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Edward Roman aus dem Pleistozän von Lewis, Roy (eBook)

  • Verlag: Unionsverlag
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Edward

Was haben wir Edward nicht alles zu verdanken! Er hat das Feuer vom Berg geholt, den Flintstein perfektioniert, den Speer und Pfeilbogen erfunden und das Gesicht der Welt verändert. Mit seiner Sippe entsteht das Menschengeschlecht. Sie entdeckt das Handwerk, die Kochkunst, die Malerei, die Religion, die Liebe und den Swing und kämpft einen heroischen, komischen und noch durchaus unentschiedenen Kampf gegen die Tücken der Evolution. 'Das witzigste Buch der letzten 500'000 Jahre' sagte Terry Pratchett über diesen Roman. Fachleute haben ihn als fundierteste Einführung in die Anfänge der Menschheit gelobt. In England, Frankreich und den USA Ist er ein Longseller. Auch hierzulande kann nach der Lektüre nun niemand mehr behaupten, unsere Vorzeit sei grau gewesen.

Roy Lewis wurde nach eigener Aussage in 'prähistorischer Zeit', genauer 1913, in Birmingham geboren. Nach einem Studium in Oxford besuchte er die London School of Economics und arbeitete als Anthropologe und Journalist. Mehr als zwanzig Jahre war er als Auslandskorrespondent der Zeitungen The Economist und The Times tätig, u. a. in Afrika. Später lebte er in London, wo er den Kleinverlag Keepsake Press führte. Roy Lewis starb 1996.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293306721
    Verlag: Unionsverlag
    Originaltitel: What we did to father
    Größe: 2905 kBytes
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Edward

1

W enn ein scharfer Nordwind blies und sein eisiger Atem uns daran erinnerte, dass die große Gletscherkappe weiter vorrückte, stapelten wir unsere Holz- und Reisigvorräte vor der Höhle, zündeten ein prasselndes Feuer an und sagten uns, dass die Gletscher noch so weit gegen Süden wandern mochten - sogar bis nach Afrika -, uns konnten sie nichts anhaben, denn wir waren jetzt gewappnet!

Den Nachschub für ein großes Feuer sicherzustellen war allerdings ziemlich anstrengend. Obwohl sich ein zehn Zentimeter dicker Zedernast mit einer anständigen Quarzitklinge in zehn Minuten abschneiden lässt, waren es letztlich die Elefanten und die Mammuts, die uns warm hielten, denn sie hatten die zuvorkommende Angewohnheit, Bäume auszureißen, um die Stärke ihrer Stoßzähne und Rüssel zu testen. Beim Elephas antiquus war dieser Sport verbreiteter gewesen als bei seinem modernen Artgenossen, denn er war noch ganz darauf versessen, sich weiterzuentwickeln. Einem Tier in der Evolutionsphase liegt nichts mehr am Herzen als die Länge seiner Zähne. Die Mammuts aber, die sich als fast perfekt betrachteten, rissen nur noch Bäume aus, wenn sie wütend waren oder den Frauenzimmern imponieren wollten. Während der Brunft brauchten wir also bloß den Herden zu folgen und das Brennholz einzusammeln. In der übrigen Zeit konnte ein gut gezielter Stein hinter das Ohr eines weidenden Mammuts Wunder wirken: Wenn man Glück hatte, versorgte es einen mit Brennmaterial für einen ganzen Monat. Bei den großen Mastodonten funktionierte dieser Trick unfehlbar. Einen Baobab nach Hause zu schleppen allerdings, das ist ganz schön anstrengend. Er brennt zwar ausgezeichnet, hält einen aber auf hundert Fuß Distanz. Man soll nicht übertreiben. Wenn jedoch der Frost kam und die Gletscher des Kilimandscharo und Ruwenzori unter die Zehntausendfußgrenze rückten, waren wir froh über ein schönes Feuer, das tagelang brannte.

In den klaren Winternächten stoben die Funken bis zu den Sternen, das grüne Holz zischte, das trockene Holz prasselte, und unser Feuer leuchtete durchs ganze Rifttal wie eine Riesenfackel. Wenn die Temperatur in den Ebenen tief genug sank und der endlose nasskalte Regen unsere schmerzenden Gelenke knarren ließ, pflegte uns Onkel Wanja zu besuchen.

Schhhh-schhhh-schhhh - hörten wir ihn durch die Baumkronen hangeln, wenn der Urwaldverkehr einen Moment ruhte. Manchmal knackte Unheil verkündend ein überladener Ast, dann folgte ein unterdrückter Fluch, der zu einem wirklich tierischen Gebrüll anschwoll - was bedeutete, dass Onkel Wanja hinuntergeplumpst war.

Kurz darauf trat er mit seinem typischen schlenkernden Gang in den Feuerschein: eine massige Gestalt mit langen, fast am Boden schleifenden Armen, einem Quadratschädel zwischen den breiten, haarigen Schultern, blutunterlaufenen Augen und krampfhaft verzogenen Lippen, um ja seine bleckenden Eckzähne vorstehen zu lassen. Er wirkte wie jemand, der gezwungen lächelnd eine todlangweilige Party über sich ergehen lässt. Als ich ein kleiner Junge war, fürchtete ich mich vor ihm. Später entdeckte ich jedoch hinter seinem schrulligen Gehabe - unter dem in Wirklichkeit er am meisten litt - einen liebenswürdigen Kerl, der immer ein paar Wacholderbeeren oder eine Handvoll Feigen für einen Jungen übrig hatte, der sich - wie er naiv glaubte - von der natürlichen Wildheit seines Auftretens beeindrucken ließ.

Doch wie er redete! Argumentierte!

Er grüßte kaum, nickte Tante Mildred kurz zu, hielt schnell seine klammen, blaugefrorenen Hände über das Feuer, um dann gleich wie ein Nashorn mit gesenktem Kopf auf Vater zuzusteuern, seinen langen Zeigefinger anklagend auf die ganze Welt gerichtet, als wolle er uns allesamt aufspießen. Und legte los. Vater ließ den Schwall Anschuldigungen geduldig über sich ergehen. Wenn Onkel sich etwas beruhigt, vielleicht ein paar Aepiornithese

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