text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ein Jahr voller Wünsche Roman von Wyer, Carol (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.01.2019
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ein Jahr voller Wünsche

An Silvester überredet Mercedes ihre Freundin Charlie zu einem wagemutigen Experiment: Sie schreiben sich gegenseitig To-do-Listen mit ganz verrückten Aufgaben. Es soll ein Jahr voller Abenteuer, Wünsche und Überraschungen werden, das Charlies gebrochenes Herz heilen und Mercedes, die im Rollstuhl sitzt, das Leben wieder spüren lässt. Schon nach der ersten Bauchtanzstunde fühlt sich Charlie selbstbewusster. Doch als das Krankenhausradio, ihr gemeinsamer Arbeitsplatz, geschlossen werden soll, wird ihr neugefundener Mut sofort auf die Probe gestellt ... "Ein Jahr voller Wünsche ist eines dieser Bücher, die sich in dein Herz graben und dort für immer verwurzelt bleiben." All Kinds of Books Carol Wyer wurde in Münster geboren und verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Deutschland. Bevor sie sich dem Schreiben widmete, leitete sie eine Sprachschule und unterrichtete Boxercise-Kurse. Heute lebt die Journalistin und Autorin, die mit dem People's Book Prize ausgezeichnet wurde, in Staffordshire.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 11.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492991254
    Verlag: Piper
    Originaltitel: Take a Chance On Me
Weiterlesen weniger lesen

Ein Jahr voller Wünsche

#2

Charlie blickte Mercedes nach, wie diese davonfuhr. Dann schlenderte sie zu ihrem eigenen Wagen. Ihre bisher zur Schau getragene Zuversicht schwand, als sie erneut an Amy dachte - ihren blonden Engel. Die Wochen nach ihrem Tod waren die schwersten in Charlies Leben gewesen. Die Beziehung zu ihrem Mann Gavin verschlechterte sich rapide, und wenige Monate nach dem Unfall ließen sie sich scheiden. Der Krebstod ihrer Mutter war ein weiterer harter Schlag für Charlie.

Das Krankenhausradio hatte sie vor dem Verrücktwerden und vor schlimmen Depressionen bewahrt. Dort fühlte sie immer noch eine Verbindung zu den beiden Menschen, die sie am meisten geliebt hatte. Denn beide hatten ihre letzten Tage in diesem Krankenhaus verbracht. Bei einer ihrer Runden durch die Stationen, bei denen sie Patienten nach ihren Hörerwünschen fragte, hatte sie Mercedes kennengelernt. Diese erholte sich gerade von einer schweren Operation und fühlte sich elend. Charlies Gesellschaft hatte sie aufgemuntert. Im Laufe der nächsten Wochen wurden sie zu engen Freundinnen. Charlie schätzte sich sehr glücklich, Menschen wie Mercedes in ihrem Umfeld zu haben, und das Radio gab ihrem Leben einen Sinn. Indem sie eine lockere Sendung mit viel Witz und Humor moderierte, versuchte sie, kranke Menschen etwas abzulenken und ihre Lebensgeister zu wecken. Ihren eigenen Lebensgeist hingegen hatte der Tod ihrer Tochter zerstört. Sie wischte sich die verschmierte Wimperntusche aus dem Gesicht, ließ den Motor an und schaltete das Radio zu Sams Sendung ein, weil sie bei seinem Quiz mitraten wollte. Sie lächelte, als sie seine Stimme hörte.

#

Es war ein windiger Tag, als Charlie vor der Kirche St. Peter vorfuhr. Das Gebäude, das ursprünglich im dreizehnten Jahrhundert errichtet worden war, war ein alter gotischer Bau aus Steinen mit einem Schieferdach und einem rechteckigen Turm. Seit Jahrhunderten strömten die Menschen hinein. Hier hielt die örtliche Gemeinde Gottesdienste und regelmäßige Treffen ab. Charlie erinnerte sich an den Tag, an dem Gavin und sie hier geheiratet hatten. Sie sah immer noch die Gesichter von Freunden und Familie vor sich, als sie als frischvermähltes Paar Arm in Arm über den Mittelgang geschritten waren. Sie erinnerte sich, wie sie für den Fotografen posiert hatten, während die alten Glocken ihr fröhliches Lied spielten. Der Weg zum Eingang unter dem Steinbogen war voller lachender Menschen gewesen und mit buntem Konfetti bestreut. Auf der Straße hatte eine weiße Kutsche gewartet, mit der sie nach New Hall zum Festessen gefahren waren. Die Kirche war perfekt für solche Anlässe, ebenso wie das pittoreske Dorf um sie herum mit seinen Antiquitätenläden, Pubs und der entzückenden Dorfschule. Die Schule, die Amy besucht hatte. Sie hatte dort so viele Freunde; Charlie fragte sich, wo die anderen Kinder jetzt wohl waren.

Amy war auch in St. Peter getauft worden. Sie hatte nicht geweint, als der kurzsichtige Pfarrer das Weihwasser über ihren Kopf und in ihren Mund gespritzt hatte, sondern zufrieden gegurgelt und gekräht. Dieser Moment war eine von Charlies schönsten Erinnerungen.

Doch die Kirche rief ihr auch kaum zu ertragende Bilder ins Gedächtnis: der kleine weiße Sarg auf dem von Pferden gezogenen schwarzen Glaswagen. Die Kränze und Blumen, die den Weg zum Kirchenportal säumten. Ein Dorf in Trauer, alle in Schwarz gekleidet, mit ernstem Gesichtsausdruck. Charlie sah alles so deutlich vor sich, als wäre es erst vor wenigen Wochen geschehen.

Sie kam oft am Wochenende und manchmal auch unter der Woche hierher, um bei ihrer Tochter zu sein oder sich um das Grab zu kümmern. Sie achtete darauf, dass die kleine Vase auf dem Grab immer frische Blumen enthielt. Der Friedhof war idyllisch und gut gepflegt. Im Frühling blühten überall strahlend gelbe Narzissen. Heute an diesem grauen Nachmittag leuchtete eine weihnachtliche Lichterkette in der großen Kiefer am Eingang des Friedhofs.

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen