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Die Zeit der Kraniche Roman von Renk, Ulrike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.07.2018
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 13.07.2018 per Download lieferbar

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Die Zeit der Kraniche

Die Fortsetzung und der Abschluss der großen Ostpreußen Saga von Bestsellerautorin Ulrike Renk. Nach Ende des Krieges besetzen die Sowjetischen Truppen das Land. Viele Gutsfamilien verlassen ihre Heimat und ziehen in den Westen. Auch Gebhards Brüder und seine Mutter. Er jedoch kann sich einfach nicht dazu entschließen, das Land seiner Väter zu verlassen. Dann wird er denunziert und verhaftet. Frederike droht das gleiche Schicksal. In letzter Sekunde flieht sie mit ihren Kindern in den Westen. Doch auch dort kann sie nicht bleiben. Ihre einzige Chance ist es, nach Schweden zu emigrieren - aber wird ihr ein Neuanfang gelingen? Und was ist mit Gebhard?

Ulrike Renk, Jahrgang 1967, studierte Literatur und Medienwissenschaften und lebt mit ihrer Familie in Krefeld. Im Aufbau Taschenbuch liegen ihre Romane "Die Seidenmagd", "Die Heilerin", "Die Frau des Seidenwebers" und "Das Lied der Störche", die Australien-Saga "Die Australierin", "Die australischen Schwestern" und "Das Versprechen der australischen Schwestern" sowie die Ostreußen-Saga "Das Lied der Störche" und "Die Jahres der Schwalben" vor. Außerdem erschienen ihre Eifel-Thriller "Echo des Todes" und "Lohn des Todes". Mehr Informationen zur Autorin unter www.ulrikerenk.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 500
    Erscheinungsdatum: 13.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841214492
    Verlag: Aufbau-Verlag
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Die Zeit der Kraniche

Kapitel 1

Mansfeld, Oktober 1944

Frederike hielt die Andacht am frühen Morgen, obwohl sich ihr Magen schmerzhaft zusammenkrampfte. Nachdem sie das Vaterunser gesprochen hatte, schaute sie in die Runde. Die Leute, wie die Bediensteten des Guts genannt wurden, sahen genauso angespannt aus wie sie.

"Wat soll nun werden?", fragte Lore, die Köchin, leise, nachdem die meisten Angestellten und die drei BDM-Mädchen das Zimmer verlassen hatten.

"Wir müssen zusammenhalten", sagte Ursa Berndt, Gebhards Sekretärin. "Sie werden sicherlich bald zurückkommen."

"Das hoffe ich", murmelte Frederike. "Das hoffe ich sehr." Dann straffte sie die Schultern. "Es hilft ja nichts - die Arbeit muss getan werden. Lassen Sie uns jetzt einfach so weitermachen wie immer und die Mahlzeiten besprechen", sagte sie zu Lore. "Vorher muss ich noch schnell mit Pirow reden. Und auch mit Dannemann."

Eigentlich hätte Gebhard, Frederikes Mann, die Andacht halten sollen, so wie er es jeden Morgen tat. Doch gestern waren er und seine Mutter von der Gestapo abgeholt und nach Potsdam gebracht worden. Jemand musste sie denunziert haben, ihnen wurden staatsfeindliche Einstellung und das Verbreiten von Fremdnachrichten vorgeworfen. Als Erstes war Heide zu Mansfeld auf Gut Leskow verhaftet worden, jemand hatte Gebhard angerufen und ihn vorgewarnt. In aller Eile hatte Frederike das zweite Radio, mit dem sie die Nachrichten der BBC gehört hatten, aus dem Kartoffelkeller geholt und es Lore gegeben, damit sie es versteckte.

Es gab keine Beweise für Gebhards und Heides staatsfeindliches Verhalten, aber Beweise waren in der jetzigen Zeit auch nicht mehr nötig. Das Wort eines Nationalsozialisten reichte.

"Es war sicherlich dieser Hittlopp", flüsterte Fräulein Berndt Frederike zu, während sie in den kleinen Salon gingen. Dorthin hatte Ilse, das Hausmädchen, schon das Tablett mit dem Kaffee gebracht. In einer halben Stunde würde es das erste Frühstück geben, aber Frederike trank für gewöhnlich zusammen mit Ursa und Gebhard schon eine erste Tasse nach der Andacht, bevor sie dann alle ihrem Tagesgeschäft nachgingen. Natürlich gab es kaum noch echten Kaffee, aber Lore war sehr erfinderisch, wenn es um Rezepte für Ersatzkaffee ging. Sie röstete Wurzeln, Kastanien, Bucheckern, sogar Kartoffelschalen. Dann wurde alles gemahlen und mit Wasser aufgebrüht. Man musste diesen Kaffee sehr heiß und mit etwas Zucker trinken, sonst war er zu bitter.

Frederike nahm sich eine Tasse, blickte auf den nun leeren Sessel, auf dem sonst ihr Mann Platz nahm, und ging zum Fenster. Man konnte das erste Morgenlicht nur erahnen, noch lagen Ruhe und der herbstliche Morgennebel über dem Park. Die Nebelschwaden tanzten auf der Stepenitz, dem kleinen Flüsschen, das sich am Burghof vorbei und durch die Stadt schlängelte. Erst in einer Stunde würde die Sonne aufgehen und ihr goldenes Licht auf die rotgefärbten Blätter der Bäume gießen. Es würde ein warmer, angenehmer Herbsttag werden, dennoch fröstelte Frederike. Nicht zum ersten Mal war ihr Mann, Gebhard zu Mansfeld, verhaftet worden. Er hatte sich nie verbiegen lassen, hatte sich lange gegen eine Mitgliedschaft in der NSDAP gewehrt. Schließlich aber war er gezwungen worden, in die Partei einzutreten, sonst hätten ihm Brot und Wasser in einem Gefängnis gedroht, vielleicht sogar Schlimmeres. Gebhard war Gutsbesitzer durch und durch. Er führte sein eigenes Landgut, half seit dem Tod des Vaters seiner Mutter bei der Bewirtschaftung ihres Gutes und hatte darüber hinaus noch den Vorhof seines Bruders Caspar gepachtet. Caspar war Diplomat gewesen - allerdings war auch er ein Gegner des Führers und hatte bei der Septemberverschwörung mitgewirkt. Als er verraten wurde, konnte er im letzten Moment fliehen und lebte seitdem in Amerika. Sie hatten nur wenig Kontakt, und dies auch nur über sehr verschlungene Pfade.

"Der Baron wird wiederkommen", sagte Fräulein Bernd

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