, deren Gipfel mir bis in den Himmel zu ragen schienen; dunkle, schattige Laubengänge mit Reben, Aprikosen und duftendem Jelängerjelieber umgaben ihn von allen Seiten. Hyacinthen, Aurikeln, Anemonen, ein ganzes Heer bunter strahlender Tulpen schmückten im Frühlinge die Beete, nahe an dem von Säulen getragenen ländlichen Vordach unseres Hauses, um das der Epheu und die Waldrebe mit zarten Ranken sich anklammerten. Hohe Rosenstöcke mit blühenden Orangenbäumen in bunter Reihe gepaart, ließen im Sommer, wenn jene zarten Boten des Frühlings verblüht waren, uns sie nicht vermissen.

Wir waren sehr wohlhabend und wohnten im eignen, von meinem Vater selbst neu eingerichteten Hause, das zu einem ziemlich bedeutenden Gute gehörte, dessen Eigenthümer er ebenfalls war. Das Pfarrgebäude hatte er, gleich beim Antritte der Predigerstelle, dem Schullehrer eingeräumt. Ein wunderbar verflochtenes Geschick, aus welchem zuletzt eine unwiderstehliche Neigung zu einem stillen, aber dennoch der Welt nützlichen Daseyn, in unbemerkter ländlicher Abgeschiedenheit sich entwickelte, hatte im Sommer des Lebens ihn bewogen, fern von dem Lande, wo er geboren, den Stand eines Landpfarrers sich zu erwählen, und um die Stelle sich zu bewerben, die er jetzt bekleidete.

Meine fromme schöne Mutter mochte wahrscheinlich an diesem wichtigen Schritt ihres Gatten großen Antheil gehabt haben. Meine liebe, liebe Mutter! sie hieß Angelika; ich habe leider sie, und auch meinen Vater schon in meinem fünfzehnten Jahre verloren, aber ihr freundliches Bild kann keine Zeit in meinem Innern verlöschen. Nie hatte sie unser stilles Dörfchen verlassen, in welchem sie geboren war; alles, was sie je von der Aussenwelt gesehen hatte, umfaßte ein Umkreis von zwei Stunden rings um dasselbe her; was sie von höherer geistiger Bildung besaß, verdankte sie einzig und allein ihrem frühesten Freunde, meinem Vater, der mit ihrer Hand den Entschluß, auf dem Lande zu leben, auf immer ergriff.

Mein Vater war ein großer, sehr ernster, stattlicher Mann, von edelm gebietenden Ansehen. Bedeutend älter als meine Mutter, lebte er dennoch in ihr und für sie, und konnte aus liebender Sorge für die angebetete Frau sich nie dazu entschließen, das schöne Gleichgewicht ihres milden Wesens, auch nur durch die kleinste Veränderung ihrer äussern Lage zu erschüttern.

Die innige Liebe meiner Eltern, das ungewöhnlich zart Zuvorkommende in ihrem Benehmen gegen einander, ließen mich die Art ihres Verhältnisses, und auch wohl überhaupt das ganze Menschenleben auf Erden, in einem erfreulicherem höherem Lichte sehen, als mir wahrscheinlich für meine Zukunft gut gewesen seyn mag. Ich wuchs in einem vollkommen ideal gehaltnen Daseyn auf, ohne von der übrigen Welt und ihren beengenden kleinlichen Rücksichten und Konvenienzen das Mindeste gewahr zu werden. Meine Eltern hatten durchaus keinen Umgang, weder mit den Pfarrern noch den Gutsbesitzern in der Nachbarschaft. Die isolirte Lage unseres Dörfchens trennte uns ohnehin um mehrere Meilen von allen. Zu uns kam Niemand, ausser Unglückliche, die bei meinem Vater Hülfe suchten und erhielten, und dann die Bewohner unseres Dorfes, und der ländlichen Hütten, längst dem reich angebauten Ufer unseres Sees, deren Knaben meine Spielkameraden waren.

Wer wäre so arm, daß er nicht gern der Tage seiner Jugend gedächte, und bei der Erinnerung an sie mit gerührtem Gemüthe verweilte? Die meinige aber war ein reiner Abglanz des Himmels, viel zu reich, um der Vorhof eines besch

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