text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ehe der Herbst vergeht Senioren schaffen eine WG von Schulz-Vobach, Jo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: DR. GISELA LERMANN VERLAG
eBook (ePUB)
7,10 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ehe der Herbst vergeht

Senioren schaffen eine WG aus eigener Initiative und gestalten einen alten Bauernhof um zu ihrem gemeinsamen Zuhause Die Autorin lebt in Kärnten/Österreich

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 181
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783927223844
    Verlag: DR. GISELA LERMANN VERLAG
    Größe: 1154 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ehe der Herbst vergeht

Zweites Kapitel
Gemeinsamkeiten

Sie hat auf ihr Mittagsschläfchen verzichtet und sich hübsch gemacht für diesen ersten Besuch ihrer ältesten Tochter in ihrem neuen Zuhause. Sie war am Vormittag beim Friseur in Himmelau, hat nun etwas Make-up und Lippenstift aufgetragen, einen Hauch von ihrem Lieblingsparfüm hinter die Ohren getupft und eine dunkle Hose und den pastellfarbenen Pullover mit Ausschnitt angezogen, der neu ist und ihr besonders gut steht. Nun dreht und wendet Henriette sich vor dem Spiegel in ihrem Badezimmer, zupft hier ein bisschen, dort ein bisschen herum und findet sich nicht nur "ganz passabel", wie ihr verstorbener Mann sagte, wenn sie sich in einem neuen Kleidungsstück oder frisch frisiert zeigte, sondern "einfach schön, einfach hinreißend", wie ihr Wohnungsnachbar Harry Krüger das vor ein paar Minuten sagte, als er aus seiner Wohnung neben der ihren kam und sie, gerade auf dem Weg ins Bad, in ihrem Flur bemerkte.

Sie verdrängt den Gedanken an diese Begegnung; sie spürt schon wieder, wie ihre Wangen zu glühen beginnen, im Moment ist es besser, wenn sie auf andere Gedanken kommt und sich auf Anne konzentriert, die jede Minute eintreffen wird. Ihre Tochter hat nicht viel Zeit, sie ist oft bei ihrem an Leukämie erkrankten Mann im Krankenhaus, bei dem die erste Chemotherapie nicht angeschlagen hat, nun erträgt er die zweite Behandlung. Henriette ist vor einigen Tagen mit ihrem Polo in die Stadt gefahren, um noch einige Sachen für ihre neue Wohnung und im Supermarkt ein paar Kleinigkeiten zu besorgen, und hat dann noch etwas Zeit gehabt, um ihren Schwiegersohn im Krankenhaus zu besuchen. Zutiefst erschrocken war sie über den Verfall von Horst, gerade mal fünfundfünfzig, also noch mitten im Leben! Mein Gott!, hat Henriette gedacht; warum geht das Leben so mit uns um, warum dieser Mann, der noch so viel Zeit vor sich haben könnte, warum nicht jemand, der schon auf den Tod wartet!

"Ich freue mich auf dich", hat Henriette zu Anne gesagt. "Wir machen uns ein paar schöne Stunden, komm nicht zu spät, damit wir vor dem Kaffee noch ein bisschen spazieren gehen können, die Luft hier ist so herrlich, sie wird dir gut tun nach all dem Stress in deinem Leben." Und sie hat das wirklich so gemeint, obwohl es nicht immer leicht war und ist mit ihrer ältesten Tochter. Auch nicht mit den beiden jüngeren Töchtern, Paula und Hanna, die noch immer nicht zu verstehen und zu akzeptieren scheinen, dass, beziehungsweise warum ihre Mama zur "Aussteigerin" geworden und "in dieses Kaff Himmelau" und dann auch noch "in eine Alters-WG!" gezogen ist, statt in ein "ganz normales Heim" mit "ausgebildetem und vertrauenswürdigem Pflegepersonal" zu gehen. Oder doch zu einer ihrer Töchter, schließlich leben sie alle drei mit ihren Familien in eigenen Reihenhäusern, klein zwar und noch nicht schuldenfrei, aber man kann das Dach ausbauen oder den Keller. Und ein "kleiner finanzieller Zuschuss" wäre auch willkommen.

Doch dieses Thema will Henriette heute gar nicht erst aufkommen lassen zwischen Anne und sich. Sie wird von ihrem Alltag hier im "Sonnenhof" und ihren neuen Freunden und Freundinnen erzählen, von ihren ersten, noch etwas zaghaften Versuchen, aufeinander zuzugehen und miteinander zu reden. Oder am Abend, wenn die Luft kühl geworden ist und nichts Interessantes im Fernsehen läuft, mit dem einen oder anderen am Kamin in dem schönen Gemeinschaftsraum drüben im ehemaligen Stall zu sitzen und Pläne für die kommenden langen Winterabende zu schmieden. Vielleicht jede Woche einen Bridge-Nachmittag, haben sie und die beiden Schwestern neulich überlegt; oder Rommé, vielleicht auch Canasta spielen, das kann doch jeder, wie Marie Sommer meinte.

Verschweigen wird Henriette ihrer Tochter gegenüber, dass es in dieser Wohnanlage jemanden gibt, der viel dazu beiträgt, dass sie sich nicht nur wohl und - nach dem Drama um ihren Kellertreppensturz damals und den damit verbundenen, wirklich sehr unange

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen