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Ein Kind unserer Zeit von Horváth, Ödön von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.05.2015
  • Verlag: RUTHebooks
eBook (ePUB)
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Ein Kind unserer Zeit

Ödön von Horváth - Ein Kind unserer Zeit 'Ein Kind unserer Zeit' ist ein Roman von Ödön von Horváth. Ein junger Mann - seine Mutter ist bereits gestorben - zieht wegen Differenzen bei seinem Vater aus und landet als Bettler auf der Straße und schlägt sich 'so durch'. Mit seinem Unbehangen auf seinen Vater und das Bürgertum, wird er 'anfällig' für das nationalsozialistische Gedankengut ... Für RUTHeBooks Klassiker lassen wir alte und schon lange vergriffene Werke als eBooks wieder auferstehen. Wir möchten Ihnen diese Bücher nahe bringen, Sie in eine andere Welt entführen. Manchmal geht das einher mit einer für unsere Ohren seltsam klingenden Sprache oder einer anderen Sicht auf die Dinge, so wie das eben zum Zeitpunkt des Verfassens vor 100 oder mehr Jahren "normal" war. Mit einer gehörigen Portion Neugier und einem gewissen Entdeckergeist werden Sie beim Stöbern in unseren RUTHeBooks Klassikern wunderbare Kleinode entdecken. Tauchen Sie mit uns ein in die spannende Welt vergangener Zeiten!

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 04.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959231237
    Verlag: RUTHebooks
    Größe: 261 kBytes
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Ein Kind unserer Zeit

Der Vater aller Dinge

Ich bin Soldat. Und ich bin gerne Soldat.

Wenn morgens der Reif auf den Wiesen liegt oder wenn abends die Nebel aus den Wäldern kommen, wenn das Korn wogt und die Sense blitzt, obs regnet, schneit, ob die Sonne lacht, Tag und Nacht, immer wieder freut es mich, in Reih und Glied zu stehen.

Jetzt hat mein Dasein plötzlich wieder Sinn! Ich war ja schon ganz verzweifelt, was ich mit meinem jungen Leben beginnen sollte. Die Welt war so aussichtslos geworden und die Zukunft so tot. Ich hatte sie schon begraben. Aber jetzt hab ich sie wieder, meine Zukunft, und lasse sie nimmer los, auferstanden aus der Gruft!

Es ist noch kaum ein halbes Jahr her, da stand sie bei meiner Musterung neben dem Oberstabsarzt. "Tauglich!" sagte der Oberstabsarzt, und die Zukunft klopfte mir auf die Schulter. Ich spürs noch heut.

Und drei Monat später erschien ein Stern auf meinem leeren Kragen, ein silberner Stern. Denn ich hatte hintereinander ins Schwarze getroffen, der beste Schütz der Kompanie. Ich wurde Gefreiter und das will schon etwas heißen. Besonders in meinem Alter. Denn ich bin fast unser Jüngster. Aber eigentlich sieht das nur so aus.

Denn eigentlich bin ich viel älter, besonders innerlich. Und daran ist nur eines schuld, nämlich die jahrelange Arbeitslosigkeit.

Als ich die Schule verließ, wurde ich arbeitslos. Buchdrucker wollte ich werden, denn ich liebte die großen Maschinen, die die Zeitungen drucken, das Morgen-, Mittag- und Abendblatt. Aber es war nichts zu machen.

Alles umsonst.

Nicht einmal zum Lehrling konnte ichs bringen in irgendeiner Vorstadtdruckerei. Von der inneren Stadt ganz zu schweigen!

Die großen Maschinen sagten: "Wir haben eh schon mehr Menschen, als wir brauchen. Lächerlich, schlag dir uns aus dem Kopf!"

Und ich verjagte sie aus meinem Kopf und auch aus meinem Herzen, denn jeder Mensch hat seinen Stolz. Auch ein arbeitsloser Hund.

Raus mit euch, ihr niederträchtigen Räder, Pressen, Kolben, Transmissionen! Raus!

Und ich wurde der Wohltätigkeit überwiesen, zuerst der staatlichen, dann der privaten. Da stand ich in einer langen Schlange und wartete auf einen Teller Suppe. Vor einem Klostertor.

Auf dem Kirchendach standen sechs steinerne Figuren. Sechs Heilige. Fünf Männer und ein Weib. Ich löffelte die Suppe.

Der Schnee fiel und die Heiligen hatten hohe weiße Hüte. Ich hatte keinen Hut und wartete auf den Tau. Die Sonne wurde länger und die Stürme wärmer, ich löffelte die Suppe.

Gestern sah ichs wieder, das erste Grün. Die Bäume blühen und die Frauen werden durchsichtig. Auch ich bin durchsichtig geworden. Denn mein Rock ist hin und meiner Hose gings ebenso. Man weicht mir fast schon aus.

Viele Ideen gehen durch meinen Kopf, kreuz und quer. Mit jedem Löffel Suppe werden sie ekelhafter. Plötzlich hör ich auf.

Ich stell das Blech auf den steinernen Boden, es ist noch halb voll und mein Magen knurrt, aber ich mag nicht mehr. Ich mag nicht mehr!

Die sechs Heiligen auf dem Dache blicken in die blaue Luft. Nein, ich mag sie nicht mehr, meine Suppe! Tag für Tag dasselbe Wasser! Mir wird's schon übel, wenn ich sie nur seh, diese Bettelbrüh! Schütt sie aus, deine Suppe! Weg! In den Dreck damit! Die Heiligen auf dem Dache schauen mich vorwurfsvoll an. Glotzt nicht dort droben, helft mir lieber da drunten! Ich brauch einen neuen Rock, eine ganze Hose, eine andere Suppe!

Abwechslung, Herrschaften! Abwechslung! Lieber stehlen als betteln! Und so dachten auch viele andere von unserer Schlange, ältere und jüngere, es waren nicht die schlechtesten. Ja, wir haben viel gestohlen, meist warens dringende Lebensmittel. Aber auch Tabak und Zigaretten, Bier und Wein. Meist besuchten wir die Schrebergärten. Wenn der Winter nahte und die glücklichen Besitzer daheim in der warmen Küche saßen.

Zweimal wurde ich fast erwischt, einmal bei e

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