text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ein Kind der Liebe von Ernst, Hans (eBook)

  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ein Kind der Liebe

Regina hatte es in ihrer Kindheit nicht leicht. Als uneheliches Kind eines farbigen Vaters hatte sie viele Anfeindungen zu ertragen. Nun, da sie zu einer hübschen und tüchtigen jungen Frau herangewachsen ist, scheint man sie zu akzeptieren. Doch als sich der Erbe vom Reinerhof und Regina ineinander verlieben, sind alle alten Vorurteile wieder da. Die Situation wird bald so schlimm, dass Regina lieber das Dorf verlässt. Hans Ernst wurde 1904 in München geboren. Während des Ersten Weltkrieges kam er zum ersten Mal aufs Land - auf einen Bauernhof in Niederbayern. Dort lernte er das kennen und lieben, was später der Inhalt seiner Romane wurde: die bäuerliche Welt. Nach vielen Jahren, die er als Bauernknecht verbrachte, führte ihn sein Weg zu einer Bauernbühne. In dieser Zeit begann er seine ersten Romane zu schreiben, denen noch zahlreiche folgten, insgesamt 112.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475547416
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 1187 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ein Kind der Liebe

Tobias Schuregger, der Bauer vom Rain, ging langsam, den Körper leicht dem sanften Streicheln des Septemberwindes entgegengeneigt, den schmalen Wiesenweg entlang. Ihm zur Rechten lag in einer sanften Mulde das Pfarrdorf Perchta mit dem überaus schlanken Kirchturm in der Mitte. Hinter ihm war das weite Land, mit den Moorwiesen dazwischen, und links zog sich sanft der Bergwald hinauf, über dem die blauen Felsen im Sonnenlicht schimmerten. Vor sich aber hatte er den sanften Hügelrücken, auf dem sein Hof, der "Rainerhof", breit hingebettet lag.

Obwohl es schon Ende September war, waren die Tage noch warm durchglüht. In den Bauerngärten schimmerten in dem schon müd gewordenen Laub die reifen Äpfel und Birnen. Es war ein gesegneter Sommer gewesen, der seine Kraft noch mild ausströmte und sie an die Herbsttage verschenkte, so dass die Kinder um diese Zeit noch im Dorfweiher baden konnten. Freilich, über Nacht konnte diese Herrlichkeit schon zu Ende sein. Eine Reifnacht konnte die Wärme jäh dämpfen und die Tage nicht mehr zu solch lodernder Schönheit aufsteigen lassen.

Ein Bild von einem Mann war dieser Tobias Schuregger, obwohl er schon auf den Sechziger zuging. Sehnig, mehr Weidenrute als knorriger Baum, so schritt er dahin, ganz langsam, die Hände auf dem Rücken verschränkt, den Kopf gesenkt, als hätte er über etwas nachzudenken. Er dachte aber eigentlich über gar nichts nach, höchstens darüber, dass man morgen vielleicht in die Streu gehen könnte, da heute die letzten beiden Fuder Heu eingefahren waren. Es konnte auch sein, dass er darüber grübelte, wie friedlich sein Lebensabend nun doch geworden war nach all den Erschütterungen, die ihn heimgesucht hatten.

Er kam von den Apostelwiesen, die außerhalb des Dorfes lagen und wo sie heute das letzte Heu geerntet hatten. Diese Wiesen hatte er vor vielen Jahren billig als Moorgrund erworben. Einen großen Teil hatte er kultiviert, ein Drittel vielleicht war noch Moor, in dem sie in jedem Frühjahr ihren Bedarf an Torf stachen.

Es war etwa vier Uhr nachmittags. Die Sonne stand schon schräg über den Bergen. Marienfäden schwammen durch die Luft, und von irgendwo kam der Klang von Rinderglocken. Der Rainer sah die blau gestrichene Bank unter den Haselnussbüschen leuchten und setzte sich, nicht ohne vorher das blanke Messingschild auf der Lehne zu lesen, auf dem geschrieben stand, dass diese Ruhebank vom Raiffeisenverein Perchta gestiftet worden sei. Er selber, der Rainer, hatte auch so eine Bank gestiftet, die stand drunten im Dorf unter den Lindenbäumen in der Nähe des Pfarrgartens. Ach ja, man musste doch irgendwie auch mittun. Man musste sozusagen mit der Zeit gehen, man konnte nicht im alten Trott bleiben. Die Zeit hatte auch das Gesicht der kleinen Dörfer verändert. Man brauchte ja bloß hinschauen: auf jedem Dach blinkte eine Fernsehantenne oder eine Satellitenschüssel, die die ferne Welt in diese abgeschiedenen Dörfer hereinzauberten.

Die Hände zwischen den Knien gefaltet, schaute der Rainer über das Dorf hinweg in die dunstige Ferne. Dort zog sich der Schienenstrang der Eisenbahn hin, daneben schlängelte sich das breite Band der Straße. Von einer Seitenstraße bog jetzt ein Traktor mit zwei Fudern Heu auf das Dorf zu, am Lenkrad der Max, sein jüngster Sohn, ein schlank gewachsener Bursche, der einmal den Hof übernehmen sollte. Ein Sohn, der Anton, war bei einem Unfall ums Leben gekommen. Der zweite Bub, der Andreas, der nach ihm auf den Hof Anspruch gehabt hätte, hatte in die Kreisstadt hineingeheiratet und betrieb dort ein Fuhrunternehmen mit drei Lastzügen und zwei Omnibussen. Er glaubte, mitleidig auf die armselige Bauernwelt herunterschauen zu können, in der es noch einen Vierzehnstundentag gab, trotz der modernen Maschinen, die man sich angeschafft hatte. Die Maschinen hatte Andreas besorgt, zu dessen Fuhrunternehmen eine große Reparaturwerkstätte und eine Vertretung für Landmaschinen gehörten.

Ja, ganz schön

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen