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Ein Stich ins Herz Roman von Pérez-Reverte, Arturo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.07.2014
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Ein Stich ins Herz

Madrid, 1868. Als Astarloa längst glaubt, das Leben hielte keine Überraschungen mehr für ihn bereit, klopft eine bezaubernde Unbekannte an seine Tür: Sie will seinen berühmten Fechtstoß lernen. Aber er hat nicht vor, seine Ruhe aufs Spiel zu setzen, gerade jetzt, wo die Hauptstadt täglich von blutigen Aufständen erschüttert wird. Doch die Anmut der Dame, ihre geheimnisvolle Narbe und die veilchenblauen Augen wecken seine Neugier. Sie wird seine Schülerin, und während des Wechselspiels aus Finte, Angriff und Parade wächst über Wochen eine zarte Liebe heran, bis Adela spurlos verschwindet. Und für den Fechtmeister beginnt eine bodenlose Suche nach der Wahrheit in den Gassen der Stadt ... Arturo Pérez-Reverte erzählt gefühlvoll und rasant von der letzten Chance zweier Menschen. Ein Stich ins Herz beschwört eine Liebe, die sich auflehnt und mit allen Mitteln kämpft - gegen die Verhängnisse einer Epoche und für den einen glücklichen Schlussakkord. Arturo Pérez-Reverte, geboren 1951 im spanischen Cartagena, ist einer der erfolgreichsten Autoren Spaniens. Sein Werk wurde in 41 Sprachen übersetzt, sein Roman Der Club Dumas ist ein Weltbestseller und wurde von Roman Polanski mit Johnny Depp in der Hauptrolle unter dem Titel Die neun Pforten verfilmt. Arturo Pérez-Reverte arbeitete 21 Jahre als Kriegsreporter. Seit 2003 ist er Mitglied der Real Academia Española.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 283
    Erscheinungsdatum: 14.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458736448
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: El maestro de esgrima
    Größe: 4919 kBytes
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Ein Stich ins Herz

I. ÜBER DEN ASSAUT

Ein Assaut unter Ehrenmännern ist eine Vergnügung von gutem Geschmack und vornehmer Erziehung.

Sehr viel später, als Jaime Astarloa versuchte, die Scherben der Tragödie zusammenzulesen und sich zu erinnern, wie alles begonnen hatte, fiel ihm als erstes der Marquis wieder ein. Der Marquis und sein Fechtsaal, aus dessen Fenstern der berühmte Madrider Retiro-Park zu sehen war. Ihm fiel ein, wie die erste Sommerhitze durch die großen, offenen Fenster hereingeflutet war und daß es dem Marquis damals nicht gutging. Er schnaufte wie ein kaputter Blasebalg, das Hemd unter dem Brustschutz war schweißgetränkt. Wahrscheinlich hatte er in der Nacht zuvor mal wieder über die Stränge geschlagen und büßte nun dafür, aber Jaime Astarloa enthielt sich wie gewöhnlich jeden Kommentars. Das Privatleben seiner Kunden ging ihn nichts an. Er beschränkte sich darauf, mit einer Terzparade einen geradezu stümperhaften Angriff abzuwehren, ripostierte und setzte einen Treffer. Der geschmeidige italienische Stahl bog sich, als die abgestumpfte Florettspitze hart auf der Brust seines Gegners aufprallte. "Touché, Exzellenz."

Luis de Ayala-Velate y Vallespín, Marqués de los Alumbres, unterdrückte einen derben Fluch und riß sich wütend die Maske vom Gesicht. Sein Kopf war hochrot vor Hitze und Anstrengung, dicke Schweißtropfen rannen ihm vom Haaransatz in die Augenbrauen und den Schnurrbart.

"Zum Teufel, Don Jaime" - die Stimme des Aristokraten klang beinahe beleidigt - , "wie schaffen Sie das? In weniger als einer Viertelstunde haben Sie mich dreimal ins Gras beißen lassen."

Jaime Astarloa zuckte mit angemessener Bescheidenheit die Schultern und nahm ebenfalls seinen Korb ab. "Heute ist nicht Ihr bester Tag, Exzellenz."

Ein joviales Auflachen war die Antwort. Luis de Ayala durchmaß mit großen Schritten den Fechtsaal, dessen Wände wertvolle flämische Gobelins und eine Sammlung alter Degen, Säbel und Florette schmückten. Seine Haare glichen einer Löwenmähne. Alles an ihm war vital, die große, stämmige Gestalt, die laute Stimme, die theatralische Gestik, seine Gefühlsausbrüche und die fröhliche Kameradschaftlichkeit. Als gutaussehender Junggeselle, Glücksspieler und unverbesserlicher Frauenheld, der noch dazu als wohlhabend galt, war der Marqués de los Alumbres mit seinen vierzig Jahren der typische Lebemann seiner Zeit: Er hatte im Leben noch kein einziges Buch gelesen, statt dessen kannte er die Stammbäume sämtlicher Rennpferde auswendig, die irgendwann einmal in London, Paris oder Wien gesiegt hatten.

Was das schöne Geschlecht betraf, so bescherte er der vornehmen Madrider Gesellschaft immer wieder Skandale. Die bloße Erwähnung seines Namens genügte, um die Damen von romantischen Liebesabenteuern und wilden Leidenschaften träumen zu lassen. Hinter vorgehaltenen Fächern wurde gemunkelt, er habe während eines Gelages in einer Schenke in Cuatro Caminos sogar einmal eine Messerstecherei provoziert, was allerdings nicht zutraf. Richtig war dagegen, daß er in seinem Gutshof in Malaga den Sohn eines berüchtigten Banditen aufgenommen hatte, nachdem dessen Vater von ihm ins Jenseits befördert worden war. Er hatte auch eine kurze politische Laufbahn absolviert, aber darüber kursierten kaum Gerüchte. Dafür waren seine Liebschaften stadtbekannt, und es hieß, mehr als nur ein erlauchter Gatte habe hinreichend Anlaß, Satisfaktion von ihm zu fordern - ob sie das taten oder nicht, stand freilich auf einem and

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