text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ein Mann im Haus Roman von Hahn, Ulla (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ein Mann im Haus

Eine Frau schmiedet ihrem Geliebten goldene Fesseln und kettet ihn an sich, an ihr Haus, an ihr Bett. Sie macht ihn sich in einem präzise erdachten, grausamen Unterwerfungsprozeß untertan: die Rache für die jahrelange Verfügbarkeit und Willfährigkeit, die von ihr erwartet wurde. Ulla Hahn hat einen Roman geschrieben, der mit Grenzen spielt: keinen Liebesroman, aber mit grausamer Konsequenz von nichts als der Liebe erzählend; keine Pornographie, aber ohne Respekt vor Tabus; kein feministisches Lehrbuch, aber rückhaltlos und ausschließlich die weibliche Perspektive zeigend. Ulla Hahn, aufgewachsen im Rheinland, arbeitete nach ihrer Germanistik-Promotion als Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten, anschließend als Literaturredakteurin bei Radio Bremen. Schon ihr erster Lyrikband, 'Herz über Kopf' (1981), war ein großer Leser- und Kritikererfolg. Ihr lyrisches Werk wurde u. a. mit dem Leonce-und-Lena-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet. Für ihren Roman 'Das verborgene Wort' (2001) erhielt sie den ersten Deutschen Bücherpreis. 2009 folgte der Bestseller 'Aufbruch', der zweite Teil des Epos, und auch Teil drei, 'Spiel der Zeit' (2014), begeisterte Kritiker wie Leser. 'Wir werden erwartet' (2017) bildet den Abschluss ihres autobiografischen Romanzyklus um das Arbeiterkind Hilla Palm.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 190
    Erscheinungsdatum: 15.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641135737
    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
    Größe: 432 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ein Mann im Haus

II

Seit die Nachbarskatze an Rattengift eingegangen war, erwachte Maria jeden Morgen früh vom Geschnatter der Vögel. Heute mischte sich Hansegons Schnarchen mißtönend dazu. Sein Mund stand weit offen, und Speichel lief aus dem linken Mundwinkel auf die Kissen, färbte die dunkelrote Seide schwarz, spitz stach die Nase in die Morgendämmerung. Maria küßte sie leicht, ging ins Bad, duschte und pfiff das Lied vom Vogelfänger. Ach! Überwältigend süß war dieser Augenblick gewesen, als sie mit ihm gerungen hatte! Sie setzte Teewasser auf und machte sich daran, das Armband einer Kundin, dessen Silberfäden sich verfangen hatten, zu entwirren.

Ein Stöhnen kam aus dem Schlafraum. Maria lief in die Werkstatt, holte starkes Klebeband, preßte dem Erwachenden die Kinnlade unter den Oberkiefer, daß die Zähne aufeinanderschlugen, und klebte die Lippen, die sie wieder und wieder geküßt und belogen hatten, zusammen. Durch die Handfesseln führte sie ein lila-grün geknüpftes Lederband, das sie um den gedrechselten Bettpfosten wand, locker, er sollte sich bewegen, aber nicht fortbewegen können.

Da lag der Mann, da lag der Küster, Küstermann lag da. Maria setzte sich mit einer Tasse Tee zu ihm, zog die gerafften Vorhänge ein Stück in die Höhe, das Morgenlicht schnitt das Bett in zwei Hälften, präparierte die blaugeäderten, geschwollenen Knöchel und gelblich verhornten Fußsohlen aus der Dämmerung, daß sie sauer aufstoßen mußte und die Decke darüberschob.

Küstermann erwachte, als er sich vom Rücken auf die Seite wenden wollte, was Fesseln und Bänder vereitelten. Klägliche Laute, halb Schnarchen, halb Stöhnen, dann schleichendes Pfeifen, das sich überschlug; Rasseln, als gurgelten Tonleitern aus seinem Brustkorb, aufsteigend, versinkend. Sein Kopf rollte zwischen den Schultern, seine Lider begannen zu flattern, im Sog seiner Zunge zog sich die Haut seiner Wangen nach innen, die Kinnladen malmten, blau gabelte sich eine Ader auf seiner Stirn. Das Beinpaar anhebend, ruckte er hoch, es ruckte das Armpaar; Küstermann lag zuckend in der Seide, in seinen Augen kreiste das Entsetzen.

Ihre Hand zitterte, als sie die Tasse auf den Unterteller klirrte. Kleine Schweißtropfen brachen ihm aus der Stirn, sie tupfte sie trocken, drückte seine Fäuste, die in der Goldschmiedearbeit auf- und niederzuckten, sacht auf sein Geschlecht. Bei der Berührung mit den Fesseln traten ein paar Tropfen vor die Eichel, seit einiger Zeit fiel ihm das Wasserlassen schwer.

Die Flasche stand bereit. Beim Anblick des blitzenden Glases mischten sich in Küstermanns Miene Schauder, Scham und Erleichterung. Er wälzte sich auf die rechte Hüfte, sorgsam führte sie sein Glied bis zur halben Länge in die Öffnung, hielt es fest und spürte, wie nach einigem Zögern der Urin mit kräftigem Strahl unter den Fingern durch das Fleisch floß. Sie sah ihn nicht an, konzentrierte sich ganz auf den Vorgang des Urinierens, hätte am liebsten das Umfeld mit Tüchern bedeckt, wie bei einer Operation. Gewissenhaft achtete sie darauf, daß das Glied nicht in sein Wasser hing. Das Küstergesicht nahm dabei die Farbe eines auftauenden Tiefkühlhuhns an.

Darauf verteilte sie sein Haar, das er nach Art der Cäsaren trug, vom Scheitelpunkt aus strahlenförmig in die hohe Stirn, strich ihm die Brauen glatt und küßte seine gefesselten Fingerspitzen.

"Und jetzt ein Gläschen Champagner", befahl sie munter, "man soll morgens mit dem wieder anfangen, womit man abends aufgehört hat."

Sie füllte ihr Glas, an dem noch die rote Farbe ihrer und der But

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen