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Ein unerwarteter Brief Roman von Maleski, Nicolas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 31.01.2019 per Download lieferbar

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Ein unerwarteter Brief

Franck lebt mit seiner Familie in ländlicher Idylle. Während seine Frau Gisèle als Tierärztin das Geld verdient, ist er seinen drei Töchtern ein liebevoller Vater, kümmert sich um den Haushalt, und herrscht als Hobbygärtner über ein wahres Pflanzenparadies. Er liebt seine Frau, der Sex ist gut, das Leben ist schön - bis zu dem Tag, als ein anonymer Brief ins Haus flattert: Gisèle betrüge ihn mit einem Arbeitskollegen. Franck bewahrt zunächst Ruhe. Aber er sieht Gisèle neuerdings mit anderen Augen. Mit ungeahnten Folgen für ihre Ehe ...

Nicholas Maleski ist das Pseudonym eines französischen Autors, der in der Verlagsbranche arbeitet. Ein unerwarteter Brief ist sein Romandebüt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 317
    Erscheinungsdatum: 31.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732560783
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Sous le Compost
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Ein unerwarteter Brief

E s war Nacht, der Wald überzog die Berge mit der dunklen Schwere eines feindseligen Ozeans. Am Nachmittag hatte ich im Kräuterbeet eine dicke Schlange aufgeschreckt, die sich eiligst unter einen Steinhaufen flüchtete - ich hatte sofort die Hühner aus ihrem Gehege gelassen, um ihr klarzumachen, dass sie hier nichts verloren hatte. Dieser Garten war mein Werk, er hatte mich viel Mühe gekostet, und ich verbrachte unzählige Stunden dort. Jeden Tag gab es etwas zu tun, aber diese Tätigkeiten waren gleichermaßen beruhigend und befriedigend. Man sah die Früchte seiner Arbeit und wurde für seine Anstrengungen belohnt. Vorhin hatte ich gegossen, und noch immer verströmte die Erde den Geruch einer wohltuenden Abkühlung. Bei diesem späten Gang über die Bretter zwischen den Beeten ließ ich meinen prüfenden Blick noch einmal auf allem ruhen. Der Himmel war schwarz, hier und da schimmerten Lichtflecken wie die erleuchteten Fenster eines fernen Landsitzes. Mitten in den Rüben scheuchte ich einen Igel auf, der sich nur mühsam voranschleppte. Diese neugierigen kleinen Viecher suchen normalerweise mit unglaublicher Geschwindigkeit das Weite, sobald sie uns riechen. Das Exemplar hier vor mir jedoch war über und über von dicken Zecken befallen, und ich gab keinen Pfifferling mehr auf ihn. Schade, ich hatte nichts gegen diese einsamen Geschöpfe; wegen ihrer Vorliebe, Schnecken und Raupen zu vertilgen, sah ich in ihnen sogar so etwas wie konstruktive Partner. Mein Blick fiel auf eine Schaufel, die noch an einem Pflaumenbaum lehnte. Mit der Kante versetzte ich dem stachligen Panzer einen heftigen Schlag - das Tier wäre ohnehin auf irgendeiner Straße überfahren worden wie die meisten seiner Artgenossen. Bei der Attacke hatte ich ein paar Spritzer abbekommen, also wischte ich mir das Bein mit einem Büschel Gras ab, bevor ich die Überreste des Igels auf den Komposthaufen warf. Ein wenig herrschten hier Gesetze wie im Dschungel, Sentimentalität konnte man sich nicht immer leisten; auch die Bergwelt zeichnete sich dadurch aus, dass sie gleichermaßen wild und fruchtbar war. Hinter dem Schuppen pinkelte ich rasch noch.

Kurz zuvor war Gisèle aus der Klinik zurückgekommen. Ich war in der Küche am Spülbecken damit beschäftigt, eine angebrannte Auflaufform blank zu scheuern, und dachte an nichts Besonderes. Die Mädchen hatte ich bereits ins Bett gebracht, und die Waschmaschine lief auch schon. Jetzt musste ich noch aufräumen. Das Tischtuch war total verdreckt. Keine Ahnung, wie genau es dazu gekommen war. Sie trat zu mir und wollte mich küssen, da hielt ich sie fest und schob sie auf den Tisch. Hastig machte ich mich an ihrer Jeans zu schaffen und zog sie samt Slip herunter. Mit einer Hand knöpfte ich ihre Bluse oben auf, mit der anderen entblößte ich mich selbst. Dann erst sah ich ihr ins Gesicht, es wirkte arglos, sie schloss die Augen, und schon war ich in ihr. Mir wurde schwindlig. Aus dem Radio hinter uns klangen die Abendnachrichten herüber. Es war von einer Katastrophe die Rede, der Sprecher kündigte eine baldige erste Bilanz an, noch lägen keine Angaben über Opfer vor, aber man könne davon ausgehen, dass ihre Zahl hoch sein werde. Ich ging mit aller Gewalt zum Angriff über und presste mich keuchend an ihren Hals, während sich mein Schwanz bis zum Äußersten spannte und in heftigen Stößen verausgabte. Ich wollte gern noch in ihr bleiben, aber sie schob mich sanft und wortlos zurück. Schon bückte sie sich, um anmutig mit einer Hand ihre Kleidungsstücke aufzuheben, und huschte dann ins Badezimmer. Es war drei Wochen her, dass wir zum letzten Mal miteinander geschlafen hatten.

Das Wasser lief noch, als ich ins Haus zurückkehrte. Darüber führte ich erbitterte Streitgespräche mit den Kindern. Ich selbst duschte nur ein paar Sekunden, ich achtete darauf, dass die Wasserhähne zugedreht wurden, dass das Licht ausgemacht wurde und alle diese Dinge; Gisèle hingegen ließ das Wasser einfach fünfun

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