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Emma von Austen, Jane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2018
  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Emma

Emma Woodhouse ist gutherzig, kapriziös, verwöhnt, auch ein wenig arrogant, aber bei allen Mängeln sympathisch, meint in ihrer Umgebung Vorsehung spielen zu müssen und versucht, wie es ihr die Phantasie gerade eingibt, ihre männlichen und weiblichen Bekannten miteinander zu verheiraten. Das geht natürlich ständig schief, und es gelingt ihr auf diese Weise, das stille, eintönige Highbury gründlich durcheinanderzuwirbeln. Schließlich kommt auch sie, die nie heiraten wollte, zu Vernunft und Ehemann. Das Leben Jane Austens (1775 bis 1817) verlief ähnlich unberührt von den historischen Ereignissen ihrer Zeit wie das ihrer Heldinnen und Helden. Ihre Welt war die verträumte Provinz, doch entdeckte sie hier eine überraschende Vielfalt der Temperamente und Typen, die sie mit heiter-ironischem Humor und kritischem Blick in ihren Romanen nachzeichnete. Durch ihre geradezu modern anmutende Kunst der Seelenanalyse entstand ein Bild menschlicher Tugenden und Unzulänglichkeiten, das bis heute nichts von seiner Farbigkeit und Frische verloren hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 560
    Erscheinungsdatum: 28.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257608540
    Verlag: Diogenes
    Größe: 1203 kBytes
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Emma

{7} ERSTES BUCH

Erstes Kapitel

Emma Woodhouse, hübsch, intelligent und reich, mit einem behaglichen Heim und glücklichen Gaben ausgestattet, schien einige der besten Segnungen des Daseins auf sich zu vereinen und hatte in den knapp einundzwanzig Jahren, die sie auf der Welt war, sehr wenig Kummer und Sorge kennengelernt.

Sie war die jüngere von den beiden Töchtern eines sehr liebevollen, weichherzigen Vaters und hatte ihm nach der Heirat ihrer Schwester schon frühzeitig das Haus geführt. Ihre Mutter war zu lange tot, als daß Emma mehr als einige undeutliche Erinnerungen an ihre Zärtlichkeit bewahrt hätte, und an ihre Stelle war eine vortreffliche Gouvernante getreten, die nicht viel weniger Liebe aufgebracht hatte als eine Mutter.

Sechzehn Jahre hatte Miss Taylor zur Familie von Mr. Woodhouse gehört, war den Mädchen mehr eine Freundin als eine Erzieherin gewesen und hatte sie beide in ihr Herz geschlossen, besonders aber Emma. Zwischen ihnen bestand ein inniges schwesterliches Verhältnis. Schon ehe Miss Taylor aufgehört hatte, dem Namen nach das Amt einer Erzieherin zu versehen, hatte ihr mildes Wesen es ihr kaum je gestattet, irgendwelchen Zwang auszuüben. Dieser Schatten von Autorität war inzwischen längst dahin, und seither hatten sie wie zwei Freundinnen miteinander gelebt und sehr aneinander gehangen, und Emma hatte getan, was ihr paßte; denn sie schätzte Miss Taylors Urteil hoch, ließ sich aber gewöhnlich von ihrem eigenen leiten.

{8} Die eigentlichen Übel in Emmas Lage waren ihre Macht, in gar zu vielen Dingen ihren eigenen Willen zu haben, und ihre Neigung, ein wenig zu gut über sich selbst zu denken. Das waren die einzigen Nachteile, die ihre vielen Freuden zu schmälern drohten. Vorerst jedoch ahnte Emma so wenig von dieser Gefahr, daß sie darin durchaus kein Unglück sah.

Der Kummer kam - ein milder Kummer, aber keineswegs in unangenehm bewußter Form. Miss Taylor heiratete. Miss Taylor zu verlieren bereitete ihr die erste Trübsal. Am Hochzeitstage ihrer geliebten Freundin machte sich Emma zum ersten Male traurige Gedanken von einiger Dauer. Als die Hochzeit vorbei und das Brautpaar fort war, mußte sich Emma mit ihrem Vater allein zu Tisch setzen, und sie hatten keine Aussicht, daß ein Dritter ihnen helfen würde, den langen Abend zu verkürzen. Nach dem Essen schlief ihr Vater wie gewöhnlich ein, und sie hatte nichts Besseres zu tun, als darüber nachzudenken, was sie verloren hatte.

Das Ereignis versprach in jeder Hinsicht, ihre Freundin glücklich zu machen. Mr. Weston hatte einen untadeligen Ruf, ein beträchtliches Vermögen, das passende Alter und angenehme Umgangsformen; und es lag etwas Befriedigendes in dem Gedanken, wie uneigennützig und großmütig sie als Freundin diese Verbindung immer herbeigewünscht und gefördert hatte. Für Emma selbst jedoch war es ein schwarzer Vormittag. Daß ihr Miss Taylor fehlte, würde sie von nun an täglich und stündlich spüren. Sie mußte daran denken, wie gut sie zu ihr gewesen war. Sechzehn lange Jahre hatte Miss Taylor sie freundlich und liebevoll umhegt, hatte sie von ihrem fünften Lebensjahr an unterrichtet, hatte mit ihr gespielt, hatte sich, wenn Emma gesund war, mit allen Kräften bemüht, ihr Herz zu gewinnen und sie zu zerstreuen - und hatte sie während der mannigfachen Krankheiten ihrer Kindheit gepflegt. Dafür stand Emma tief in ihrer Schuld; doch der Umgang der letzten sieben Jahre, die Gleichheit und die rückhaltlose Offenheit, die {9} sich bald nach Isabellas Heirat zwischen ihnen eingestellt hatte, als sie nur noch füreinander da waren - das war ihr eine noch teurere, noch liebere Erinnerung. Miss Taylor war ihr eine Freundin und Gefährtin gewesen, wie sie nur wenige besaßen: verständig, kenntnisreich, hilfsbereit, freundlich, mit allen Gewohnheiten der Familie vertraut, an all ihren Belangen i

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