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Die von Wintzingerode von Schreckenbach, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.01.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die von Wintzingerode

Paul Schreckenbach (6.11.1866 - 27.6.1922) war ein deutscher Pfarrer und Schriftsteller. Schreckenbach wurde vor allem wegen seiner gründlich recherchierten historischen Romane bekannt, in denen er sich mit Problemen der wilhelminischen Zeit auseinandersetzte. Paul Schreckenbach (6.11.1866 - 27.6.1922) war ein deutscher Pfarrer und Schriftsteller. Schreckenbach wurde vor allem wegen seiner gründlich recherchierten historischen Romane bekannt, in denen er sich mit Problemen der wilhelminischen Zeit auseinandersetzte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 328
    Erscheinungsdatum: 25.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739231778
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 725 kBytes
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Die von Wintzingerode

I. Kapitel

Der Martinstag des Jahres 1573 ging über der alten Bischofsstadt Mainz zur Rüste. Die Kälte hatte dieses Jahr früh eingesetzt; ein scharfer Ostwind kräuselte die breite Flut des Rheins und pfiff schneidend durch die Straßen und zerzauste die Kränze und peitschte die Fähnlein, die zu Ehren des heiligen Schutzpatrones der Stadt heute zu seinem Festtage an fast allen Häusern herausgehängt waren. Dazu wirbelte der Schnee in harten, feinen Flocken vom Himmel hernieder und rieselte in dichten Schwaden von den hochgiebligen Dächern herab.

Trotzdem waren alle Straßen voll fröhlich geputzter Menschen. Was fochten das frische rheinische Blut die Kälte und der Schnee an! Die war man gewöhnt um diese Jahreszeit, die sollten den guten Mainzern ihren hohen Festtag nicht verderben! Sie hatten früh andächtig in ihren Kirchen gekniet und manchen Rosenkranz gebetet und sich erbaut an dem, was ihnen ihre Priester erzählten von den Taten des ritterlichen Heiligen, der ihre liebe Stadt im Himmel mit seiner Fürbitte vertrat. Nun aber, am Abend, war der Frömmigkeit Genüge getan, nun wollten sie leben! Die ganze Stadt duftete nach dem Braten des Martinsvogels, der Gans, die das ärmere Volk mit kleinen Äpfeln, die Vornehmen aber mit wälschen Kastanien stopften, und Arm und Reich aß in den Häusern und auf den Straßen ein süßes Kringelgebäck, das ebenfalls alter Sage zufolge dem Heiligen lieb war. Mit diesem Gebäck beschenkte man sich heute, suchte sich wohl auch im Straßengedränge die Brezeln zu entreißen, ja auf dem Liebfrauenplatze hinter dem Dome fütterte man zwei Affen damit, die ein brauner Fremdling dort für Geld sehen ließ. Eine große Menschenmasse hatte sich davor aufgestaut, Mädchen in schreiend bunten Röcken und lustige Gesellen aus der Stadt, Landsknechte und dazwischen einige ehrbare Ratsherren in pelzverbrämten Festmänteln. Alle lachten vergnügt über die tollen Grimassen der menschenähnlichen Tiere, die sich so gierig gebärdeten.

Die Szene beobachtete ein älterer Mann, der an dem halb geöffneten Fenster eines stattlichen Hauses stand. Er trug die einfache Tracht der spanischen Weltgeistlichen, kein Abzeichen, keinen Schmuck, und doch sandte jeder, der ihn dort bemerkte, einen achtungsvollen Gruß hinauf. Denn jedes Kind in Mainz kannte diesen hageren Mann mit dem blassen, scharfgeschnittenen Gesicht und dem fast haarlosen Haupte, das er stets ein wenig nach vorn geneigt trug. Es war der Beichtvater des Kurfürsten, Pater Ludwig Bacharell, Mitglied der Gesellschaft Jesu.

Der Pater blickte gleichgültig, fast gelangweilt in das bunte Gewühl hinab. "Wo nur Stralendorf bleibt?" murmelte er vor sich hin. "Es geht stark auf vier Uhr."

Plötzlich aber kam Leben in sein Antlitz. Gespannten Blickes schaute er über die Volksmenge hinweg nach der Richtung hin, wo vom Markte her eine Straße auf den Platz einmündete. Immer finsterer wurde der Ausdruck seiner Mienen, und mit einer jähen Bewegung wandte er sich plötzlich vom Fenster weg.

"Da tretet her, Gropper", sagte er mit harter Stimme, "tretet her und überzeugt Euch von dem, was ich Euch gesagt habe. Da kommt der Nachfolger des heiligen Bonifatius geritten, der erste Prälat des Reiches, ein Erzbischof der heiligen Kirche, mit Jägern und Falken und Hunden! Sagt das dem Heiligen Vater, wenn Ihr demnächst nach Rom kommt, damit er sich nicht wundert, dass wir nichts erreichen, und nicht uns der Lässigkeit beschuldigt."

Der Angeredete trat langsam näher - eine große, grobe, starkknochige Gestalt in demselben Gewande wie jener, das Gesicht einer Bulldogge nicht unähnlich. Gespannt und ohne ein Wort zu sprechen, betrachtete er den glänzenden Jagdzug, der sich nahte, voran die Knechte mit der kläffenden Meute, dann der Kurfürst- Erzbischof auf feurigem Rappen in grünem Jagdkleide wie alle seine Begleiter, Ritter und Damen. Nur die wallenden weißen Federn auf seinem Hut und der breite Hermelinbesatz seines Mant

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