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Dinge, die vom Himmel fallen von Ahava, Selja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.02.2017
  • Verlag: mareverlag
eBook (ePUB)
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Dinge, die vom Himmel fallen

Sachen gibt es, die gibt es gar nicht. Einen Eisbrocken etwa, der mitten im Sommer vom Himmel stürzt und der achtjährigen Saara auf tragische Weise die Mutter nimmt. Wenig später widerfährt auch Saaras Tante Unwahrscheinliches, als sie zum zweiten Mal im Lotto gewinnt - und vor Schreck in einen dreiwöchigen Dornröschenschlaf fällt. Und dann ist da noch der Fischer aus Schottland, der wiederholt vom Blitz getroffen wird - und sein Schicksal dennoch immer wieder aufs Neue herausfordert. Was passiert, wenn von einem Moment auf den anderen nichts mehr ist, wie es war? Wenn ein kleiner Zufall die ganze Welt ins Wanken bringt? In ihrem prämierten neuen Roman erzählt Selja Ahava eine Geschichte von den unberechenbaren Launen des Schicksals, schmerzhaft und ehrlich, tröstlich und märchenhaft leicht.

Selja Ahava, 1974 geboren, studierte Dramaturgie an der Theaterhochschule Helsinki. Ihr erster Roman, 'Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm', erschien 2014 bei mare. Für 'Dinge, die vom Himmel fallen' war sie für den Finlandia Prize nominiert und erhielt 2016 den Literaturpreis der Europäischen Union. Sie lebt mit ihrer Familie in Porvoo.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 21.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783866483316
    Verlag: mareverlag
    Originaltitel: Taivaalta tippuvat asiat
    Größe: 1704 kBytes
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Dinge, die vom Himmel fallen

Das Mädchen, das in der Wand begraben wurde

1 "Was denkst du da hinten auf dem Rücksitz?", fragt mich mein Vater und schaut in den Spiegel.

Ich begegne seinem Blick und antworte: "Nichts."

Wir kommen an die Teboil-Tankstelle und biegen rechts ab. Das ist die Kreuzung, an der man rechts abbiegt, wenn man nach Förstorgård will, und links, wenn man zum Sägemehlhaus fährt. Neuerdings biegen wir meistens rechts ab.

Die Erwachsenen wollen immer wissen, was die Kinder denken. Aber ich glaube, sie würden sich Sorgen machen, wenn die Kinder es ihnen verraten würden. Wenn man zum Beispiel drei Jahre alt ist und ein starker Wind weht, sollte man nicht auf den Horizont starren und sagen: "Ich frage mich gerade, wie der Wind entsteht." Man sollte lieber erklären, dass man Hubschrauber spielt. Und wenn man fünf ist, sollte man sich nicht zu sehr nach dem Tod und nach Fossilien erkundigen, denn die Erwachsenen wollen nicht über den Tod nachdenken und auch nicht über das Altern von Märchenfiguren oder darüber, wie Jesus am Kreuz starb. Als ich klein war, glaubte ich, die Oma meiner Mutter sei ein Fossil geworden, weil sie vor so langer Zeit gestorben war. Aber heute weiß ich, dass ein Fossil ein Farn, eine Schnecke oder ein Dinosaurier sein kann, aber keine Oma und kein Mensch.

Die Erwachsenen glauben also, dass das Kind auf dem Rücksitz die entgegenkommenden Laster oder die Buchstaben auf den Straßenschildern zählt oder dass es spielt, seine Finger seien Prinzessinnen, aber in Wirklichkeit kann es sein, dass das Kind zum Beispiel über die Umrisse eines Erwachsenen oder über die Zeit nachdenkt.

Ich denke viel über die Zeit nach. Ich habe graue Zellen im Gehirn, wie Hercule Poirot. Mit denen denke ich darüber nach, wie die Zeit vergeht und Wunden heilt. Die Erwachsenen sagen, die Zeit heilt alle Wunden, und damit ist gemeint, dass die Zeit vergeht und sich deswegen alles, was passiert, in Gedanken verwandelt und man sich immer schlechter daran erinnern kann. Wenn man sich dann nur noch ganz schlecht erinnert, ist die Wunde verheilt.

Aber ich will mich nicht schlecht an meine Mutter erinnern können. Ich will mich richtig an sie erinnern, ohne Flugzeug, ohne Eissplitter, ohne Loch in der Veranda. So wie sie normalerweise war.

MAMA NORMALERWEISE. Mama läuft in Fellpantoffeln und Papas großem Pullover herum. Sie baut mir ein Nest in einer Ecke der Couch. Sie packt mich in eine Decke und geht erst dann in den Schuppen, Holz holen. Mama zieht mir vor dem Ofen die Kleider an. Zuerst öffnet sie die Ofenklappen, wärmt die Kleider dicht an den Flammen und schüttelt die Kälte aus ihnen heraus. Dann zieht sie mich aus und wieder an, so schnell es geht. Mama schiebt Schnee mit einer blauen Mütze auf dem Kopf und taut ihre Hände an einer Teetasse auf .

So ist Mama normalerweise .

Mein Vater sagt, es ist Scheißdreck, dass die Zeit alle Wunden heilt. Seiner Meinung nach sagen das nur Leute, die von nichts eine Ahnung haben und noch nie etwas Schlimmes aushalten mussten. Und meine grauen Zellen denken, dass mein Vater vielleicht recht hat, denn bis jetzt ist jedenfalls noch nichts geheilt worden, obwohl die Sommerferien schon angefangen haben.

Also sitze ich auf der Rückbank und sage "Nichts" und denke an die heilende Kraft der Zeit und beschließe, mich sicherheitshalber jeden Tag an meine Mutter zu erinnern, bevor die Zeit zu viel heilt.

Die Wischer fegen über die Scheibe, und wegen unserer feuchten Kleider bildet sich Nebel auf dem Glas. Mein Vater fährt mit vollem Tempo in eine Pfütze, es gefällt ihm, wenn das Wasser hochspritzt.

Es regnet.

Neuerdings regnet es jeden Tag. In der Schule sagt die Lehrerin, he, wir sind doch nicht aus Zu

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