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Erzählungen von Lagerlöf, Selma (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.11.2016
  • Verlag: Nexx
eBook (ePUB)
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Erzählungen

Ihre abwechslungsreichen Erzählungen faszinieren auch heute noch durch ihre bildliche, greifbare Erzählweise, die den Leser fesselt. Ob im hohen Norden oder in Israel zu Kaiser Tiberius' Zeiten - es fällt schwer, das Buch zur Seite zu legen ...

Selma Lagerlöf (1858-1940) ist eine der bekanntesten schwedischen Autorinnen. Die ausgebildete Lehrerin erhielt 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur. In Deutschland ist sie vor allem für ihre Nils Holgersson-Erzählungen bekannt. Sie setzte sich zeitlebens für das Frauenwahlrecht und den Pazifismus ein.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 13.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958706002
    Verlag: Nexx
    Größe: 798kBytes
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Erzählungen

Die Ausgesandte

Acht Tage nach seinem Tod wurde Herr Arne in der Kirche von Solberga beigesetzt und an demselben Tag wurde auf dem Thing-Platz von Branehög Untersuchung über den Mord gehalten.

Aber Herr Arne war ein wohlbekannter Mann in Bohuslän gewesen und an seinem Begräbnistag kamen so viele Menschen, vom Festland wie von den Schären, zusammen, dass es war, wie wenn ein Kriegsheer sich um seinen Anführer sammelt. Und über die Felder zwischen der Kirche von Solberga und Branehög wanderten so viele Leute, dass es am Abend keinen Zollbreit Schnee gab, der nicht von Menschen niedergetreten war.

Doch spät nachts, als alle diese Leute ihrer Wege gezogen waren, kam Torarin, der Fischkrämer, den Weg von Branehög herauf nach Solberga gefahren.

Torarin hatte im Laufe des Tages mit vielen Menschen gesprochen. Wieder und wieder hatte er von Herrn Arnes Tod erzählt. Er war auch auf dem Thing-Platz wohl verpflegt worden und hatte so manchen Bierkrug leeren müssen, mit Wanderern, die von weither kamen.

Torarin fühlte sich schwer und träge, er hatte sich auf seiner Fuhre niedergelegt. Er war betrübt, dass Herr Arne dahingegangen war, und als er in die Nähe des Pfarrhofs kam, begannen ihn noch schwerere Gedanken zu quälen. "Grim, mein Hund", sagte er, "wenn ich an dieses Vorzeichen mit den Messern geglaubt hätte, hätte ich das ganze Unheil abwehren können. Ich denke oft daran, Grim, mein Hund. Mir ist so ängstlich zumute, ganz, als hätte ich selbst mit dazu geholfen, Herrn Arne aus der Welt zu schaffen. Merke nun wohl, was ich sage: Wenn ich das nächste Mal so etwas höre, werde ich es glauben und mich danach richten."

Aber während Torarin auf dem Wagen lag und mit halbgeschlossenen Augen vor sich hindämmerte, ging sein Pferd, wie es ihm gefiel; und als es zum Pfarrhof von Solberga kam, da trabte es aus alter Gewohnheit in den Hof und ging bis zur Stalltür. Torarin wusste von nichts. Erst als das Pferd stehen blieb, richtete er sich auf und sah sich um. Er schauderte zusammen, als er sah, dass er sich auf dem Hof vor einem Haus befand, wo erst vor einer Woche so viele Menschen ermordet worden waren.

Er griff sogleich nach den Zügeln. Er wollte das Pferd umdrehen und wieder auf den Weg hinausfahren, aber in demselben Augenblick klopfte ihm jemand auf die Schulter und er sah sich um. Da stand neben ihm der alte Olof, der Pferdeknecht, der im Pfarrhof gedient hatte, solange Torarin überhaupt zurückdenken konnte.

"Hast du es so eilig, heute Nacht vom Hof wegzufahren, Torarin?", sagte der Alte. "Komm doch lieber ins Haus hinein! Herr Arne sitzt da und wartet auf dich."

Torarin gingen tausend Gedanken durch den Kopf. Er wusste nicht, ob er träumte oder wachte. Olof, den Pferdeknecht, den er frisch und lebend vor sich stehen sah, hatte er vor einer Woche tot neben den anderen liegen sehen, mit einer großen Wunde im Hals.

Torarin fasste die Zügel fester. Es deuchte ihn das Beste, rasch fortzukommen. Aber die Hand Olofs, des Pferdeknechts, lag noch auf seiner Schulter und der Alte fuhr fort, in ihn zu dringen.

Torarin grübelte hin und her, um eine Ausflucht zu finden. "Es lag mir nicht im Sinn, Herrn Arne zu so später Stunde zu stören", sagte er. "Das Pferd ist hergetrabt, ohne dass ich davon wusste. Ich will jetzt weiterfahren und mir eine Herberge für die Nacht suchen. Wenn Herr Arne mich sprechen will, kann ich wohl morgen wiederkommen."

Damit beugte Torarin sich vor und schlug mit der Peitsche nach dem Pferd, damit es sich in Bewegung setze.

Allein im selben Augenblick stand der Pfarrhofknecht vorne beim Kopf des Pferdes, fasste es am Zaumzeug und zwang es, stillzustehen. "Sei nicht halsstarrig, Torarin", sagte der Knecht. "Herr Arne ist noch nicht zu Bett gegang

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