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Ein italienischer Sommer Roman von Barra, Francesca (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.04.2017
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Ein italienischer Sommer

Caterina kann es nicht erwarten, der Enge ihrer Heimatstadt Matera zu entkommen und endlich etwas von der Welt zu sehen. Ihre Reise führt sie nach Rom, wo sie Pietro kennenlernt, für den sie schon bald mehr als nur Freundschaft empfindet. Immer mit dabei ist das Rezeptbuch ihrer Großmutter, das Caterina keinen Moment unbeaufsichtigt lässt, denn es enthält alles, woran sie sich so gerne erinnert - die Düfte ihrer Kindheit, das Gefühl eines nie endenden Sommers, glückliche Stunden in der heimeligen Küche. Als ihre Großmutter überraschend stirbt und ihr ein altes Strandhaus hinterlässt, muss Caterina eine folgenschwere Entscheidung treffen ...

Francesca Barra wurde in Policoro, einem Ort in der Provinz Matera, geboren. Sie arbeitet als Drehbuchautorin und freie Journalistin für Film, Fernsehen und Radio sowie für diverse Printmedien. Ein italienischer Sommer ist ihr erster Roman auf Deutsch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 17.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641184537
    Verlag: Blanvalet
    Originaltitel: Verrà Il Vento e Ti Parlerà Di Me
    Größe: 649kBytes
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Ein italienischer Sommer

2. TERESA

Die Puppe an der Wäscheleine

Domenico, den alle nur Don Mimì nannten, war zehn Jahre älter als ich. Als er mich zum ersten Mal ansprach, spielte ich noch mit meiner Stoffpuppe an einem Brunnen, der zum Grundstück seiner Familie in Torremozza gehörte, einem Örtchen am Meer kurz vor Policoro, das nach der Trockenlegung aufgeblüht war.

Wir wohnten schon eine ganze Weile hier, seit der Evakuierung aus den Sassi di Matera und einer kurzen Zwischenstation in den ärmlichen Hütten von Policoro.

Nach einem Jahr richtete Domenico zum ersten Mal das Wort an mich. Und es war eine ziemlich lustige Situation. Ich stand mit einem Bindfadenknäuel in der Hand da und versuchte, eine Wäscheleine zu spannen, um die Schürze meiner Stoffpuppe zum Trocknen aufzuhängen. Das eine Ende hatte ich bereits befestigt, wusste nun aber nicht weiter. Leise vor sich hin brummelnd kam Domenico heran und pinnte mühelos die Schnur mit einem Nägelchen an einen Baumstamm. Es war nicht schwer gewesen, und ich fand es nett von ihm.

"Wofür brauchst du die?"

Stimmt, wofür eigentlich? Wie sollte ich ihm gestehen, dass ich seine Zeit für eine Puppe gestohlen hatte, aus einer Laune heraus. Also blickte ich zu Boden und versteckte die Puppe hinter meinem Rücken. Er lächelte mich an und zeigte mir seine weißen, vollkommenen Zähne, wie ich noch nie welche gesehen hatte. Er begriff alles auf der Stelle, auch meine Verlegenheit. Um sie mir zu nehmen, tat er so, als hätte er die Puppe gar nicht gesehen.

"Du hast da was", sagte er und zeigte mit dem Finger auf meine Lippen.

Ich streckte die Zunge heraus und ärgerte mich sofort über mich und meine schlechten Manieren. Mit dem Handrücken machte ich alles noch schlimmer und rannte schließlich davon. Meine Mutter hatte zu Mittag Falaoni lucani gemacht, die ich mir im Laufen in den Mund geschoben und mit denen ich mich bekleckert hatte, ohne es zu merken.

"Es gibt nichts Schlimmeres als ein unachtsames Schleckermäulchen", hatte Mamma mir hinterhergerufen, bevor ich verschwunden war.

Dank Don Mimì wurde ich schlagartig älter. Ich setzte meine Puppe zwar gut sichtbar auf meine Kommode, nahm sie aber nie mehr zum Spielen mit nach draußen.

Bis zu diesem Moment hatte ich geglaubt, unsichtbar für ihn zu sein. Doch scheinbar nicht unsichtbar genug, um in ihm nicht die Neugierde und den Wunsch zu wecken herauszufinden, was aus mir in ein paar Jahren werden würde.

Dies war die erste Begegnung mit dem Mann, der einmal mein Ehemann werden sollte; im Garten seines Elternhauses, der mir riesig vorkam gemessen an dem, was ich gewohnt war. Doch nach den Grotten von Matera kam mir ohnehin jedes Haus wie der Palast eines Königs vor. Selbst die elenden Hütten in Policoro hatten mir gefallen, obwohl sie winzig waren. Ich dachte, ich würde mein Leben lang so wohnen, in einem Zimmer mit meinen Eltern: in diesen niedrigen Häuschen, am Fuße des Schlosses von Baron Berlingieri, über den immer alle redeten und vor dem ich ein wenig Angst hatte.

"Hat ihn denn schon mal jemand gesehen? Gibt es ihn überhaupt?", fragte man sich.

Die einen beschrieben ihn als eine Art Weihnachtsmann, andere als ein dreiköpfiges Monster. Wieder jemand verglich ihn mit einem Kinohelden. Und noch andere sagten über ihn: "Ein großer Schürzenjäger und Freibeuter, das ist dieser Baron."

Aber zu Gesicht bekam ich ihn nie.

Was ich an der Hütte so gar nicht ertrug, war das Geräusch, das die mit Maisblättern gefüllten Matratzen schon bei der kleinsten Bewegung machten, so dass ich davon aufwachte. Ich hatte einen leichten Schlaf und es klang, als prasselte der Regen auf die Matratze. Jede Nacht.

Doch manches war auch besser als in den Sassi. Endlich hatten wir ein Badezimmer und elektrisches Licht. Es gab eine Küche, die nicht in Tuffstein gehauen und rußgeschwärzt war. Endlich eine richtige Küche. Mit Herdplatten, einer Dunstabzugshaube und Schrän

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