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Ein gesegnetes Kind Roman von Ullmann, Linn (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.06.2017
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Ein gesegnetes Kind

Drei Frauen machen sich auf den Weg zu der kleinen schwedischen Insel Hammersö, wo sie als Kinder jedes Jahr unvergessliche Sommerferien verbrachten. Erika, Laura und Molly sind Schwestern, die unterschiedliche Mütter, aber denselben Vater haben: den berühmten, temperamentvollen, manchmal zärtlichen, manchmal aber auch unerträglichen Arzt Isak Lövenstad. Inzwischen ist Isak alt und einsam und hat sich in seine Ferienwohnung zurückgezogen. Und während seine drei Töchter nach fünfundzwanzig Jahren zum ersten Mal wieder nach Hammersö unterwegs sind, kehren die Erinnerungen an die Abenteuer und die Erlebnisse ihrer Kindheit mit Macht zurück, vor allem an den letzten, tragischen Sommer, nach dem alles anders war ... LINN ULLMANN ist eine der bedeutendsten Autorinnen Skandinaviens. Ihre Romane sind vielfach preisgekrönt und in 30 Sprachen übersetzt, 2017 erhielt sie von der Schwedischen Akademie den Doubloug -Preis für ihr Gesamtwerk. Bei Luchterhand erschien zuletzt 'Das Verschwiegene' - unter dem Titel 'The Cold Song' u.a. auf der Jahresbestenliste der New York Times und eines der Lieblingsbücher von James Wood (New Yorker). Für 'Die Unruhigen' erhielt sie den Hörerpreis des Norwegischen Rundfunks, der Roman war für den Kritikerpreis und den Nordischen Literaturpreis nominiert. Eine Bühnenfassung davon hatte im Herbst 2018 am Königlichen Dramatischen Theater Stockholm unter der Regie von Pernilla August ihre Uraufführung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 13.06.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641200541
    Verlag: btb
    Originaltitel: Et velsignet barn
    Größe: 1240 kBytes
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Ein gesegnetes Kind

E rika und Laura trugen Shorts, aus denen sie eigentlich herausgewachsen waren, und verwaschene hellrote T-Shirts. Beide hatten lange blonde Haare, lange braune Barbiepuppenbeine und kleine Mädchenpos, die in eine Hand passten und sich hin und her wiegten, wenn sie mit einem Wassereis in der Hand den langen Weg vom Laden bis zu Isaks Haus zurücklegten. Männer drehten sich nach ihnen um und dachten das Unaussprechliche, aber die Schwestern dachten nicht an Männer, sie hatten mehr als genug damit zu tun, das Eis unter Kontrolle zu halten, damit es nicht an ihren Händen klebte und Flecken auf den T-Shirts machte.

Oder sie lagen im hohen Gras auf der Wiese neben dem weißen Kalksteinhaus, das Isak gekauft hatte, als Rosa mit Laura schwanger war.

"Wir sind Schwestern, stimmt's?", fragte Laura.

"Halbschwestern", sagte Erika. "Das ist etwas völlig anderes."

"Ja", sagte Laura.

"Wir haben verschiedene Mütter, und man muss dieselbe Mutter haben, um richtige Schwestern zu sein", sagte Erika.

"Und denselben Vater", sagte Laura.

Erika dachte nach.

"Es ist ein bisschen wie Pseudokrupp", sagte Erika. "Es ist nicht echt, Halbschwestern zu sein", fügte sie hinzu und sang: "Halb, unecht. Lüge. Schwindel. "

"Was ist Pseudokrupp?", fragte Laura.

"Eine Krankheit", sagte Erika.

"Was für eine Krankheit?", fragte Laura.

"Wenn ein Kind nicht atmen kann", sagte Erika. "Das Kind wird blau im Gesicht und blau um den Mund und dann quakt es so ..." Erika öffnete den Mund und brachte einen quakenden, hustenden, durchdringenden Ton hervor, der aus den Tiefen ihrer Kehle kam, nahm ihren Hals in beide Hände und zitterte am ganzen Körper.

Laura kicherte und legte sich neben sie. Erika hatte Lust, die Hand der Schwester zu nehmen, sie war so klein und fein und dünn. Stattdessen sagte sie:

"Als ich klein war, hatte ich Pseudokrupp. Meine Mutter war ganz allein auf der Welt. Allein und verlassen. Und ich bin fast gestorben. Meine Mutter war ganz allein, stand draußen in der Winternacht mit mir und weinte."

Laura wurde still, sie wollte gern eine ähnliche Geschichte von ihrer Mutter Rosa erzählen, aber ihr fiel keine ein. Rosa war nie allein und verlassen. Rosa würde niemals draußen in der Winternacht stehen und weinen, so etwas Verrücktes würde ihr niemals einfallen. Einmal im Winter hatte Laura auf dem Heimweg von der Schule ihre Mütze abgesetzt und in die Tasche gesteckt, und da ist Rosa so böse geworden, dass sie zehn Minuten lang kein Wort hervorbrachte, mindestens. Sie war ganz sicher, dass Laura eine Lungenentzündung bekäme, und obwohl sich Rosa selten irrte, irrte sie sich in diesem Fall. Niemand wurde krank.

Erika fuhr fort:

"Aber es gibt natürlich etwas, was noch schlimmer ist als Pseudokrupp."

"Was denn?", fragte Laura.

"ECHTER KRUPP!", sagte Erika, ohne genau zu wissen, was ECHTER KRUPP eigentlich war. Aber schlimmer als Pseudokrupp war er ganz sicher.

"Dann hast du keine Chance", sagte Erika. "Dann stirbst du einfach. Dann ist es vorbei."

"Aber ...", sagte Laura. Sie wollte weitere Einzelheiten hören.

Erika unterbrach sie mit lautem Gebrüll. Wenn sie brüllte, musste sie nicht so viel erklären. Sie stand auf, taumelte über die Wiese und rief dabei HILFE, HILFE, ICH KRIEGE KEINE LUFT, ICH HABE KRUPP, ICH HABE KRUPP, und dann fiel sie neben Laura um.

Erika lag mitten auf der Blumenwiese, es juckte sie in den Kniekehlen und an den Fußgelenken, im Nacken und auf der Kopfhaut, es waren Insekten, die auf ihr herumkrabbelten, es waren Zecken, die sich an ihr festsaugten. Wenn man sich eine Zecke einfing, gab es in Isaks Haus einen Aufstand. Holzböcke hießen sie dort. Ein Holzbock war besser als eine Zecke. Wenn man sich einen Holzbo

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