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Elvis hat das Gebäude verlassen Roman von Zadow, Max (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.09.2015
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Elvis hat das Gebäude verlassen

Ohne böse Vorahnung begleitet Max Zadow seine Freundin Laura aufs Land, angeblich nur um einen Wurf süßer Katzenbabys zu bewundern. Denn was tut man selbst als Katzenhasser nicht alles für die große Liebe. Erst als Kater Elvis auf der Rückfahrt mit im Auto sitzt, schwant Max Übles. Tatsächlich macht ihn Elvis in den folgenden Nächten mit seinem Gesang wahnsinnig. Dafür hasst Elvis den Staubsauger, was Max regelmäßig ausnutzt, um sich an der kleinen Heulboje zu rächen. Bis der fiese Nachbar Dr. Hiller den Kater ins Visier nimmt - und Max merkt, wie sehr Elvis mittlerweile sein Herz erobert hat ... Max Zadow, geboren 1986, hat Geographie studiert und lebt in der Nähe von Köln. Seit Sommer 2012 ist er eher unfreiwilliger Katzenbesitzer. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten zwischen Kater und Autor ist der allabendliche Spaziergang Pflichtprogramm für die beiden Herren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 11.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843711180
    Verlag: Ullstein
    Größe: 1209 kBytes
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Elvis hat das Gebäude verlassen

Kapitel 1

Süße kleine Mini-Kätzchen-Babys

Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache. Das Navi führt uns immer weiter raus aus der Stadt durch immer kleinere Dörfchen. Längere Zeit schon gab es kein offizielles Ortseingangsschild mehr. Nur hin und wieder mal ein hölzernes Willkommensschild, dicht gefolgt von einem hölzernen Auf-Wiedersehen-Schild, wahlweise mit gelben oder roten Stiefmütterchen im obligatorischen Holzwannenblumenkasten: "Willkommen in Klein-Endschwick", Bauernhaus, Scheune, Schuppen, "Auf Wiedersehen in Klein-Endschwick", "FEUERWEHRFEST DER FREIWILLIGEN FEUERWEHR KLEIN-ENDSCHWICK AM 18.05." Wie kann so ein Kaff nur eine eigene Feuerwehr haben? Selbst mit allen Schafen aus dem Dorf erreichen die maximal die halbe Sollstärke eines Mannschaftswagens. Obwohl ich gerade mal etwas mehr als 60 km/h fahre, rauscht der Ort nur so an mir vorbei. Mir geht das immer noch alles viel zu schnell. Laura hingegen rutscht nervös auf dem Beifahrersitz hin und her. "Kannst du nicht ein bisschen schneller fahren?"

"Schatz, das ist eine unbekannte Strecke. Da will ich nichts riskieren."

Ich lüge schlecht, aber Laura merkt es vor lauter Aufregung gar nicht. "Hauptsache, wir kommen bald an!"

"Bestimmt", sage ich und gehe unmerklich noch etwas vom Gas. Die Navi-Anzeige springt von 39 auf 40 Minuten verbleibende Fahrtdauer.

"Ich freu mich so auf die süßen kleinen Putzelmänner!"

"Ich mich auch."

Putzelmann. Das ist in Lauras Welt der aktuelle Terminus technicus für alles Lebendige mit Fell, das irgendwie klein und süß ist. Im Moment liegt der Fokus aber auf Katzen, Katzenbabys im Speziellen. Weil das seit Wochen so geht, habe ich mich von ihr breitschlagen lassen, zu einem Bauernhof zu fahren, wo es gerade einen Wurf junger Kätzchen gibt. Ich habe schon wieder vergessen, woher sie diese Info überhaupt hat. Ich glaube, die Mutter einer Freundin eines Arbeitskollegen von Laura ist die Cousine von der Bäuerin. Oder so. Wahrscheinlich stehen noch fünf oder sechs Beziehungsstufen mehr dazwischen. Beeindruckend, was für einen Einsatz Laura entwickelt, wenn sie etwas will. Auf so ein Netzwerk dürfte selbst ein Spitzenpolitiker neidisch werden. Bei dem Gedanken daran, wie dumm ich mich angestellt habe, greife ich noch etwas fester ins Lenkrad, so dass meine Knöchel weiß hervortreten.

"Lass uns doch am Wochenende zu diesem Bauernhof fahren. Die haben süße kleine Mini-Kätzchen-Babys."

Keine Antwort geben. Alternativproblem schaffen, um Zeit zu gewinnen. "Das ist eine Tautologie."

"Was?"

"Tautologie."

"Max, was redest du?"

"Kleine Mini-Kätzchen-Babys. Das ist eine Tautologie. Gleich mehrfach."

"Was?"

"'Klein', das vorangestellte 'Mini', die Endung '-chen' und schließlich ein 'Baby' am Ende. Das meint doch alles dasselbe. Nämlich, dass es sich um Katzenjunge handelt. Da es dir bei all diesen Verniedlichungen offenbar darum geht, zu sagen, wie 'putzig' die sind, könnte man auch noch das 'süß' in diese Hypertautologie aufnehmen. Süße kleine Mini-Kätzchen-Babys. Tautologie."

Unbeeindruckter bis genervter Blick, Klugscheißerei als Ablenkungsmanöver gescheitert, zweite Angriffswelle umso beharrlicher. "Ist doch egal. Fahren wir da jetzt hin oder nicht? Nur mal so zum Gucken natürlich."

Noch mal kurz Zeit gewinnen, Gegner noch weiter kommen lassen, auf möglichen Fehler der Gegenseite hoffen. "Hmm ... ich weiß nicht ..."

"Du hast doch eh nichts vor. Da kannst du auch wirklich mal wieder was mit deiner Freundin machen!"

Ach herrje, die Schuldgefühlkarte wird gespielt, Abwehrmaßnahme: Konflikt mit Termin von überragend wichtiger Bedeutung schaffen. "Aber Wochenende ist schlecht. Für Samstag hat Schulz Karten fürs Eishockey besorgt. Letztes Spiel dieser Saison!"

Dummer Anfängerfehler, sich eine Ausrede für nur einen Tag auszudenken. Das ist mir im Nachhinein natürlich klar.

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