text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Eisenhut von Zai, Tom (eBook)

  • Verlag: C.F. Portmann Verlag
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Eisenhut

"Eisenhut ist ein Roadmovie in Buchform. In flottem Tempo strampelt der Protagonist Werner Schmid von Schauplatz zu Schauplatz, immer auf der Suche - immer auch auf der Flucht. "... Der Murter Sattel mit den Berggipfeln links und rechts, das ganze Panorama der Engadiner Berge, sie verschwammen mehr und mehr, fielen zurück in Zeit und Raum. Alles schien sich aufzulösen in Klang, in Schwingung, in Visionen ... ... "Du wirst den Ton hören, wenn du den Eisenhut gegessen hast", gab das Murmeltier nun preis. Damit machte es das Rätsel für Werner Schmid aber nur noch grösser. "Erst wenn du den Eisenhut gegessen hast, wirst du ein richtiger Helmträger sein." ... ... Sein Rad erschien ihm wie ein Schlüssel, der ihm den Weg aus dem Mittelalter heraus in die Gegenwart eröffnete. Nicht, dass er die aktuelle Gegenwart gemocht hätte. Gemocht hatte er sein anderes Leben, welches nun so unendlich weit weg war und so unwirklich schien, als ob es nie stattgefunden hätte ... Tom Zai - der Klang seines Namens liesse vermuten, er sei Chinese. Tatsächlich gibt es bestimmt mehr Tom Zais in China als in der Schweiz. Wie auch immer, Tom Zai stammt aus der Ostschweiz und ist Jahrgang 1965. Er arbeitet hauptberuflich als Primarlehrer. Die Idee zum Roman Eisenhut hatte er 2001 während eines Fortbildungskurses im Schweizerischen Nationalpark im Engadin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 326
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783906014050
    Verlag: C.F. Portmann Verlag
    Größe: 367 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Eisenhut

Kapitel 5

Schon beim Abstieg nach Zernez war Werner Schmid aufgefallen, dass unten im Tal aussergewöhnlich viele Autos unterwegs waren. Ab und zu waren Sirenen zu hören, Polizei, Sanität oder Feuerwehr. Gesehen hatte er die Fahrzeuge nicht. Als er schliesslich in Zernez war, fand er das Dorf in grosser Unordnung. Vor zwei Tagen noch, als der Kurs gestartet war, hatte er den Ort als ruhig und beschaulich erlebt. Nun glich die Stimmung der eines Winterschlussverkaufs unter verschärften Bedingungen. Autos waren überall. Die Parkplätze, Strassen, Gehsteige, Einfahrten waren völlig verstopft. Entnervte Menschen fuchtelten aus halb heruntergelassenen Autofenstern und schrien sich gegenseitig an, bedrohten sich mit den unfreundlichsten Worten.

Viele Menschen waren aber auch zu Fuss unterwegs. Die meisten schleppten schwere Taschen und hatten es furchtbar eilig. Besonders viele Leute waren in Lebensmittelgeschäften. Die Leute kauften ein, als ob das Einkaufen demnächst verboten würde. Die Bank wurde praktisch gestürmt. Trauben von Menschen vor dem Geldautomaten, drinnen panikartiges Geldabheben.

Überall stach besonders die Aggressivität der Menschen ins Auge, die Aggressivität und die Hektik. Nicht einmal, als die Feuerwehr mit Blaulicht und Sirenen sich einen Weg durch die Menge zu bahnen versuchte, reagierten die Menschen in irgendeiner Weise kooperativ.

Jeder und jede schien dermassen mit sich selbst beschäftigt zu sein, dass den Ordnungs- und Einsatzkräften keine Priorität mehr zuerkannt wurde.

Werner Schmid, selber Mitglied der Feuerwehr seines Heimatdorfes Filzbach, wurde wütend ob dieser Ignoranz der Leute gegenüber den Einsatzkräften.

Was war bloss los in diesem Zernez, dass die Leute derart aus dem Häuschen waren?

Schmid fasste das Bündel mit dem Umhang und dem Helm fester und beschloss, nun so schnell wie möglich zum Nationalparkhaus zu gehen. Dieses erschien ihm wie der sichere Hafen in diesem Chaos. Es war schliesslich das Einzige, was er hier kannte. Weit war es nicht mehr. Er folgte der Strasse Richtung Ofenpass.

Als er an der Schulanlage vorbeikam, fiel ihm auf, dass viele Wände besprayt waren. Das meiste war völlig unlesbar. Ihm stachen aber vor allem die Hakenkreuze ins Auge. Hakenkreuze auf Schulhausmauern? Völlig unmöglich! Wieso die nicht sofort weggemacht worden waren, konnte er nicht verstehen. An seiner Schule hätte es das nicht gegeben.

Was er entziffern konnte, hätte gereicht, um eine Samstagabendshow mit dem Titel "die 100 verbotensten Ausdrücke" zu gestalten. An einem Garagentor stand in übergrosser, roter Schrift: "Besorg's mir!". Eine Handynummer war auch vermerkt.

Es waren zwar im Moment Sommerferien. Aber dies konnte keine Erklärung dafür sein, weshalb diese Schmierereien nicht sofort entfernt worden waren oder überhaupt hatten angebracht werden können.

Die öffentliche Ordnung konnte nicht mehr voll und ganz hergestellt sein. Dieser Schluss warf aber nur weitere, sehr beunruhigende Fragen auf.

Endlich war er beim Nationalparkhaus angekommen. Sofort ging er durch den Haupteingang ins Innere des Hauses. Das Haus war offen, aber er traf auf keine Menschenseele. Im Ausstellungsraum war niemand. An der Kasse hatte er schon nachgesehen und ebenso in den Büros. Werner Schmid ging noch in den Keller. Dort hatten sie am Montag ihr überschüssiges Gepäck deponiert. In einem der Archivräume fand er endlich jemanden.

Die Frau erschreckte sich beinahe zu Tode, als sie ihn sah. Sie reagierte völlig hysterisch, packte einen Hocker bei den Füssen und flackerte wie irre mit den Augen. Die Frau hatte offensichtlich panische Angst vor ihm.

Sie kreischte etwas auf Romanisch, das Werner Schmid nicht verstehen konnte. Es war aber unmissverständlich, dass sie sich bedroht fühlte und ihn von hier weghaben wollte.

Er hob die Hände, um ihr zu bedeuten, dass sie von ihm nichts zu befürchten hätte. Dies hatte allerdings

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen