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Ein schwerer Fall von Liebe Roman von Lunding, Anne-Sophie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2019
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Ein schwerer Fall von Liebe

"Eine schlechte Pizza ist besser als gar keine Pizza." Elvira Gregersen ist 39 Jahre alt, bringt 148 Kilo auf die Waage und arbeitet am Empfang eines Bordells. Davon darf allerdings das Jobcenter nichts wissen, denn offiziell ist sie arbeitslos. Obwohl es das Leben wahrlich nicht gut mit ihr meint, meistert sie ihr Schicksal – mit einer guten Portion Selbstironie und ohne ein Wort des Jammerns. Bewaffnet mit Pizza und buntem Nagellack trotzt Elvira allen Widrigkeiten. Als Henry auf der Bildfläche erscheint, fängt ihre dicke Schale sogar an, ein wenig zu bröckeln. Und zum Vorschein kommt: Elviras riesengroßes Herz. Anne-Sophie Lunding wurde 1969 geboren und studierte Film- und Medienwissenschaften. Sie war als Lektorin und Mitarbeiterin bei einer dänischen Entwicklungshilfeorganisation in Nepal tätig. Außerdem arbeitete sie als Autorin für ein Fernsehquiz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 28.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423435222
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: Happy Ending
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Ein schwerer Fall von Liebe

1.

Ich bin mir nicht sicher, ob "süß" oder "frech" das richtige Wort ist, aber an der Stimme des Mannes erkenne ich, dass er ein Neuling ist, und darum entscheide ich mich für "süß". Bevor ich ihm antworte, schiebe ich den Kekskaramellklumpen mit der Zunge auf die Seite, damit man nicht hören kann, dass ich den Mund voll habe. Diese Technik beherrsche ich mittlerweile relativ gut.

"Wir haben heute eine ganz Süße hier, sie heißt Candy."

"Okay."

"Vielleicht hast du sie ja schon auf unserer Homepage gesehen?"

"Nein, das habe ich nicht."

Dann ist er über die Anzeige im Ekstra Bladet auf uns aufmerksam geworden. Ich drehe das Mikrofon meines Headsets weg und kaue in einer Affengeschwindigkeit den Kekskaramellklumpen kleiner, spüre, wie mir der Speichel aus dem Mundwinkel läuft. Ich schlucke runter und wische die Schmiere weg, schiebe das Mikrofon zurück an seinen Platz.

"Candy ist eine exotische Schönheit und süße dreiundzwanzig Jahre alt. Sie ist schlank und zierlich mit festen B-Körbchen-Brüsten, hat einen prallen, kleinen Hintern und eine enge, glatt rasierte Muschi. Ihre Haut ist milchkaffeebraun, und sie hat lange schwarze Haare."

"Okay."

In Wirklichkeit habe ich keine Ahnung, wie alt sie ist, eigentlich sieht sie sogar jünger aus als dreiundzwanzig. Aber wer weiß das schon so genau, ich hatte schon immer Schwierigkeiten, das Alter von Leuten zu schätzen. Ich habe mir für jedes der Mädchen einen kleinen Verkaufstext ausgedacht, den ich je nach dem Bedürfnis, das ich im Gespräch mit dem Kunden heraushöre, ändern kann. Das kann ich gut, ich spüre, was sie wollen, außerdem liegt das auch an meiner Stimme, die klingt nett und unverfänglich, und darum fühlen sich die Männer gut aufgehoben.

"Hast du Sonderwünsche?"

Er zögert etwas mit seiner Antwort.

"Nur ganz normal eben?"

"Candy bietet einen tollen Cocktail, am Anfang ein bisschen Französisch und danach Dänisch."

"Wie, Dänisch, hihi, was ist das denn?"

"Verkehr in der Missionarsstellung."

"Okay, klar."

Wir vereinbaren einen Termin, dann nenne ich ihm die Summe und unsere Adresse. Heute Morgen lagen schon wieder Krümel auf dem Tisch und ein leerer Eiscremebecher auf dem Küchenfußboden. Cream Cheese. Aber ich will da jetzt nicht drüber nachdenken, darum greife ich nach meinem Lion, verabschiede ihn mit den Worten "Dann freuen wir uns auf deinen Besuch!" und will mir gerade das letzte Stück von dem knusprigen Keks mit klebriger Karamellmasse, umhüllt von einer dicken Schicht Vollmilchschokolade, in den Mund schieben, als ihm noch eine Sache einfällt.

"Ja?"

"Ich wollte nur wissen, ob ich sie küssen darf?"

Ich hole tief und absolut geräuschlos Luft.

"Hier ist es so, dass keines der Mädchen küsst. Und wir bestehen auch darauf, dass unsere Kunden alle Kondome benutzen. Es geht vorrangig um die Sicherheit. In erster Linie um die unserer Kunden. Das wirst du doch sicher verstehen?"

"Ja, natürlich. Entschuldige, dass ich gefragt habe."

Ich beende das Telefonat, schüttele den peinlichen Moment ab und widme mich ganz und gar der Schokolade. Immer mehr Kunden wollen küssen oder fragen sogar nach Superfranzösisch, oral ohne Gummi, oder auch Supergriechisch oder Superdänisch. Auf der Straße können sie das alles bekommen, von den Junkies oder den Mädchen, die mehr oder weniger freiwillig importiert worden sind. Allerdings sind in letzter Zeit auch in den Boulevardzeitungen und im Netz Anzeigen aufgetaucht, in denen mit gratis Zungenküssen und Superfranzösisch in "Schönheitssalons" und anderen Etablissements geworben wird. Die Konkurrenz wird immer härter. Auch bei uns im Keller mussten wir schon ein paarmal die Preise senken. Der Zustrom von Frauen aus den lausigsten Ecken der Welt nach Dänemark ist endlos. Sogar unsere Mädchen hier haben immer wieder mal Küsse in ihrem Sortiment, für einen extra Hunni

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