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Enemy Der Doppelgänger von Saramago, José (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.04.2014
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Enemy

Unter dem Titel "Enemy" kam 2014 die von Denis Villeneuve umgesetzte Verfilmung José Saramagos Romans "Der Doppelgänger" mit Jake Gylenhaal in der Hauptrolle in die deutschen Kinos. Der Geschichtslehrer Tertulian Máximo Afonso ist perplex, als er beim Anschauen eines Videofilms feststellt, dass eine Nebenfigur ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Wie er herausfindet, handelt es sich bei seinem Doppelgänger um den Schauspieler António Claro, und tatsächlich geht es hier um mehr als eine gewisse Ähnlichkeit: Beide sind absolut identisch. Eine Tatsache, die den Lehrer völlig aus der Bahn wirft und sein Leben von Grund auf verändert. José Saramago (1922 - 2010) wurde in Azinhaga in der portugiesischen Provinz Ribatejo geboren. Er entstammt einer Landarbeiterfamilie und arbeitete als Maschinenschlosser, technischer Zeichner und Angestellter. Später war er Mitarbeiter eines Verlags und Journalist, bevor er Schriftsteller wurde. Während der Salazar-Diktatur gehörte er zur Opposition.1998 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 30.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455812688
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 791 kBytes
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Enemy

Nicht einmal Tertuliano Máximo Afonso selbst könnte mit Gewissheit sagen, ob der Schlaf ihn noch einmal in seine barmherzigen Arme schloss, nachdem er diese für ihn so entsetzliche Entdeckung gemacht hatte, nämlich dass es einen Mann gab, vielleicht sogar in seiner Stadt, der vom Gesicht und der Gesamterscheinung her sein lebendiges Ebenbild war. Nachdem er lange das Foto von vor fünf Jahren mit der Großaufnahme des Rezeptionisten verglichen hatte, nachdem er zwischen dem einen und dem anderen keinen einzigen, nicht einmal den winzigsten Unterschied gefunden hatte, eine klitzekleine Falte zumindest, die der eine hatte und der andere nicht, ließ sich Tertuliano Máximo Afonso auf das Sofa fallen, nicht auf den Stuhl, denn der war nicht groß genug, um den physischen und psychischen Zusammenbruch seines Körpers aufzufangen, und versuchte dort, den Kopf in die Hände gestützt, mit blank liegenden Nerven und revoltierendem Magen, seine Gedanken zu ordnen, sie aus dem Chaos der Gefühle zu befreien, das in dem Augenblick ausgelöst worden war, da die heimlich hinter dem geschlossenen Vorhang seiner Augen wachende Erinnerung ihn urplötzlich aus seinem ersten und einzigen Schlaf gerissen hatte. Was mich am meisten verwirrt, dachte er mühsam, ist nicht so sehr die Tatsache, dass dieser Kerl mir ähnlich sieht, sozusagen eine Kopie von mir ist, ein Duplikat, solche Fälle hat es schon öfter gegeben, da wären die Zwillinge zu nennen, die Doppelgänger, die Typen wiederholen sich, der Mensch wiederholt sich, der Kopf, der Rumpf, die Arme, die Beine, und daher könnte es auch möglich sein, sicher bin ich mir zwar nicht, es ist lediglich eine Vermutung, dass eine zufällige Veränderung an einem genetischen Bauplan ein Wesen hervorbringt, das einem anderen Wesen, welches aus einem genetischen Bauplan hervorgegangen ist, der zu Ersterem in keinerlei Beziehung steht, stark ähnelt, was mich verwirrt, ist weniger das, sondern das Wissen, dass ich vor fünf Jahren genau so war wie er damals, sogar den Schnurrbart trugen wir beide, und mehr noch verwirrt mich die Möglichkeit, was sage ich, die Wahrscheinlichkeit, dass diese Gleichheit fünf Jahre später, also heute, genau jetzt, zu dieser frühen Morgenstunde, immer noch besteht, als müsste eine Veränderung bei mir dieselbe Veränderung bei ihm hervorrufen, oder schlimmer noch, einer sich nicht verändern, weil der andere sich verändert hat, aber wenn die Veränderung gleichzeitig erfolgt, ist das Ganze doch eine unlösbare Angelegenheit, ja, natürlich darf ich keine Tragödie daraus machen, alles, was passieren kann, wird auch passieren, das wissen wir, zuerst hat der Zufall uns gleich gemacht, dann kam der Zufall eines Films, von dem ich nie gehört hatte, ich hätte auch weiterleben können, ohne mir je vorzustellen, dass ein solches Phänomen sich ausgerechnet in einem gemeinen Geschichtslehrer manifestiert, der vor wenigen Stunden noch die Irrtümer seiner Schüler korrigiert hat und nun nicht weiß, was er mit dem Irrtum machen soll, in den er sich selbst urplötzlich verwandelt hat. Bin ich wirklich ein Irrtum, fragte er sich, und, angenommen, ich bin tatsächlich einer, was mag das für einen Menschen bedeuten, was für Auswirkungen hat es zu wissen, dass man ein Irrtum ist. Ein kurzer Angstschauder lief ihm über den Rücken, und er dachte, bestimmte Dinge lässt man besser, wie sie sind, sonst besteht die Gefahr, dass die anderen und, was noch schlimmer wäre, durch ihre Augen auch wir diese verborgene Abweichung entdecken, die wir alle seit unserer Geburt in uns tragen und die, ungeduldig an den Nägeln kauend, nur auf den Tag wartet, an dem sie sich zeigen und verkünden kann, Hier bin ich. Das Gewicht dieser

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