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Ein Gruß von Friedrich Nietzsche Roman von Brumme, Christoph D. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.08.2014
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Ein Gruß von Friedrich Nietzsche

Ost-Berlin, späte 80er-Jahre: Horst, genannt 'Bobby', Fischer, Paul Hansen und Franz Schönlein, der eine Student der Philosophie, der andere Gärtner, der Dritte Friedhofsmusiker, führen ein anarchisch-subversives Dasein. Sie finden ihre Freiheit in Liebschaften und tagelangen Literatur-, Schach- und Alkoholexzessen und beobachten genüsslich den Verfall des sie drangsalierenden Systems. Denn da ist der abgelebte, paranoide, brutale und kettenrauchende Hauptmann Welke, der ein ganzes Heer von IM auf sie ansetzt. Bobbys Schwäche für Frauen nutzt er nur zu gerne aus und zieht sein Netz aus Überwachung und Einschüchterung immer enger um die drei - bis sich einer darin verfängt. Klug und komisch, abgründig und unerschrocken erzählt dieser Roman von der paranoiden Logik der Macht und dem Irrwitz, der sich dahinter verbirgt, aber nicht weniger brutal ist, von schelmischer Gegenwehr und davon, was es heißt, doch zu verlieren. Die Gefängnisszenen in Christoph Brummes neuem Roman sind unvergesslich, bizarr, böse, anrührend. Eine Parabel auf politische Systeme, die nicht weichen wollen. Christoph Brumme, 1962 in Wernigerode/Harz geboren, gelernter Eisenbahner, arbeitete am Theater Eisleben als Regieassistent und studierte Philosophie. Seit 1991 lebt er als freier Schriftsteller in Berlin. Er veröffentlichte die Romane 'No' (1994/2008), 'Tausend Tage' (1997), 'Süchtig nach Lügen' (2002) und 'Der Honigdachs' (2010) und den Reisebericht 'Auf einem blauen Elefanten' (2009). Brumme betreibt u.a. den Blog 'Honigdachs.com' mit Beiträgen vor allem über Osteuropa. 2014 erscheinen außerdem die beiden Bücher '111 Gründe, das Radfahren zu lieben' und '111 Gründe, das Schachspielen zu lieben'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 21.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406667602
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2593 kBytes
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Ein Gruß von Friedrich Nietzsche

40 Sie lagen am Ufer des Lacul Roşu . Das Wasser schimmerte tatsächlich rot. Ringsum ragten die Berge Hasmas, Giurgeu, Tarcau und Suhard in den Himmel.

"Was wird wohl Paul machen?", fragte Bobby. "Wenn ihm die Ausreise bewilligt wird, werde ich ihn nie wiedersehen."

"Wie lange kennt ihr euch eigentlich schon?"

"Seit sieben Jahren, vom ersten Tag bei der Armee an. Als ich ihn zum ersten Mal sah, dachte ich, diesen Hänfling mit dem Gesicht eines Vierzehnjährigen könnte man umpusten. Der überlebt hier nicht, dachte ich. Aber er ist zäh. Schade, dass man sein Talent nicht schätzt. Im Schach könnte er zur Weltspitze gehören, wenn er internationale Turniere spielen dürfte."

"Warum musste er nach Schwedt in die Strafkompanie?"

"Er hat die Flucht eines Kameraden nicht verhindert. Sie hatten zusammen Wache."

"Hätte er die Flucht verhindern können?"

"Unter Anwendung von Waffengewalt vielleicht. Er hätte zumindest in die Luft schießen müssen. Wahrscheinlich hat er an irgendwelchen Schachaufgaben geknobelt und gar nicht gemerkt, was um ihn herum passierte. Der Deserteur hatte sich bei seiner Großmutter versteckt. Der war ein bisschen minderbemittelt, fast debil. Unsere Gruppe wurde danach gleich aufgelöst. Paul musste die drei Monate nachdienen."

"Was ist ihm in Schwedt passiert?"

"Keine Ahnung, er redet nicht darüber. Er kam ziemlich apathisch zurück. Er meinte, die Wärter seien alle schwul. Einmal hat er was von Dunkelzelle angedeutet."

"Wir werden beobachtet", sagte Angela. "Du redest und redest und merkst das gar nicht."

Sie saßen inzwischen allein am Strand, gerade ging die Sonne hinter den Bergen unter. Bobby drehte sich um und sah, wie sich ein Strauch bewegte, während es auf der Lichtung sonst windstill war. Etwas Rotes verschwand im Gebüsch.

Bobby lief barfuß auf das Gebüsch zu. Niemand war zu sehen. Er ging weiter, an einer einzelnen Mauer aus Ziegelsteinen vorbei. Ein leerer Teereimer stand daneben. An der Wand hing eine sozialistische Losung, etwas mit Ceauşescu .

Bobby rieb sich die Fußsohle an der Wade. In den Sträuchern bewegte sich etwas. Vor ihm trat ein Mann hinter einer Tanne hervor. Und von den Seiten zwei Männer. Sie waren etwa in seinem Alter, Mitte zwanzig. Alle drei hatten Knüppel in den Händen.

Bobby merkte selbst, dass er dümmlich grinste. Die beiden Männer mit den schwarzen Haaren blieben etwas weiter weg stehen.

Der mittlere Mann hatte offenbar im Gebüsch gelegen, er trug ein rotes Hemd.

"German?", fragte er.

"Yes, German", sagte Bobby in einem Ton, der ihm selbst fremd war.

"East? GDR?"

"Of course, from GDR."

Der Mann hob seinen Knüppel.

"Fight?"

Bobby schüttelte den Kopf.

Die beiden anderen Männer kamen näher. Bobby ging an der Mauer entlang zur Seite, Schritt für Schritt. Die Männer lachten.

"German Angst?", fragte einer.

Sollte er diesen Spannern zeigen, wie ein Deutscher kämpfen konnte? Die Fressen zu Brei schlagen? Kung-Fu müsste man können, dachte er.

Sie ließen ihn laufen, sie kamen nicht hinter ihm her.

Angela fragte: "Und, hast du wen gesehen?"

"Es waren drei", sagte er. "Lass uns die Sachen packen und hier verschwinden. Die werden wir nicht mehr los."

"Drei?"

"Drei Männer mit Knüppeln. Die stehen noch dahinten. Ich habe keine Lust auf eine Schlägerei.

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