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Ein Vorhang aus Grün von Welty, Eudora (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2019
  • Verlag: kein & aber
eBook (ePUB)
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Ein Vorhang aus Grün

Immer wieder sind es die kleinen Leute der Südstaaten, die Ausgestoßenen und Außenseiter, für die sich Welty interessiert: der schwarze Junge, der auf dem Jahrmarkt einem sensationshungrigen Publikum als Indianermädchen vorgeführt wird; das taubstumme Paar, das seit Jahrzehnten wartet und vergessen hat, worauf; die Witwe, die sich zurückgezogen hat und nur noch hinter den Hecken und Bäumen ihres Gartens - einem Vorhang aus Grün - lebt. Welty gilt vielen nicht nur als die große Südstaaten-Autorin, sondern darüber hinaus als eine der besten US-amerikanischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. "Ein Vorhang aus Grün" vereint zwanzig Erzählungen - eine willkommene Gelegenheit, die hierzulande viel zu wenig bekannte Autorin wiederzuentdecken. Eudora Welty,1909 in Jackson, Mississippi, geboren, gehört wie Carson McCullers und William Faulkner zu den bedeutendsten Südstaaten-Autoren. Mit elf Jahren veröffentlichte sie bereits erste Gedichte, 1941 ihren ersten Erzählband Ein Vorhang aus Grün . Neben weiteren Erzählungen folgten unter anderem die Romane Mein Onkel Daniel , Die Hochzeit und Die Tochter des Optimisten , für den sie 1973 den Pulitzerpreis erhielt. Eudora Welty war auch eine herausragende Fotografin und veröffentlichte mehrere Fotobände. Sie starb am 2001 in Jackson.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 15.04.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783036994147
    Verlag: kein & aber
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Ein Vorhang aus Grün

Lily Daw und die drei Damen

M rs. Watts und Mrs. Carson waren gerade auf dem Postamt in Victory, als der Brief vom Institut für geistig Behinderte in Ellisville, Mississippi, ankam. Aimee Slocum, noch ein Bündel Briefe in der Hand, rannte nach vorn und gab ihn direkt Mrs. Watts, und dann lasen ihn alle drei gemeinsam. Mrs. Watts hielt ihn straff gespannt in ihren rosafarbenen Händen, und Mrs. Carson las langsam mit dem Finger mit, auf dem ein Fingerhut saß. Alle anderen Leute im Postamt fragten sich, was denn jetzt los sei.

"Was wird Lily sagen", strahlte Mrs. Carson schließlich, "wenn wir ihr sagen, dass wir sie nach Ellisville schicken!"

"Sie wird sich wahnsinnig darüber freuen", sagte Mrs. Watts und fügte, an eine schwerhörige Dame gewandt, mit kehliger Stimme hinzu: "Lily Daw bekommt nämlich einen Platz in Ellisville!"

"Dass ihr euch untersteht und es Lily ohne mich sagt!", rief Aimee Slocum und lief zurück, um die Post weiterzusortieren.

"Glauben Sie, dass sie dort in guten Händen ist?", begann Mrs. Carson eine Unterhaltung mit einer Gruppe baptistischer Damen, die im Postamt warteten. Sie war die Frau des Baptistenpredigers.

"Ich habe oft gehört, dass es dort sehr schön sein soll, aber überfüllt", sagte eine von ihnen.

"Lily lässt sich von anderen Leuten immer so schlecht behandeln", sagte eine andere.

"Gestern, während der Vorstellung im Zelt -", sagte eine dritte und hielt sich dann mit der Hand den Mund zu.

"Ach, lassen Sie nur, ich weiß doch, dass es solche Dinge auf der Welt gibt", sagte Mrs. Carson mit gesenktem Blick und fingerte an einem Maßband über ihrer Brust herum.

"Oh, Mrs. Carson. Also gut, jedenfalls gestern Abend in der Vorstellung, na ja, der Mann knöpfte Lily um ein Haar Geld für eine Eintrittskarte ab."

"Eine Eintrittskarte!"

"Bis mein Mann hinging und ihm erklärte, dass sie nicht ganz normal im Kopf ist, und das sagten alle anderen auch."

Die Damen schnalzten mit der Zunge.

"Ach, es war wirklich eine schöne Vorführung", sagte die Dame, die dort gewesen war. "Und Lily führte sich so gut auf. Sie war eine perfekte kleine Dame - sie saß einfach auf ihrem Platz und starrte nach vorn."

"Ja, sie kann ganz damenhaft sein - das kann sie wirklich", sagte Mrs. Carson, schüttelte den Kopf und blickte nach oben. "Genau das bricht einem ja das Herz."

"Ja, sie schaute andauernd auf das - wie heißt das Ding noch mal, das so viel Krach macht? - das Xylophon", sagte die Dame. "Schaute die ganze Zeit nicht einmal nach links oder nach rechts. Sie saß direkt vor mir."

"Die Frage ist nur, was hat sie nach der Vorstellung gemacht?", fragte Mrs. Watts sehr praktisch. "Lily ist für ihr Alter einfach schon sehr entwickelt."

"Oh, Etta!", protestierte Mrs. Carson und schaute sie einen Augenblick lang entsetzt an.

"Deshalb schicken wir sie ja auch nach Ellisville", schloss Mrs. Watts.

"Jetzt bin ich endlich fertig", sagte Aimee Slocum und kam mit weiß gepudertem Gesicht angelaufen. "Die Post ist sortiert. Ich weiß aber nicht, wie gut sie sortiert ist."

"Nun, ich hoffe natürlich, es ist das Beste für sie", sagten einige der anderen Damen. Sie gingen nicht sofort zu ihren Postfächern, um nach Briefen zu schauen. Sie fühlten sich etwas ausgeschlossen.

Die drei Frauen standen am Fuß des Wasserturms.

"Es ist schwer, Lily zu finden", sagte Aimee Slocum.

"Wo in aller Welt glauben Sie, dass sie steckt?" Es war Mrs. Watts, die den Brief an sich genommen hatte.

"Ich sehe weder auf dieser Straßenseite noch auf der anderen eine Spur von ihr", erklärte Mrs. Carson, während sie weitergingen.

Ed Newton fädelte Redbird-Blöcke für die Schule auf einen Draht auf, den er quer durch den Laden spannte.

"Falls ihr hinter Lily her seid, die war vor 'ner Weile hier und hat mir gesagt, dass sie ihre Hochzeit vo

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