text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Dr. Florian Winter #20: Ängste der Nacht von Stirling, Glenn (eBook)

  • Verlag: Uksak E-Books
eBook (ePUB)
2,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Dr. Florian Winter #20: Ängste der Nacht

Als Schwester Else, die organisatorisch in der Paul-Ehrlich-Klinik alles im Griff hat, durch eine Herzkrankheit ausfällt, empfiehlt sie als Nachfolgerin eine gute Kraft. Schwester Ellen ist gern bereit, in diese großen Fußstapfen zu treten, doch schon bald kommt es zu Unregelmäßigkeiten. Schwester Ellen ist sich keiner Schuld bewusst. Aber es fehlt Morphium, und damit öffnet sich ein Teufelskreis, der die Krankenschwester in arge Bedrängnis bringt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 160
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783738932881
    Verlag: Uksak E-Books
    Größe: 410 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Dr. Florian Winter #20: Ängste der Nacht

1

Mit einem Seufzer sank die erschöpfte alte Schwester auf den Stuhl. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn, und sie wischte sich eine Strähne ihres ergrauten Haares beiseite. Ihr Atem ging schwer; sie spürte, wie ihre Hände zitterten. Damit es niemand sehen sollte, faltete sie die Hände wie zum Gebet.

Schwester Ingrid, die in der Tür des Stationszimmers stehengeblieben war, sah es dennoch. Die brünette Fünfundzwanzigjährige schaute auf Schwester Else voller Entsetzen. Die alte Stationsschwester, jetzt ein ganzes Stück über die Sechzig, sah krank aus. Ihr Gesicht war käsig, ihre Augen gerötet, die Lippen bleich und wie ein Strich.

Ohne lange Fragen zu stellen, ging Schwester Ingrid zum Schrank, nahm ein Glas heraus, füllte es mit Wasser und sagte: "Hier, Schwester Else, trinken Sie."

"Warum denn?", fragte Schwester Else, und es sollte streng und forsch klingen. Aber ihre Stimme vibrierte, so wie ihre Hände zitterten.

Schwester Ingrid, die Jüngere, ließ sich vom Ton der Älteren nicht bang machen. Ihr kam es so vor, als wollte Schwester Else ihrem Spitznamen gerecht werden, den man ihr schon vor vielen Jahrzehnten gegeben hatte: der Dragoner. Aber jetzt konnte sie Schwester Ingrid nicht damit imponieren. Die war einfach schon zu lange auf dieser Station, um Schwester Else nicht genau zu kennen. Die raue, widerborstige Art der Schwester war nichts als Hülle, eine harte Schale um einen sehr weichen Kern. In der Brust der alten Schwester schlug ein sehr mitfühlendes, verständnisvolles Herz.

Aber um dieses Herz schien es im Augenblick sehr schlecht zu stehen.

"Nehmen Sie doch, kommen Sie - Schwester Else, trinken Sie einen Schluck."

Schwester Else gehorchte widerstrebend. Aber der Schluck Wasser tat ihr gut.

"Trinken Sie das Glas leer. Ich muss noch einmal ganz schnell auf 311", erklärte Schwester Ingrid und lief los.

Aber sie lief nicht nach 311, sie lief nach nebenan ins Arztzimmer, und dort saß der Diensttuende. Das war heute Dr. Siegfried Erlen.

Schwester Ingrid war froh, dass es Dr. Erlen war, auf den sie stieß, und nicht etwa Dr. Steiner. Dieser Dr. Erlen war ein ruhiger, bescheiden wirkender Mensch, der auf dem zweiten Bildungsweg Arzt geworden war, und deshalb als Assistent eigentlich schon älter war als die meisten seiner Kollegen. Der Mittdreißiger wirkte immer ein wenig verlegen, auch jetzt, als er überrascht auf Schwester Ingrid schaute, sich in einer Reflexbewegung seine Goldrandbrille hochschob und aus großen Augen auf Schwester Ingrid blickte.

"Herr Doktor, Schwester Else geht es nicht gut. Sie sieht aus, als stünde sie kurz vor einem Herzinfarkt. Könnten Sie sich nicht sofort um sie kümmern? Sie ist im Stationszimmer nebenan."

Dr. Erlen versäumte keine Sekunde. Wenn es um die Sache ging, da war er da. Er war nicht der strahlend geborene Siegertyp, der allein durch sein Erscheinen Souveränität ausstrahlte. Erlen musste sich alles erkämpfen. So, wie er sich auch das erkämpft hatte, was er jetzt war.

Als er dann vor Schwester Else stand, machte die ein überraschtes Gesicht.

"Was wollen Sie denn, Herr Doktor? Was ist denn?" Und wieder war dieses Tremolo in ihrer Stimme. Es kostete sie Kraft, so zu tun, als sei mit ihr alles in bester Ordnung. Dabei spürte sie, wie es ihr die Brust zusammenkrampfte. Das hatte sie schon einmal vor zwei Jahren gehabt, auch eine Herzgeschichte. Danach war sie schlanker geworden, musste abnehmen, und es ging wieder gut. Aber in letzter Zeit hatten sich die Pfunde wieder eingestellt.

"Schwester Else!", sagte Erlen ganz ruhig, und es war diese Ruhe, die Schwester Else überzeugte. Sie wusste ja auch, dass er im Grunde von den Assistenten auf der Station der Beste war. Vielleicht in seiner Ernsthaftigkeit überhaupt der zuverlässigste der jungen Ärzte, die hier ihre Facharztausbildung erhielten.

So ließ sie es geschehen, dass er ihren Puls fühlte, und dass er Schwes

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen