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Elisabeth von Landsberger, Artur Hermann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.01.2016
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Elisabeth

Deutschland zwischen den Weltkriegen. Die Feindschaft der Siegermacht Frankreich ist besonders am Rhein zu spüren. Dorthin ist die junge Elisabeth Grothe mit ihrem todkranken Verlobten Reinhardt gezogen, der sich von den Qualen der Kriegsgefangenschaft erholen soll. Als sich die junge Frau gegen eine plötzliche Einquartierung französischer Soldaten wehrt, ahnt sie noch nichts von der schleichenden Bedrohung, die ihre bisher wohlgeordnete Welt zerstören wird. Als nach und nach ihre Familie an den Rhein kommt, nimmt das Drama seinen Lauf. Umsonst überlässt die Mutter die Villa mit dem gesamten Inventar den Franzosen für ein Bleiberecht. Bruder Erich, einst glühender Kommunist, wird verhaftet. Schwester Lotte wird von Soldaten entführt und kommt völlig verstört zurück. Und die lebenslustige Edith, obwohl verheiratet, lässt sich von einem Leutnant verführen. Als eines Nachts der Offizier in ihrem Haus in Elisabeths Zimmer schleicht, weiß sie nur noch einen Ausweg ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 15.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711488485
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1988 kBytes
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Elisabeth

Erstes Kapitel

"Die Juden - sind - an allem Unglück - schuld," sagte Paul Schäfer, das Gebetbuch in der Hand, zu seinem Nachbarn.

Und die Gemeinde sang:

Du hast den Geist gegeben,

Der Trost im Herzen schafft,

Zu höherm Tugendleben

Dem Sünder gibt die Kraft.

"Ausrotten - muß man - sie," fuhr Schäfer fort. "Mit Stumpf und Stiel. - Ohne Gnade!"

Der Angeredete wandte sich ab, und die Gemeinde sang:

Send uns den Geist der Liebe,

Den Geist voll Licht und Kraft;

Besieg in uns die Triebe

Der bösen Leidenschaft.

"Und wer sich diesem Reinigungsprozeß entzieht," sagte Schäfer und dämpfte die Stimme - denn eine Dame vor ihm wandte den Kopf und forderte Ruhe - "verdient nicht, Deutscher zu sein."

Beug auch die stolzen Seelen,

Laß sie die Wahrheit sehn,

Laß alle, welche fehlen,

Zu dir um Gnade flehn.

Schäfers Nachbar, Wilhelm Fürst, klappte das Gebetbuch zu und sagte:

"Quatsch!"

"Was?" fragte Schäfer.

"Alles!" erwiderte der, schob sich durch die Reihe der Betenden und traf im Mittelgang mit Erich Grothe, einem hochaufgeschossenen jungen Menschen, zusammen, der auf ein verabredetes Zeichen hin ebenfalls seinen Platz verlassen hatte.

Als sie durch das Portal ins Freie traten, sagte Fürst:

"Theater!"

Der junge Grothe machte ein nachdenkliches Gesicht und erwiderte zögernd:

"Fandst du nicht, daß die Predigt ..."

"Heuchelei!" fiel der ihm ins Wort. "Als ob die Welt stillstände! Seit zweitausend Jahren immer dasselbe."

"Und doch deckt sich, was er von der Nächstenliebe sagt und daß alle Menschen vor Gott gleich sind, mit unserem Programm."

"Vor Gott!" wiederholte Fürst verächtlich. "Wenn ich das höre, steigt mir der Zorn auf."

"Die Menschen glauben es doch."

"Leider!" erwiderte Fürst und verkündete mit Pathos: "Aber wir sind dazu berufen, ihnen einzuhämmern, daß man sie belügt."

Der um ein paar Jahre jüngere Grothe nickte mit dem Kopf, und Wilhelm Fürst fuhr fort:

"Wir Kommunisten lösen die auf das Jenseits ausgestellten Wechsel auf Erden ein! Wir erfüllen, sobald wir die Macht in Händen haben."

"Hätten wir sie nur erst!" sagte der junge Grothe. Fürst sah ihn scharf an und erwiderte:

"Das hängt davon ab, daß jeder einzelne von uns seine Pflicht tut."

Da griff der junge Grothe in die Tasche und zog ein Kuvert hervor, das Fürst - da grade Leute aus der Kirche kamen - schnell an sich nahm.

"Drei?" fragte Fürst, und Grothe erwiderte:

"Viereinhalb."

"Um so besser! Denn um so schneller werden wir zum Ziele kommen. - Wo hast du's her?"

"Mit dreitausend sollte ich meinen Schneider bezahlen und fünfzehnhundert habe ich aus dem Schreibtisch meines alten Herrn genommen."

"Damit hast du nur deine Pflicht getan."

"Ich will ja gewiß alles tun, was die Sache erfordert," erwiderte der junge Grothe. "Nur dies Komödiespielen ertrage ich nicht länger."

"Wir wollen die Welt zum Guten erlösen, Erich!" erwiderte Wilhelm Fürst feierlich. "Da ist jedes Mittel erlaubt, das uns dem hohen Ziel näherbringt."

Der junge Grothe drückte dem Freunde die Hand und sagte:

"Verlaß dich auf mich."

Dann trennten sie sich.

Die Kirche war aus. Der weite Platz füllte sich mit Menschen. Fuhrwerke und Autos setzten sich nach dem Brandenbuger Tor zu in Bewegung.

Ein elegantes Fuhrwerk, in dem. Frau Jenny Grothe mit ihren drei Töchtern saß, fuhr vorüber.

"Erich!!" riefen die jungen Mädchen, und Frau Jenny wandte den Kopf, gab dem Diener ein Zeichen und ließ halten. Der junge Grothe trat an den Wagen; sie sprachen miteinander.

Von der Kirche Heimkehrende blieben stehen.

"Diese Mutter mit ihren drei Töchtern sind eine Sehenswürdigkeit!" sagte Frau Schäfer, die am Arme ihres Sohnes Paul hing, und wies auf den Wagen.

"Wer sie nich

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