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Edda - oder der faule Apfel im Zwischenraum von Plate, Gabriele (eBook)

  • Verlag: epubli
eBook (ePUB)
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Edda - oder der faule Apfel im Zwischenraum

Personenbezogener Liebeswunsch, mit seinen irreführenden Sehnsüchten, poltert durch verschiedene Lebensbereiche und zwei Generationen, verflochten mit Edda, Tochter eines ehemaligen Offiziers der deutschen Wehrmacht. Die attraktive Edda jongliert sich durch ihre Weltfremdheit, gelenkt und beschwert von festen Vorstellungen und prägenden Erinnerungen aus der Kindheit. Ein zart erwachtes Streben nach geistiger Freiheit und innerer Gelassenheit, tritt dagegen an. Zu ihren amüsanten bis tragischen Bemühungen um Gleichgewicht, zählt der Einblick in die Welt des Yoga, sowie ihr Integrationsversuch in ein traditionell geprägtes, spanisches Dorfleben im Hinterland der Costa Blanca. Oft verschwimmt die Grenze zwischen Gut und Böse. Wille, Energie und Bewusstsein werden in ihrer Gegenwärtigkeit ebenso deutlich wie die Kraft der Impulse aus dem Unter-bewusstsein. Landschaftsarchitektin und Bildhauerin. Langjährige Aufenthalte in Peru, Indien, Brasilien. Die Autorin lebt in Spanien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783745097658
    Verlag: epubli
    Größe: 626 kBytes
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Edda - oder der faule Apfel im Zwischenraum

Vaters Einfälle

Eddas Vetter ein Psychiater, den sie viele Jahre später einmal darauf ansprach, erklärte ihr, dass dieser Vater die Verdrängungskunst perfekt beherrsche. Das müsse so sein, sonst könne er die Kriegslasten nicht tragen. Eine schwere Krankheit, die besonders bei den Überlebenden des Krieges seiner Generation sehr verbreitet ist. Auch eine jahrelange Therapie würde, nach so langer Zeit, in den wenigsten Fällen Erfolg haben. Der Kranke, so müsse man ihn wohl nennen, ist oft so schwer traumatisiert, dass er irgendwann, früher oder später, unter totalem Realitätsverlust leide, nicht zuletzt um sich zu schützen. Er hocke in seiner ausgepolsterten Höhle als der einzig Gute und sähe nur noch Feinde und schlechte Menschen, da er selber zu intensiv und lange, schlecht und Feind gewesen sei. Arroganz käme auch noch dazu, weil diese Überlebenden sich unbewusst für unsterblich hielten.

"Es wird leider noch eine Weile dauern bis sie aussterben. Ein wahres Übel der Menschheit, diese Alten, diese Kriegsveteranen."

Er sah Eddas entsetztes Gesicht und fügte hinzu, diesen Satz nicht als Arzt ausgesprochen zu haben, sondern als direkt Betroffener eines dieser Verrückten in seinem nahen Familienkreis.

Edda erfand ihre Sprache für das Wortlose schon sehr früh, viele Jahre bevor sie an den Waldrand gezogen waren. Sie war noch kein Schulkind gewesen, als ihr der Keuchhusten den Kleinkindspeck raubte. Sie war besorgniserregend dünn geworden und hustete oft noch so stark, dass sie sich erbrach, obwohl die akute Krankheit schon seit Monaten überstanden war. Schon beim ersten Hustenreiz kotzte sie los. Das nervte Vater ungeheuerlich, doch je mehr er befahl mit dem blödsinnigen Keuchen aufzuhören, umso öfter keuchte und kotzte Klein Edda ihm vor die Füße. Dem dringenden Rat des Arztes folgend, schickte man sie nach Bad Kreuznach in ein Kinder Erholungsheim. Edda war knappe Fünf und hatte das Gewicht einer gesunden Dreijährigen. Der Zug war beladen mit ängstlichen Kindern, welche alle ihr Namensschild um den Hals gebunden auf der Brust trugen. Zwei Schwestern vom Roten Kreuz begleiteten diese Fracht. Edda war noch nie von ihrer Familie getrennt gewesen. Sie war eine der Jüngsten im Heim, in dem großen Schlafsaal war sie aber das einzige Kind, dem ein Gitterbett zugewiesen wurde. Sie konnte natürlich hinausklettern, die Seitengitter waren hier nur zum Schutz gegen das Herausfallen gedacht.

Da sie den Esstisch nicht verlassen durfte, bevor ihr Teller Wirsing Eintopf leer gegessen war, wurde sie gleich am ersten Tag der Buhmann. Sie saß stundenlang vor diesem Teller, sprach mit den Fliegen, die vergnüglich an den glibberig weißen Speckwürfelchen saugten, die sie spielerisch um den Tellerrand drapiert hatte. Natürlich gab es zur Strafe keinen Nachtisch für sie, die Kalorienbomben für die Kinderschar. Eddas Gewicht fiel weiter.

Kinder hatten in diesem Haus an Gewicht zuzulegen., es war die oberste Pflicht der Schwestern darauf zu achten. Die Gewichtszunahme wurde jede Woche dokumentiert. Keine Gewichtsabnahme! Aus diesen Zahlen ergab sich die Notwendigkeit dieses Establishments, sie rechtfertigten die Subventionen.

Alle Kinder aßen freiwillig, nur Edda nicht. Man versuchte sie zu nudeln. Eigentlich aß sie gerne, aber niemals viel, außerdem gab es nur Speisen, die sie nicht mochte. Man hielt sie zu zweit fest, und eine dritte Person schaufelte ihr die kalten Speckbröckchen ihres Tellerrandes in den gewaltsam geöffneten Mund. Speck macht fett, hieß es.

Edda schluckte, hustete und kotzte. Nach einigen weiteren Versuchen, ihr die Nahrung gewaltsam einzuverleiben, entschied man, dass sie ungehorsam sei und sich, für den sonst so erfolgreich durchgeführten Nudelakt, nicht eigne. Ihre Tasse Milch wurde von nun an mit flüssiger Sahne angereichert. Man gab ihr nur noch dick belegte Käsebrote mit viel Butter zu essen und doppelte Portionen Schokoladenpudding. Sie aß. Allerdings

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