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Die Wette Roman von Woodman, Richard (eBook)

  • Verlag: Unionsverlag
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Die Wette

Für die Kapitäne der schnellen Teeklipper zählt nur eines: als Erste mit der neuen Ernte in London anzukommen. Die tollkühnsten unter ihnen schließen darauf sogar Wetten ab - wie Kapitän Kemball von der Erl King und Kapitän Richards von der Seawitch, 1869 unterwegs von Shanghai nach London. Wer wird zuerst in London sein und die wertvolle Ladung auf den Markt bringen? Gewinnt Richards, bekommt er Kemballs schöne Tochter Hannah. Die beiden Klipper stürmen durch die Ozeane, aber ihre Kapitäne haben die Rechnung ohne die willensstarke Hannah gemacht. Als ihr Vater bei einem Piratenüberfall ums Leben kommt, nimmt sie ihr Schicksal selbst in die Hand und stellt sich dem wilden Richards in einem atemberaubenden Zweikampf. Richard Woodman, geboren 1944 in London, fuhr bereits mit sechzehn Jahren zur See und machte dort Karriere bis zum Rang des Kapitäns. 1997 ging er vorzeitig in den Ruhestand, um sich ganz dem Schreiben zu widmen, vorwiegend über marinehistorische Themen. Außerdem arbeitet er als Korrespondent für die Zeitung Lloyd's List und unternimmt regelmäßig Schiffsreisen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293308657
    Verlag: Unionsverlag
    Originaltitel: Wager
    Größe: 3636 kBytes
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Die Wette

1

H annah Kemball stand gegen die Heckreling des Teeklippers Erl King (Erlkönig) gelehnt und schaute über das lehmige Wasser des Huangpu zur Häuserfront von Schanghai. In einer unbewussten Liebkosung strichen ihre Finger über das unbehandelte Teakholz. Ihre Bewegung schien die Prozedur nachzuvollziehen, welche die Kadetten dem Schiff täglich angedeihen ließen, indem sie es unter dem wachsamen Blick des Ersten Offiziers mit einem Segeltuchlappen und einer Mischung aus Sand und Seewasser schrubbten.

Der Fluss in seiner ganzen Vielfalt, die ständig wechselnden Bilder, die er dem Auge bot, hatten etwas Ewiges und faszinierten sie stets aufs Neue. Mächtige Dschunken mit ihren eigentümlichen Fledermaussegeln zogen gemächlich stromaufwärts, in ihrer geduldigen Unermüdlichkeit gleichsam eine Verkörperung Chinas, das in seiner Weite zu unendlich war, als dass sie es je hätte verstehen können. Zwischen den majestätisch dahingleitenden Dschunken hüpften, getrieben von Segeln oder Wriggriemen, kleinere Sampans über die kurzen Wellen. Viele wurden von Frauen gesteuert, schwarz gekleideten, birnenförmigen Gestalten, die, ihre Babys auf den Rücken gebunden, die Schiffe durch pausenloses Wriggen in der unerbittlichen Strömung auf Kurs hielten. Einige der Sampans, die sich direkt unter Erl Kings überhängendem Heck eingefunden hatten, rührten sich nicht von der Stelle. Erwartungsvoll schauten die Frauen, mit einem Arm den langen yuloh bedienend und den anderen mit der universellen Geste der Bettler emporgestreckt, zu ihr auf. Küchenabfälle, Münzen oder Holzreste - fast alles konnten diese genügsamen und emsigen Menschen mit ihrer geradezu genialen Improvisationsgabe gebrauchen. Hannah schüttelte den Kopf; sie hatte einer der Frauen schon ein paar Pence zugeworfen und war durch diese mitleidige Geste sofort mit weiterer Not konfrontiert worden, einer endlosen Prozession flacher, breiter Gesichter, die versucht hatten, ihr Mitleid zu erregen.

Aber seit Mr Enright, der Erste Offizier, den Kadetten verboten hatte, weiterhin Holzabfälle in den Fluss zu werfen, befand sich ohnehin nichts mehr an Deck der Erl King . Wieder schüttelte Hannah den Kopf, verärgert über die Hartnäckigkeit besonders einer Frau.

"Nein", rief sie, "nichts - gar nichts", und fügte, das Pidgin der Crew nachahmend, hinzu: "Nichts da sein." Doch die Frau schaute, sich breitbeinig auf die Planken ihrer Nussschale stemmend, unverwandt zu ihr empor; der hochgeschlossene samfoo-Pyjama, schwarz und unförmig, umflatterte lose ihren sich im Rhythmus des auf und ab tanzenden Sampans wiegenden Körper. Unablässig bewegte ihr brauner Arm den langen yuloh, um das Boot gegen die starke Strömung auf der Stelle zu halten, während ihre Linke, den Handteller nach oben gedreht, ausgestreckt blieb. Hinter dem gelblichen Gesicht mit dem straff zurückgekämmten schwarzen Haar bemerkte Hannah den ruckenden Kopf eines Babys.

"Bitte, Missie ... für Baby!"

Hannah schaute sich um, denn sie empfand plötzlich Mitleid mit der armen Frau unter sich. Mr Munro, der Zweite Offizier, stand hinter dem Kreuzmast auf der anderen Seite des Achterschiffs, und an seinem Rücken erkannte sie, dass er beschäftigt war. Ein paar Männer drückten sich in Erwartung des Abendessens mit ihrem Essgeschirr in der Nähe der Kombüsentür herum. Sie war also unbeobachtet. Ihr Blick blieb an der weißen Hanfleine hängen, die sauber aufgeschossen in ihrem lackierten Kasten neben dem Ruder lag.

Hannah glitt näher heran und zögerte einen Moment, denn ihr war bewusst, dass sie im Begriff war, leichtfertig zu handeln. Die Logleine war schließlich ein wichtiger Teil der Ausrüstung eines Klippers. Aber sie schob den Gedanken beiseite. In der Kajüte ihres Vaters befand sich ein Ersatzlog mit Leine, und die Chinesin tat ihr leid. Schnell bückte sie sich und winkte der Frau mit dem am Ende der Le

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