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Ein Kind unserer Zeit von Horváth, Ödön von (eBook)

  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Ein Kind unserer Zeit

Dieses eBook: 'Ein Kind unserer Zeit' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Der Ich-Erzähler, ein anonym bleibender Soldat, ist die Hauptperson des Romans; geboren wurde er 1917. Seine erste Erinnerung ist der Tod der Mutter. Er ist arbeitslos und zieht wegen ideologischer Differenzen bei seinem Vater aus. Nun muss er betteln und ist auf die Wohlfahrt angewiesen. Sein Hass auf die schöne Jugendzeit seines Vaters und auf das gemütliche Leben anderer steigt, und immer mehr identifiziert er sich mit Ansichten des Nationalsozialismus, namentlich der, der einzelne Mensch tauge nichts, und nur der Volkskörper zähle. Der Krieg, den er verherrlicht, gibt ihm, einem desillusionierten, egoistischen, unverschämten, radikalen und nicht mehr gläubigen Menschen, Hoffnung. Er will zum Militär, denn in der Uniform, so glaubt er, sei er stark und in der Truppe nicht mehr allein. Als er rekrutiert wird, erfüllt sich für ihn ein Traum. Über die Richtigkeit seiner Taten denkt er nicht nach, er meint 'Denken bringt auf blöde Gedanken'. Ödön von Horváth (1901-1938) war ein auf Deutsch schreibender Schriftsteller ungarischer Staatsbürgerschaft: Meine Muttersprache ist die deutsche.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 85
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026870531
    Verlag: e-artnow
    Größe: 613 kBytes
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Ein Kind unserer Zeit

D AS VERWUNSCHENE S CHLOß

Inhaltsverzeichnis

Heute ist Sonntag.

Da haben wir frei. Von vierzehn bis zweiundzwanzig Uhr. Nur die Bereitschaft bleibt zurück.

Gestern bekam ich meinen zweiten Stern und heute werde ich zum erstenmal mit zwei Sternen am Kragen ausgehen. Der Frühling ist nah, man hört ihn schon in der Luft. Wir sind zu dritt, zwei Kameraden und ich. Wir haben weiße Handschuhe an und reden über die Weiber. Ich rede am wenigsten, ich denk mir lieber meinen Teil. Die Weiber sind ein notwendiges Übel, das ist bekannt. Man braucht sie zur Sicherstellung einer möglichst großen Zahl kinderreicher, erbgesunder, für das Vaterland rassisch wertvoller Familien. Aber ansonsten stiften sie nur Wirrwarr. Ich könnt darüber manches Lied zum besten geben! Besonders die älteren Jahrgänge und vor allem die ganz Gescheiten. Die laufen dir nach, weil du sportlich ausgebildet bist, und wenn du ihnen zu Gefallen warst, dann werden sie arrogant. Sagen: dummer Junge, grün, naß hinter den Ohren und dergleichen. Oder sie kommen mit dem Seelenleben daher, und dann Werdens ganz unappetitlich. Eine nicht mehr ganz junge Frau hat keine Seele zu haben, sie soll froh sein, wenn man sie anschaut. Sie hat kein Recht, einem hinterher mit Gefühlen, wie zum Beispiel Eifersucht oder sogenannter Mütterlichkeit, zu kommen.

Die Seele ist im besten Falle ein Vorrecht der jungen Mädchen. Die dürfen sich eine solche Romantik fallweise noch leisten, vorausgesetzt, daß sie hübsch sind. Aber auch die romantischen Hübschen wollen, schon im zartesten Jungmädchenalter, nur einen Kerl mit Geld. Das ist das ganze Problem.

Ich bewege mich lieber in männlicher Gesellschaft. Mein Kamerad sagt grad, daß sich dereinst vor dreihundert Jahren ein großer Philosoph gefragt hätt, ob die Weiber überhaupt Menschen sind?

Man könnts schon bezweifeln, das glaub ich gern. Bei dem weiblichen Geschlechte weißt du nie, woran du bist. Da findest du keine Treu und keinen Glauben, immer kommens zu spät, ein Nest voller Lügen und so weiter. Und obendrein sollst du noch auf ihr Inneres eingehen - Denn das verlangen sie.

Aber das ist keine Betätigung für einen richtigen Mann. Jaja, die Herren Weiber sind ein Kapitel für sich! Sie bringen dich auf die Welt und bringen dich auch wieder um. -

Die Straßen der inneren Stadt sind leer, denn hier gibt's nur Geschäfte und hohe Bürohäuser und die haben heute zu. Die Arbeiter der Stirn und der Faust, sie feiern daheim, essen, schlafen, rauchen - heut werdens kaum Ausflüge machen, denn es regnet immer wieder.

Zwar nur ein bißchen, aber es ist halt unsicher. Still ists in der inneren Stadt, direkt friedlich, als wäre alles ausgestorben. Wir hören uns gehen, jeden Schritt. Es klappert auf dem Asphalt.

Und ich bemerk es wieder, daß wir uns spiegeln. In den vornehmen Auslagen. Jetzt gehen wir durch ein Korsett. Jetzt durch einen Hummer und einen Schinken so zart. Jetzt durch seidene Strümpfe. Jetzt durch Bücher und dann durch Perlen, Schminken, Puderquasten. Zerreißt sie, zertrampelt sie!

Es ist fad in der inneren Stadt, und wir gehen zum Hafen hinab. Dort ist nämlich ewig Betrieb. Du kannst es zwar nicht erblicken, das weite Meer, denn dieses beginnt erst weiter draußen, aber herinnen liegen bereits die fremden Schiffe mit den schwarzen und gelben Matrosen.

Wir gehen die breite Allee zum Hafen hinab. Sie wird immer breiter und lauter. Rechts und links beginnen die Sehenswürdigkeiten - große und kleine Affen, dressiert und undressiert. Schießbuden und Spielautomaten, ein Tanzpalast und die dickste Dame der Welt. Ein Schaf mit fünf Füßen, ein Kalb mit zwei Köpfen - Karussell neben Karussell, Schaukel neben Schaukel und eine bescheidene Achterbahn, direkt bemitleidenswert. Wahrsagerinnen, Feuerfresser, Messerschlucker, saure Gurken und viel Eis. Tierische und menschliche Abnormitäten. Kunst und Sport. Und dort h

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