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Dieses altmodische Gefühl von Pellandini, Bruno (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.08.2016
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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Dieses altmodische Gefühl

Dieses altmodische Gefühl Eine ganz und gar ungewöhnliche Liebesgeschichte, deren halsbrecherischer Charme Sie begeistern wird! Ein Mann und eine Frau. Sie: Pernilla Brigido, einst gefeierte Theaterschauspielerin, nun mit knapp siebzig eine bezaubernd elegante, lebenslustige Dame der Wiener Gesellschaft. Er: Ildefons Krehmayr, genannt Illo, zwanzig Jahre jünger, gutsituierter Baumeister und geschiedener Vater einer pubertierenden Tochter, bislang gemäßigt in seinen Leidenschaften und Ambitionen. Ein Zufall führt sie zusammen, und es beginnt eine hinreißend unmögliche Liebesgeschichte, durch die Pernilla und Illo sich mit der Grazie geübter Tänzer bewegen, bis einer einen falschen Schritt tut und eine Grenze übertreten wird. Doch als der Vorhang sich wieder hebt, sind die beiden Liebenden gegen jede Vernunft schon zu einer sommerlichen Überlandfahrt aufgebrochen... Bruno Pellandini 1966 in St. Gallen geboren, studierte Geschichte und Filmwissenschaft an der Universität Zürich und publiziert Prosa und Theaterstücke, teilweise in Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern. Sein erster Roman 'Malinovskij. Ein Rausch' erschien 2006, es folgten u. a. die Erzählung 'Krawanker' (2010) und die Stücke 'Koffer packen', 'Alles für Wenzel' und 'Bentley fahren' (2012). Bruno Pellandini lebt seit 1995 in Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 30.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701745357
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 771 kBytes
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Dieses altmodische Gefühl

I.
Im Wendekreis der Zuckerbäcker

1

Das Blendwerk des Sommers war erloschen. Die Luft roch nach feuchtem Laub, und am Himmel hing eine Sonne, die zu straucheln schien. Es sah nicht aus, als hätte sie noch die Kraft, die Nebelschleier zu vertreiben, die wie verschreckte Nachtgespenster in den Weinbergen hockten. Ich mochte den Herbst. Der Herbst ist eine gütige Jahreszeit, er schenkt uns die Ernte, für sich selbst will er nichts.

Der Taxifahrer klagte über den Verkehr. Es sollte wohl eine Entschuldigung sein, weil er mich so lange hatte warten lassen. Den Hügel hinab ging es flott dahin, auf der Donaulände zeigte sich aber, dass er nicht gelogen hatte, mit einem Mal waren alle Spuren dicht, und wir steckten im Stau. Ich hatte keine Eile, ich wollte im Stolpitzky frühstücken, dann kurz ins Büro, bevor ich das Auto aus der Werkstatt holte, mehr hatte ich nicht vor. Nun sagte ich mir, ich wäre vielleicht besser zu Hause geblieben. An einem Tag wie diesem sollte man Obst aus taunassen Wiesen klauben, Brennholz stapeln oder sonst eine dieser altmodischen Tätigkeiten verrichten, die man sich als beglückend vorstellt. Da es weiterhin nur im Schritttempo vorwärtsging, stieg ich bei der Friedensbrücke aus. Ich benutzte die U-Bahn selten, weil sie kaum je dorthin fuhr, wo ich hinmusste und mir das Umsteigen zu umständlich war. Von hier zum Schwedenplatz waren es aber nur zwei Stationen mit derselben Linie. Als der Zug einfuhr, wirkten die Waggons hoffnungslos überfüllt. Auf wunderbare Weise fand ich trotzdem einen freien Sitzplatz. Im Hinsetzen spürte ich den Blick einer Frau, sie saß einige Plätze entfernt, eine aparte Dame unbestimmten Alters, vielleicht sechzig, vielleicht siebzig, eine Bekannte, dachte ich und nickte ihr zu, während ich gleichzeitig überlegte, wer sie sei. Aber sie blickte mich gar nicht an, sie hatte nur eben in meine Richtung gesehen und lächelte gedankenverloren vor sich hin. Ihr Ausdruck faszinierte mich. Sie schien an etwas zu denken, das ihr teuer war, vielleicht an jemanden, den sie liebte oder einmal geliebt hatte. Das Glück, das sie dabei empfand, lag strahlend auf ihrem Gesicht, was ihr eine große Schönheit verlieh. Ich bemühte mich, die Frau nicht geradewegs anzustarren, doch ihr Gesichtsausdruck nahm mich so gefangen, dass es mir schwerfiel, den Blick von ihr zu lösen. Dabei hatte sie sonst nichts Auffallendes an sich, zumindest nichts, was im gewöhnlichen Sinn nach Aufmerksamkeit geheischt hätte. Ihre Kleidung war schlicht, das Haar natürlich, und ihre Haltung war von einer solchen Zurückgenommenheit, dass es beinahe aussah, als wollte sie sich unsichtbar machen; was die Eleganz ihrer Erscheinung aber nur umso stärker zur Geltung brachte.

Inzwischen war der Zug in die Station eingefahren, ich bemerkte es beinahe zu spät und schaffte es gerade noch durch die Türen. Ich ließ mich von der Rolltreppe nach oben tragen, und ins Freie tretend, sah ich, dass ich eine Station zu früh ausgestiegen war. Von hier war es nun näher ins Büro als ins Kaffeehaus. Dann würde ich eben später frühstücken.

Die Bürotür war verschlossen, ich dachte zuerst an ein Versehen, aber es war tatsächlich niemand da. Freitags arbeiteten die Zeichner nicht, Frau Poschenreiter hätte jedoch hier sein müssen. Besorgt wählte ich ihre Nummer. Ohne Zweifel war ihr etwas zugestoßen, in all den Jahren hatte sie nicht einen einzigen Tag gefehlt. Sie liege mit einem Schnupfen im Bett und werde am Montag, spätestens am Dienstag wiederkommen, sagte sie. Ich fand es ungeheuerlich, dass sie mich wegen einer solchen Kleinigkeit hängen ließ, noch dazu, ohne mir Bescheid zu geben.

Ihre Abwesenheit löste augenblicklich ein Gefühl des Stillstands in mir aus. Ich fand es gespenstisch, in dem verwaisten Büro zu sitzen, das nun wie eine Kulisse anmutete, in der wir den Schein einer Firma aufrechtgehalten hatten, die es in Wahrheit gar nicht gab.

Dass Gonzo dann meinen Anruf unbeant

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